COVID-19 und Patientensicherheit: Wie meistert das Gesundheitswesen diese Krise?

Forderungen anlässlich des 2. Internationalen Tages der Patientensicherheit

Wien (OTS) – Seit 2015 begeht die Österreichische Plattform Patientensicherheit zusammen mit ihren Kooperationspartnern aus Deutschland und der Schweiz jährlich den 17. September und fordert alle Akteure im Gesundheitswesen auf, mit Aktionen zur Patientensicherheit beizutragen. Im vergangenen Jahr rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dieses Datum zum jährlichen Welttag der Patientensicherheit aus. Das diesjährige Motto des damit 2. Internationalen Tages der Patientensicherheit ist der aktuellen COVID-19-Situation gewidmet und lautet „Patientensicherheit und COVID-19. Mit Resilienz Krisen meistern.“

Der 2. Internationale Tag der Patientensicherheit fällt in eine besondere Zeit: Gerade die Veränderungen und Umbrüche durch die aktuelle COVID-19-Situation zeigen, wie wichtig Patienten- und Mitarbeitersicherheit im Gesundheitswesen sind. „Die Österreichische Plattform Patientensicherheit unterstützt alle Maßnahmen, welche die Sicherheit der Patientinnen und Patienten, aber auch aller im Gesundheitswesen Mitarbeitenden stärken. In Richtung Bevölkerung ist es uns ein Anliegen, die Gesundheitskompetenz zu stärken und zu informieren“, so Brigitte Ettl, Präsidentin der Österreichischen Plattform Patientensicherheit und Ärztliche Direktorin Klinik Hietzing.

Seit 20 Jahren steht Patientensicherheit mittlerweile im Fokus: Im Jahr 1999 hat die Veröffentlichung der Studie „to err is human“ des U.S Instituts für Medizin (IOM) wesentlich dazu beigetragen, dass Patientensicherheit mehr Beachtung im medizinischen Alltag gefunden hat. In diesem Report wurde erhoben, dass zwischen 44.000 und 98.000 Patientinnen und Patienten in US-Spitälern jedes Jahr an den Folgen vermeidbarer Fehler (adverse events) sterben. Diese Zahlen rechtfertigen jedenfalls ein konsequentes Vorgehen hinsichtlich der Verbesserung von Patientensicherheit. Das aktuelle White Paper der Patient Safety Movement Foundation geht davon aus, dass die mit COVID-19 in Verbindung gebrachten Todesfälle in den USA bald 200.000 erreichen werden. Dies entspricht auch in etwa der Zahl der Todesfälle in den USA, die auf vermeidbare Fehler in Spitälern zurückzuführen sind.

Unbürokratische und schnelle Schutzausrüstung

In einer Pandemiesituation, wie jetzt durch Covid-19 verursacht, ist es für die Patienten- und Mitarbeitersicherheit essentiell, dass die handelnden Personen mit qualitativer und quantitativer Schutzausrüstung versorgt sind. Dies müsse unbürokratisch und schnell geschehen – und zwar in allen Settings, betont Elisabeth Potzmann, Präsidentin des Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV): „Im Sinne der Patientensicherheit ist es wichtig, dass während einer Pandemie auch die Versorgung des gesamten Krankheitsspektrums sowie Präventionsmaßnahmen aufrecht erhalten bleiben. Grundlegende Voraussetzung dafür ist, dass ausreichend professionell ausgebildetes Pflegepersonal zur Verfügung steht, das sowohl intra- als auch extramural seinen Versorgungsauftrag erfüllen kann. Die Rahmenbedingungen und Organisation dafür müssen von der Politik geschaffen werden. Ohne Mitarbeitersicherheit kann es keine Patientensicherheit geben.“

Aufstockung der Ausbildungsplätze im MTD-Bereich

Expertinnen und Experten betonen, dass die Weltbevölkerung lernen müsse, mit COVID-19 zu leben. Die Ausbreitung des Virus hat auf alle Bereiche unserer Gesellschaft massive Auswirkungen. Gabriele Jaksch, Präsidentin von MTD-Austria, dem Dachverband aller gehobenen medizinisch-technischen Berufe, betont: „Gerade Krisen zeigen auf, ob ein System Bestand hat. Die COVID-19-Pandemie weist darauf hin, dass das österreichische Gesundheitssystem einem Verbesserungsbedarf unterliegt. Derzeit gibt es eklatante Versorgungslücken im intra- und extramuralen Bereich bei den MTD-Berufen. Daher sind die Patientensicherheit und die Mitarbeitersicherheit in Gefahr. Durch die Aufstockung der Ausbildungsplätze an den Fachhochschulen muss dem Mangel entgegengewirkt werden.“ Bereits im aktuellen Regierungsprogramm 2020 wurde ein bedarfsgerechter Ausbau des Fachhochschulsektors vor allem im Gesundheitsbereich aufgenommen, um den Standort Österreich nachhaltig zu sichern und auszubauen, so Jaksch, die 34.400 Berufsangehörige aus den Bereichen Biomedizinische Analytik, Diätologie, Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie, Orthoptik, Radiologietechnologie vertritt.

Telefonische Krankschreibung und Medikamentenverordnung

Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, betont, dass Österreichs Ärztinnen und Ärzte seit Beginn der Pandemie und besonders während des Lockdowns Großartiges geleistet haben – auch besonders im Sinne der Patientensicherheit: „Maßnahmen wie die telefonische Krankschreibung und die telefonische Medikamentenverordnung – um nur einige zu nennen – waren entscheidende Beiträge dafür, dass Ordinationen und Ambulanzen geschützt werden konnten und somit nicht zu Umschlagplätzen für das Virus geworden sind. Leider scheint dieser Fokus auf die Patientensicherheit außerhalb der Ärzteschaft wieder etwas in Vergessenheit zu geraten. Die telefonische Krankschreibung, die sich hervorragend bewährt hat, hätte aus unserer Sicht zumindest bis Jahresende verlängert werden müssen.“ Dass die Gesundheitskasse dieses Sicherheitsplus für die Patientinnen und Patienten ohne Not beschränkt habe, sei für die Ärztekammer nicht nachvollziehbar. Szekeres wünsche sich von der Kasse und von der Politik deutlich mehr Einsatz für die Sicherheit und die beste Versorgung für die Patientinnen.

Physische und psychische Gesundheit sowie rechtlich-ethische
Aspekte

Neben den klassischen Themenfeldern wie Digitalisierung, Kommunikation, Medikationssicherheit, Hygiene und Patient Empowerment sind auch weitere Aspekte der Patientensicherheit durch die Pandemie besonders in den Vordergrund gerückt. Dazu Maria Kletecka-Pulker, Direktorin des LBI Digital Health and Patient Safety und Geschäftsführerin der Österreichischen Plattform Patientensicherheit:
„Gerade in dieser besonderen Zeit zeigt sich, dass nicht nur die physische, sondern auch die psychische Gesundheit zu berücksichtigen ist, wenn wir von Patientensicherheit sprechen. Auch der Umgang mit rechtlichen und ethischen Aspekten der Patienten- und Mitarbeitersicherheit wirft aktuell viele Fragen auf.“

Wichtig ist vor allem, dass Patientensicherheit tatsächlich gelebt wird – und zwar auf allen Ebenen. Um Sicherheitskultur umzusetzen, bedarf es des täglichen Engagements aller im Gesundheitswesen. Daher hat sich die Österreichische Plattform Patientensicherheit heuer für das Thema „Patientensicherheit und COVID-19. Mit Resilienz Krisen meistern.“ entschieden, um den Internationalen Tag der Patientensicherheit in seiner ganzen Vielfalt zu begehen. Der Bogen spannt sich zwischen Führungskräften, Mitarbeitenden, Patientinnen und Patienten.

Aufruf an den Gesundheitsbereich, sich zu beteiligen

Alle Organisationen aus dem Gesundheitsbereich waren eingeladen, sich am Internationalen Tag der Patientensicherheit zu beteiligen. Eine interaktive Landkarte fasst die Aktivitäten zusammen. Gemeinsam mit dem Wiener Gesundheitsverbund und dem Institut für Ethik und Recht in der Medizin veranstaltet die Plattform eine Tagung zum Thema: „Patientensicherheit und COVID-19. Mit Resilienz Krisen meistern.“ Diese wird am 09.10.2020 als Online-Event abgehalten.

Mag. Bosko Skoko
E-Mail: bosko.skoko@kommunikationsmacherei.at
Mobil: 0699/1 405 78 49

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender

Das könnte dir auch gefallen
%d Bloggern gefällt das: