40 Jahre Zwentendorf: Wo steht Atomenergie heute?

Die Hälfte der EU-Staaten setzt auf Kernkraft, EU-weit knapp ein Viertel Atomstrom

Zwtl.: • 455 Atomkraftwerke erzeugen rund 10 % des
weltweiten Stroms
• Derzeit 59 Atomkraftwerke in Bau, mehr als die Hälfte davon in
China, Indien und Russland

„Vor 40 Jahren haben die Österreicherinnen und Österreicher mit
knappen 50,47 Prozent in einer Volksabstimmung die Inbetriebnahme des
Atomkraftwerks Zwentendorf abgelehnt und damit Geschichte
geschrieben“, erinnert Peter Traupmann, Geschäftsführer der
Österreichischen Energieagentur, an das historische Jubiläum am 5.
November 2018. Seitdem haben die Entwicklungen das Ergebnis
bestätigt. Heute bestehe ein breiter gesellschaftlicher und
politischer Konsens in Österreich darüber, dass Kernenergienutzung
keine nachhaltige, sichere und zukunftsfähige Art der Stromerzeugung
darstellt. „Vier Jahrzehnte später ist das Thema Energie wieder ganz
oben auf der Agenda. Diesmal geht es um unser Klima und es braucht
einen massiven Wandel, wenn wir die spürbaren Änderungen eindämmen
wollen. So wie Atomenergie in Österreich seit 40 Jahren ein ‚No Go‘
ist, so sollte das auch in Zukunft für fossile Energie gelten –
wissend, dass das ein langer und schwieriger Weg ist“, skizziert
Traupmann die Zukunft. Die Herausforderungen auf diesem Weg in eine
fossilfreie Energiezukunft sind beträchtlich. Das zeigt das Beispiel
Strom: Laut der der Klima- und Energiestrategie #mission2030 soll im
Jahr 2030 in Österreich mindestens gleich viel Strom aus erneuerbaren
Energieträgern erzeugt werden, wie insgesamt verbraucht wird. Um die
dann benötigten 88 TWh aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen, muss
etwa der Anteil von Wind und Photovoltaik von heute 12 Prozent (6,1
TWh) auf 42 Prozent (36,7 TWh) gesteigert werden.
„Österreich ist bei der ökologischen Erzeugung von Strom
international ein Vorbild: Schon jetzt werden über 70 Prozent aus
erneuerbaren Energieträgern erzeugt, bis 2030 sollen 100 Prozent
erreicht werden. Das ist ein Wandel, der noch viel stärker ist als
der Umbau des Energiesystems nach dem österreichischen Nein zur
Atomkraft“, sagt Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für
Nachhaltigkeit und Tourismus. Kernkraft dürfe ihr zufolge bei der
Dekarbonisierung in Europa keine Rolle spielen. Neben dem
Sicherheitsaspekt gehe es dabei vor allem auch um Chancengleichheit
für erneuerbare Energieproduktion und Kostenwahrheit bei
Energieerzeugung aus fossilen Trägern und Atomkraft. „Atomkraft ist
keine Alternative, sondern Teil des Problems. Nur der Umstieg auf
erneuerbare Energieträger kann die Zukunft sein, daher sollte auf
europäischer Ebene auch Schluss sein mit finanzieller Unterstützung
von Atomkraft durch die öffentliche Hand. Diesen Standpunkt werden
wir auf europäischer Ebene auch weiterhin vertreten“, betont
Köstinger.

