Oö. Volksblatt: „Religiosität“ (von Markus EBERT)

Ausgabe vom 6. November 2018

Linz (OTS) – Religion, so heißt es, sei Privatsache. Das ist sie, wie
die nun publizierte Europäische Wertestudie ausweist, sogar im
doppelten Sinn. Selbstverständlich ist es jedem Menschen unbenommen,
ob und was er glaubt. Was dazu kommt ist aber, dass auch bei
religiösen Menschen der Aspekt der institutionellen Bindung zunehmend
an Bedeutung verliert. 1990 sagten beispielsweise noch 50 Prozent der
Christen, dass sie mindestens einmal im Monat den Gottesdienst
besuchen, jetzt sind es nur mehr 36 Prozent.
Wenn Religiosität — welcher Konfession auch immer — verstärkt auf die
eigenen vier Wände beschränkt bleibt, gehen bestimmte Dinge verloren.
Der interreligiöse Dialog — nicht jener der Institutionen, sondern
insbesondere jener der Menschen untereinander — etwa und damit auch
der Stellenwert der religiösen Toleranz im Zusammenleben, oder das
Wissen über unterschiedliche Wertvorstellungen. Weshalb es gerade in
Zeiten einer sich verändernden sozio-ethnischen Gesellschaft umso
notwendiger ist, einen überkonfessionell akzeptierten Wertekompass
nicht nur zu definieren, sondern ihn auch möglichst verbindlich zu
propagieren. Die Frage, ob es einen verpflichtenden Ethikunterricht
braucht, wird sich wohl nicht ewig auf die lange Bank schieben
lassen.

Oö. Volksblatt, Chefredaktion
0732/7606 DW 782
politik@volksblatt.at
http://www.volksblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender