Journalistinnenkongress 2 – Redakteurinnen sehen sich wieder stärker gegenüber Männern benachteiligt

Mut, Tun und Networken – die drei Zutaten für mehr Erfolg

Zwtl.: In den ersten beiden Panels ging es um die Sicht
der Frauen auf ihre journalistischen Karrierechancen, um neuen
Technologien und um ‚MeToo‘

Frauen bräuchten Unterstützer und Förderer – damals wie heute, denn
ohne sei es schwer, sagte Julia Juster, wissenschaftliche
Mitarbeiterin an der Donau-Uni Krems, beim 20.
Journalistinnenkongress im Haus der Industrie in Wien. Im Vergleich
zu vor 20 Jahren hätten etwa angestellte Redakteurinnen heute wieder
vermehrt das Gefühl, dass Männer ihnen vorgezogen werden.

Juster hat eine Studie aus dem Jahr 1998 mit einer aktuellen
Expertise zu den subjektiven Karrierechancen von Journalistinnen
verglichen. In den Chefetagen würden die Perspektiven weiblicher
Mitarbeiter besser eingeschätzt als in den Redaktionen selbst, sagte
sie beim Panel „As time goes by“.

Für freie Journalistinnen habe Networking einen höheren
Stellenwert als für angestellte, sagte Kristin Allwinger von der
Firma Akonsult. „Plumpe Anmache“ hindere Frauen vielfach daran, ihre
Vorteile zu wahren. Den persönlichen Kontakt beim Netzwerken würden
über 50 Prozent der Frauen als zielführender als digitale
Kommunikation einschätzen.

Die Medienlandschaft habe sich in den vergangenen Jahren stark
geändert, aber eines sei gleich geblieben: Nach wie vor seien Frauen
in Medien großteils unsichtbar, sagte Maria Pernegger von der
Beratungsfirma Media Affairs. Diese Nichtsichtbarkeit habe starke
historische Wurzeln. So sei etwa Elizabeth I. (1533 – 1603) nur
mangels männlicher Thronfolger zur englischen Königin geworden.

Zwtl.: Die Rolle künstlicher Intelligenz

Um die Auswirkungen der künstlichen Intelligenz auf den
Journalismus – und hier auf die Rolle von Frauen – ging es beim
Panel zu „Journalismus 4.0“. Männer würden sich vor negativen Folgen
der neuen Technologien auf ihren Job mehr als Frauen fürchten, sagte
Christina Wilfinger von Microsoft. Sie appellierte, keine Furcht vor
künstlicher Intelligenz zu haben. Diese sei ihr „lieber als
menschliche Dummheit“.

Um künftig zu bestehen, müssten Onlinemedien unter Verwendung der
Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz neue Erzählformen
entwickeln, sagte Elisabeth Gamperl von der Süddeutschen Zeitung.
Gamperl war Teil jener Recherchegruppe, die bei der Süddeutschen die
Leaks zu den Panama Papers und Paradise Papers redaktionell
aufbereiteten.

Man müsse die Inhalte stärker visualisieren, sie zugänglich und
erlebbar machen, sagte Gamperl. Dazu brauche es eine enge
Zusammenarbeit zwischen Journalist, Entwickler und Designer, denn
Onlinejournalismus sei Teamarbeit.

Zwtl.: Stanic: #MeToo hat im Journalismus nichts bewegt

Der Frage, ob #Metoo die Medienbranche verändert habe, widmete
sich Alexandra Stanic vom Onlinemedium Vice. Ihre Antwort: Nein,
gewandelt habe sich innerhalb der Branche durch die öffentlichen
Diskussionen um sexuelle Übergriffe gegen Frauen nichts: „Weiterhin
sind es die Männer, die bestimmen und kommentieren“.

Jedoch, so Stanic: #MeToo habe Frauen mutiger, selbstsicherer und
untereinander kollegialer gemacht. Sie brach eine Lanze für Frauen
mit Migrationshintergrund im Journalismus. Diese müssten, um sich
durchzusetzen „150 Prozent bringen, schneller und besser sein“ als
ihre Kolleginnen und Kollegen.

Dorit Muzicant – YoungStars

Dr.a Ulrike Schöflinger
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