Kindliche Hochrisiko-Tumore: Gen-Defekt verkürzt Überleben und sollte gezielt behandelt werden

Studie der St. Anna Kinderkrebsforschung identifiziert Risikofaktor für das Überleben und mögliche Behandlung bei kindlichem Nerventumor

Wien (OTS) – Neuroblastome, die häufigsten soliden Tumore außerhalb des Gehirns bei Kindern, gehen mit einer schlechteren Überlebenschance einher, wenn sie genetische Veränderungen im ALK-Gen aufweisen und zur Hochrisikogruppe gehören. Das zeigten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der St. Anna Kinderkrebsforschung gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen in einer internationalen Zusammenarbeit. Zukünftig ist es denkbar, bei Nachweis solcher Veränderungen eine Behandlung mit ALK-Hemmern in Studien am Beginn der Therapie einzusetzen. Die Arbeit wurde im renommierten Journal of Clinical Oncology veröffentlicht.

Genetische Veränderungen im sogenannten ALK-Gen und dem dazugehörigen Protein können das Wachstum von bösartigen Nerventumoren bei Kindern anfeuern. Diese Nerventumore, nämlich Neuroblastome, sind Neubildungen außerhalb des Gehirns, die bereits bei der Embryonalentwicklung entstehen. Bei einer sehr aggressiven Form von Neuroblastomen (Hochrisiko-Neuroblastome) haben sich bestimmte genetische Veränderungen in ALK nun erstmals als unabhängige Vorhersagemarker für ein kürzeres Überleben erwiesen.

Überleben durch gezielte ALK-Hemmung?

ALK steht für „anaplastische Lymphomkinase“, ein Protein, das bei Aktivierung das Tumorwachstum fördert. „Unsere Ergebnisse sprechen für den Einsatz eines ALK-Hemmers gemeinsam mit Chemotherapie und Immuntherapie am Beginn der Behandlung von Hochrisiko-Neuroblastomen mit einer ALK-Mutation oder
-Amplifikation (Anm.: Vermehrung des betroffenen DNA-Abschnitts). Diese Patientinnen und Patienten sollten daher in zukünftigen Studien ganz gezielt einen ALK-Hemmer erhalten“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Ruth Ladenstein, Ko-Senior-Autorin der Studie und Leiterin der Gruppe „Studien & Statistik für integrierte Forschung und Projekte (S2IRP)“ an der St. Anna Kinderkrebsforschung.

Ko-Erstautorin Dr. Ulrike Pötschger, Senior-Statistikerin der Gruppe S2IRP, ergänzt: „Aber auch in einer späteren Phase der Behandlung, wenn Patientinnen und Patienten eine Immuntherapie bekommen, um den bisherigen Behandlungserfolg aufrechtzuerhalten, sind ALK-Veränderungen ein Risikofaktor für das Überleben.“ Daher spricht sich Ladenstein dafür aus, eine Therapie mit ALK-Hemmern in allen Phasen der modernen Behandlung des Hochrisikoneuroblastoms zu integrieren.

ALK-Veränderungen sind ein Risikofaktor

Die vorliegende Phase-III-Studie der International Society of Pediatric Oncology Europe Neuroblastoma Group (SIOPEN) schloss 3.334 Personen mit einem Hochrisiko-Neuroblastom ein.
Insgesamt waren Veränderungen in ALK ein signifikanter Marker für ein kürzeres Überleben beim Hochrisiko-Neuroblastom. Aber auch die alleinige Auswertung von ALK-Amplifikationen ging mit einem schlechteren Langzeitüberleben der Patientinnen und Patienten einher. Ein Teil der ALK-Mutationen erwies sich ebenfalls als alleiniger Risikofaktor für ein kürzeres Langzeitüberleben.

Publikation: Angela Bellini, Ulrike Pötschger et al. Frequency and prognostic impact of ALK amplifications and mutations in the European Neuroblastoma Study Group (SIOPEN) high-risk neuroblastoma trial (HR-NBL1). J Clin Oncol 2021, June 11. DOI: 10.1200/JCO.21.00086.
https://ascopubs.org/doi/abs/10.1200/JCO.21.00086

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