AK: MieterInnen in Not – Wohnst du noch oder verschuldest du dich schon?

Corona-Mietstundungen laufen aus – Wenn nichts passiert: 17.000 könnten aus Wohnung fliegen, geschätzte Mietschulden von über 83 Millionen Euro drohen – Hilfsfonds dringend nötig

Wien (OTS) – In der AK Wohnrechtsberatung rufen verzweifelte MieterInnen an: Herr E. ist in Kurzarbeit und sollte die gestundete April-Miete 2020 im Jänner zahlen, obwohl er bis März Zeit hätte – eine Räumungsklage steht im Raum. Die Mietschulden für rund 48.800 österreichische Haushalte könnten heuer auf mehr als 83 Millionen Euro ansteigen. Schätzungsweise könnten 48.800 Kündigungen und Räumungs-klagen drohen, 17.000 könnten aus ihrer Wohnung fliegen. „Unglaublich, und dann erklärt die Immobranche, sie habe keine Krise. Bei den ArbeitnehmerInnen ist die Krise längst angekommen – ab April sind die drei gestundeten Mieten 2020 fällig. Wie sollen Arbeitslose oder KurzarbeiterInnen vier Mieten zahlen?“, fragt AK Wohnexperte Thomas Ritt. Aufschieben statt helfen bringt nichts. Ein Hilfsfonds muss her.“

Viele stehen mit ihrer Miete in „der Kreide“: Herr E. rief in der AK Wohnrechtsberatung an, weil er eine Räumungsklage für seine Mietwohnung erhalten hat. Er kann sich das nicht erklären. Er ist in Kurzarbeit, hat weniger Einkommen und sollte eine gesetzlich gestundete Miete vom April 2020 im Jänner zahlen – so die Forderung des Vermieters. Obwohl die gestundeten Mieten per Gesetz erst im April 2021 zu zahlen sind. Anderer Fall: Herr A. hat im Oktober 2020 coronabedingt seine Arbeit verloren und muss nun mit 1.100 Euro die Miete (760 Euro), Strom (90 Euro) und weitere Kosten zahlen. Er konnte sich die Wohnung nicht mehr leisten, wollte zu einem Freund ziehen und die teure Wohnung Ende 2020 kündigen. Das teilte er dem Vermieter mit. Die Antwort: Die Wohnung darf er erst im April 2021 kündigen, bis dahin muss er die Mieten voll zahlen.

„Die Fälle zeigen, es wird bei vielen sehr, sehr eng mit der Miete“, sagt Ritt. „Die Corona-Mietstundungen laufen Ende März aus. Im April kommt die Keule – dann müssen MieterInnen bis zu vier Monatsmieten zahlen. Und stunden heißt auch, zu den gestundeten Monatsmieten kommen vier Prozent Zinsen dazu, plus die laufende Miete.“

„Fast eine Million Menschen ist arbeitslos und in Kurzarbeit. So mussten ArbeitnehmerInnen alleine im zweiten und dritten Quartal 2020 mit rund 4,5 Milliarden Euro weniger Einkommen auskommen. Bei der Immobilienbranche sprudeln die Einnahmen – die Mieterträge in den Altbauwohnungen sind in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Österreichweit belief sich der Zuwachs auf 52 Prozent, in Wien sogar auf 61 Prozent.

ExpertInnen gehen davon aus: Die Mietzinsrückstände sind alleine in Wien bis zum Jahresende 2020 im Vergleich zum Vorjahr um mindestens 20 Prozent gestiegen. Im Schnitt sind betroffene MieterInnen mit über drei Monatsmieten im Rückstand – heuer könnten österreichweit über 83 Millionen Euro nicht an Mieten bezahlt werden. So könnten schätzungsweise 48.800 Kündigungen und Räumungsklagen drohen. Die Anzahl der Delogierungen 2021 könnte sich im Vergleich zu 2020 mehr als verdoppeln – 17.000 Haushalte könnten ihr Wohnung verlieren.

„Die ohnehin schon zahlungsschwachen MieterInnen werden in die Schuldenfalle getrieben“, warnt Ritt. Unternehmen bekommen Fixkostenzuschüsse und Umsatzersatz. Wohnkosten sind auch Fixkosten.“ Daher verlangt Ritt für MieterInnen einen Hilfsfonds: unkomplizierte Anträge auf Übernahme des ganzen oder teilweisen Mietzinses.

Arbeiterkammer Wien
Doris Strecker
(+43-1) 501 65-12677, mobil: (+43) 664 845 41 52
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