Creditreform KMU-Umfrage, Herbst 2018

Konjunktur verliert an Schwung – Geschäftslage weiterhin gut – Rückläufige Umsatzentwicklung – weniger Aufträge

Wien (OTS) – Die Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung
hat im Herbst 2018 an die 1.700 österreichische Klein- und
Mittelunternehmen nach der aktuellen Wirtschaftslage und den
Ausblicken für die kommenden sechs Monate befragt.

Die Konjunktur in Österreich war im Herbst dieses Jahres gut in
Form, hat jedoch an Schwung verloren. So legte das Creditreform
Klimabarometer im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,6 Zähler zu. Der
Mittelstand war in der zweiten Jahreshälfte 2018 recht entspannt. Von
einer abschwächenden Wirtschaftsdynamik war noch nicht viel zu
spüren. Lediglich bei der Dienstleistungsbranche zogen erste dunkle
Wolken am Horizont auf. Hier gaben sowohl der Geschäftslage- als auch
der Erwartungsindex nach. In den anderen drei
Hauptwirtschaftsbereichen legten beide Indizes dagegen zu, wenn auch
nicht mehr so deutlich wie im Herbst 2017.

Dass sich die konjunkturelle Dynamik im Land zum Ende des Jahres
abgeschwächt hat, zeigt auch das Creditreform Klimabarometer. Hier
konnte sich der Index im Herbst 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 1,6
Zähler von plus 23,9 auf plus 25,5 Punkte verbessern, liegt jedoch,
anders als in den Jahren zuvor, unter dem Frühjahresergebnis (plus
27,6 Punkte).

Zwtl.: Industrie und Bau sind gut aufgestellt

Besonders erfolgreich lief es in den letzten Monaten für die
Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes (plus 30,6 Punkte; Vorjahr: plus
27,9 Punkte) und der Baubranche (plus 30,1 Punkte; Vorjahr: plus 27,0
Punkte). Mit einem Plus von 3,1 Zählern gelang den mittelständischen
Bauunternehmen damit auch der größte Zuwachs aller vier
Hauptwirtschaftsbereiche. Mit deutlichem Abstand folgen die
Dienstleistungsbranche (plus 22,9 Punkte; Vorjahr: plus 24,6 Punkte)
und der Handel (plus 21,7 Punkte; Vorjahr: plus 19,4 Punkte). Im
Gegensatz zu den andern Hauptwirtschaftsbereichen gab bei der
Dienstleistungsbranche das Creditreform Klimabarometer nach und zwar
um 1,7 Zähler.

Das Creditreform Klimabarometer basiert auf einer Umfrage unter
circa 1.700 mittelständischen Betrieben in Österreich. Der Index
setzt sich zusammen aus den Einschätzungen der Befragten zum eigenen
Betrieb, zur eigenen Branche sowie zur konjunkturellen Lage
allgemein. Dabei fließen in die Gesamtbewertung des Konjunkturklimas
sowohl die Äußerungen zur aktuellen Lage als auch zur zukünftigen
Entwicklung ein. Aus den positiven und negativen Antworten werden
jeweils Salden gebildet, die wiederum die Berechnungsgrundlage für
den Gesamtindex bilden. Das Klimabarometer zielt in erster Linie auf
die Stimmung im Mittelstand ab.

Zwtl.: Geschäftslage weiterhin sehr gut

Die meisten mittelständischen Betriebe waren in den letzten
Monaten zufriedener mit ihrer Geschäftslage als im Jahr zuvor. Der
Geschäftslageindex stieg um 2,9 Zähler auf heuer plus 27,9 Punkte
(Vorjahr: plus 25,0 Punkte). Beim Bau (plus 33,6 Punkte; Vorjahr:
plus 30,1 Punkte) und beim Verarbeitenden Gewerbe (plus 32,8 Punkte;
Vorjahr: plus 29,3 Punkte) legte der Index jeweils um 3,5 Zähler zu,
beim Handel waren es sogar 4,0 Zähler (plus 23,1 Punkte; Vorjahr:
plus 19,1 Punkte). Bei der Dienstleistungsbranche blieb die Stimmung
im Jahresvergleich unverändert (plus 25,6 Punkte; Vorjahr: plus 25,8
Punkte).

Zwtl.: Rückläufige Umsatzentwicklung

Die Umsatzkurve des österreichischen Mittelstandes hat im Herbst
2018 eine Delle auf hohem Niveau bekommen. Betrug der Saldo aus
gestiegenen und gesunkenen Umsätzen vor einem Jahr noch plus 25,9
Prozentpunkte, so sind es heuer plus 20,9 Prozentpunkte. In den
vergangenen Monaten haben 35,1 Prozent der Befragten (Vorjahr: 39,1
Prozent) höhere Umsätze erwirtschaftet. Auf der anderen Seite mussten
14,2 Prozent (Vorjahr: 13,2 Prozent) einen Umsatzrückgang verkraften.

Die meisten Umsatzsteigerungen verbuchten das Verarbeitende
Gewerbe (43,4 Prozent; Vorjahr: 44,7 Prozent) und die Bauwirtschaft
(35,4 Prozent; Vorjahr: 43,8 Prozent). Bei der Dienstleistungsbranche
(32,1 Prozent; Vorjahr: 41,7 Prozent) und dem Handel (32,1 Prozent;
Vorjahr: 31,1 Prozent) freute sich jeder dritte Befragte über
Umsatzsteigerungen. Allerdings klagte beim Handel auch jeder fünfte
(20,6 Prozent; Vorjahr: 19,9 Prozent) über ein Umsatzminus – so viel
wie in keinem anderen Hauptwirtschaftsbereich. Somit erzielte dessen
Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Umsätzen mit plus 11,5
Prozentpunkten den niedrigsten Wert aller vier Bereiche (Vorjahr:
plus 11,2 Prozentpunkte). Den mit Abstand besten Saldo gab es mit
einem Ergebnis von plus 32,1 Prozentpunkten beim Verarbeitenden
Gewerbe (Vorjahr: plus 37,3 Prozentpunkte).

Zwtl.: 31% rechnen mit weiter steigenden Umsätzen

Trotz der im Herbst 2018 rückläufigen Umsatzentwicklung schauen
die Mittelständler zuversichtlicher als noch vor einem Jahr auf ihre
künftige Umsatzlage. Der Saldo aus steigenden und sinkenden Umsätzen
kletterte von plus 16,1 auf plus 22,4 Prozentpunkte. Derzeit
kalkulieren 31,0 Prozent der Befragten mit einem Umsatzplus (Vorjahr:
29,3 Prozent) und 8,6 Prozent mit einem Umsatzminus (Vorjahr: 13,2
Prozent).

Sehr optimistische Umsatzerwartungen haben die
Dienstleistungsbranche und das Verarbeitende Gewerbe. Bei der
Dienstleistungsbranche rechnen 35,8 Prozent der Befragten mit
steigenden Umsätzen (Vorjahr: 33,9 Prozent) und beim Verarbeitenden
Gewerbe 34,0 Prozent (Vorjahr: 28,7 Prozent). Mit großer Sorge
schauen beim Handel 12,2 Prozent der Betriebe (Vorjahr: 12,6 Prozent)
und beim Bau 11,0 Prozent (Vorjahr: 18,8 Prozent) auf die kommenden
Monate. Die besten Erwartungssalden erzielten die Branchen
Dienstleistungen (plus 29,5 Prozentpunkte; Vorjahr: plus 22,6
Prozentpunkte) und Verarbeitendes Gewerbe (plus 28,3 Prozentpunkte;
Vorjahr: plus 17,0 Prozentpunkte).

Zwtl.: Weniger Aufträge

Die Auftragsbücher der mittelständischen Unternehmen waren in den
letzten Monaten nicht so gut gefüllt wie im Herbst 2017. Der Saldo
aus gestiegenen und gesunkenen Aufträgen beträgt plus 18,4
Prozentpunkte (Vorjahr: plus 22,7 Prozentpunkte). In den letzten
Monaten verzeichnete jeder dritte Betrieb (33,3 Prozent; Vorjahr:
36,6 Prozent) höhere und jeder siebte geringere Auftragseingänge
(14,9 Prozent; Vorjahr: 13,9 Prozent).

Beim Verarbeitenden Gewerbe freuten sich die meisten Betriebe über
ein Auftragsplus (42,5 Prozent; Vorjahr: 42,6 Prozent). Beim
Baugewerbe waren es 35,4 Prozent (Vorjahr: 38,8 Prozent). Besonders
von Auftragsrückgängen betroffen waren im Vergleichszeitraum die
mittelständischen Handelsunternehmen (21,4 Prozent; Vorjahr: 16,6
Prozent). Bei den übrigen Hauptwirtschaftsbereichen lag der Anteil
der Betriebe mit weniger Auftragseingängen dagegen zwischen 11,9 und
13,4 Prozent. Den besten Saldo aus gestiegenen und gesunkenen
Aufträgen (plus 30,2 Prozentpunkte; Vorjahr: plus 33,0 Prozentpunkte)
erzielte das Verarbeitende Gewerbe. Beim Handel betrug der
Auftragssaldo lediglich plus 9,1 Prozentpunkte (Vorjahr: plus 13,2
Prozentpunkte). Dass die Auftragsentwicklung im Herbst dieses Jahres
nicht so günstig war wie im Jahr zuvor, hat jedoch kaum Einfluss auf
die Auftragserwartungen des Mittelstandes. Der Saldo aus steigenden
und sinkenden Aufträgen beträgt plus 13,0 Prozentpunkte – nach plus
13,6 Prozentpunkten im Jahr zuvor. Mit mehr Aufträgen rechnen 23,0
Prozent der Befragten (Vorjahr: 25,2 Prozent) und jeder zehnte
Betrieb befürchtet dagegen weniger Auftragseingänge (10,0 Prozent;
Vorjahr: 11,6 Prozent).

Die meisten Optimisten finden sich heuer bei der
Dienstleistungsbranche (25,8 Prozent; Vorjahr: 27,0 Prozent) und beim
Verarbeitenden Gewerbe (24,5 Prozent; Vorjahr: 26,6 Prozent), wo
jeder vierte Mittelständler von Auftragssteigerungen ausgeht. Auf
eine Verschlechterung ihrer Auftragslage stellen sich besonders viele
Baubetriebe (13,4 Prozent; Vorjahr: 17,5 Prozent) ein, bei der
Dienstleistungsbranche sind es dagegen nur 6,9 Prozent (Vorjahr: 9,6
Prozent). Somit erzielte die Dienstleistungsbranche mit plus 18,9
Prozentpunkten (Vorjahr: plus 17,4 Prozentpunkte) den besten
Erwartungssaldo.

Zwtl.: Conclusio: Alles ist (noch) gut

Nachdem im vergangenen Frühjahr das Creditreform Klimabarometer
als Gradmesser für die Wirtschaftslage und –stimmung der
österreichischen KMU die besten Werte seit 2007/2008 auswies, scheint
der Höhepunkt nun im Herbst 2018 erreicht worden zu sein. Die
Geschäftslage ist nach wie vor sehr gut, aber die Erwartungshaltungen
für die kommenden Monate sind etwas gedämpft. Ursache dafür sind die
bekannten Themen um den BREXIT, die protektionistische US-Politik
sowie die zu erwartende Zinswende in Europa. Noch können sich aber
die heimischen Unternehmen auf ihre Exporterfolge (befeuert durch die
deutsche Exportwirtschaft), den stabilen Binnenkonsum und eine
sinkende Arbeitslosigkeit verlassen. 2019 wird aber sicher ein
spannendes Jahr mit zahlreichen Herausforderungen werden.

Mag. Gerhard M. Weinhofer, Mitglied der Geschäftsleitung
Creditreform Wirtschaftsauskunftei Kubicki KG
Muthgasse 36-40 (BT 4), 1190 Wien
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Mobil: +43-676-832 18 290
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