Zwtl.: Zwentendorf und die Entwicklung der Kernkraft in Europa

In den 50iger Jahren hatte der Vorsitzende der U.S. Atomic Energy
Commission, Lewis L. Strauss, noch angenommen, dass
Atomstromproduktion „too cheap to meter“ also „zu günstig, um sie
überhaupt zu messen und zu verrechnen“ – sein werde. Es wurden große
Hoffnungen in diese Technologie gesetzt. Auch Österreich wollte den
„Eintritt in das Zeitalter der Kernenergie“ schaffen (so ein
damaliger Werbefilm). Der Bau des Atomkraftwerks Zwentendorf wurde
1972 begonnen, die Kosten wurden damals (umgerechnet) mit rund 500
Millionen Euro beziffert. In der Energieplanung der 1970iger Jahre
waren in Summe drei Kernkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 3.300
MW vorgesehen, die nach dem Nein der Österreicherinnen und
Österreicher zur Atomkraft nie realisiert wurden. In elf der heutigen
Mitgliedstaaten der EU-28 wurden bereits damals AKWs betrieben:
Belgien, Bulgarien, Deutschland (damals noch knapp vor Frankreich),
Spanien, Frankreich, Niederlande, in der damaligen Tschechoslowakei,
Italien, Finnland, Schweden und UK. Die Erzeugung betrug allerdings
nur etwa 20 Prozent der Produktion des Jahres 2016, damit konnten
neun Prozent des Stromverbrauchs gedeckt werden.

Seit 1987 erzeugt Italien keinen Atomstrom mehr. In den 1980er Jahren
wurden aber weitere Anlagen in Litauen, Tschechien, Slowenien und
Ungarn errichtet. 1996 wurde in Cernavodă (Rumänien) ein neues AKW in
Betrieb genommen, 1998 das Kernkraftwerk Mochovce (Slowakei) und 2002
Temelin (Tschechien). Damit betreiben heute 14 der 28
EU-Mitgliedstaaten Kernkraftwerke.

Zwtl.: Atomenergie weltweit: 10 Prozent des Stroms

Im Jahr 2017 machte Atomenergie laut der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) rund 10 Prozent der gesamten Stromerzeugung
weltweit aus. Derzeit sind 455 Atomreaktoren mit etwa 400 GW
Kapazität im Netz. In Nord-, West- und Südeuropa könnte die
Produktionskapazität bis 2030 um bis zu 30 Prozent sinken, so die
IAEA. In Osteuropa dürfte die Kapazität in den kommenden zwei
Jahrzehnten hingegen gleich bleiben oder sogar um bis zu 30 Prozent
steigen.
Laut dem aktuellen „Renewables 2018 Global Status Report“ (GSR 2018)
beträgt der Anteil von Nuklear-energie am gesamten weltweiten
Energieverbrauch 2,2 Prozent, fossile Energien machen ganze 79,5
Prozent aus.

Ein Viertel Atomstrom in Europa, Platz zwei hinter Erneuerbaren
Der Anteil von Atomstrom im Strommix der EU-28 lag im Jahr 2016 bei
26 Prozent, das bedeutete Platz Zwei hinter den Erneuerbaren mit 30
Prozent. Auf Kohle entfielen 22 Prozent, auf Gas 19 Prozent und auf
andere fossile Energieträger 3 Prozent. Im Jahr 2014 wurde in der
EU-28 erstmals mehr Strom aus Erneuerbaren als aus Kernenergie
erzeugt.

Auf Frankreich entfielen im Jahr 2016 48 Prozent (403 TWh) der
EU-Stromerzeugung aus Kernkraft-werken, gefolgt von Deutschland (10
Prozent), UK (8,5 Prozent), Schweden (7,5 Prozent) und Spanien (7
Prozent). Diese fünf Länder kommen zusammen auf 81 Prozent der
AKW-Erzeugung.

Zwischen 1990 und 2004 stieg die EU-Stromerzeugung aus AKWs um 27
Prozent, danach fiel sie bis 2016 um 17 Prozent. Hauptverantwortlich
dafür waren die Schließung des litauischen AKW Ignalina im Jahr 2009
sowie der Atomausstieg Deutschlands, der bis 2022 abgeschlossen sein
soll.

Weitere Details sowie das Fazit für Europa „too costly to matter“
finden sich im gesamten Pressetext auf der [Webseite der
Österreichischen Energieagentur]
(https://www.ots.at/redirect/atomenergie).

Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency
Mag. Klaus Kraigher, MAS
Leiter Kommunikation
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