Biodiversität durch neue Gentechnik in Gefahr

GLOBAL 2000 fordert gemeinsam mit anderen NGOs Moratorium von Gene Drive.

Wien/Sharm El Sheikh (OTS) – Von 17. bis 29. November findet die 14.
Vertragsparteienkonferenz des UN-Übereinkommens über die biologische
Vielfalt (CBD COP 14) in Sharm El Sheikh, Ägypten, statt. Neben den
zahlreichen Artenschutz-Themen muss heuer der Neuen Gentechnik
besondere Relevanz beigemessen werden. Unter dem Schlagwort
“Synthetic Biology” werden auch Techniken wie CRISPR
zusammengefasst. Dazu gab es am 25. Juli diesen Jahres zumindest für
die EU seitens des EuGH eine klare Entscheidung. CRISPR und andere
neue gentechnische Methoden (und deren Produkte) sind als Gentechnik
zu klassifizieren. ”Diese klare Klassifizierung sollte nicht auf die
EU beschränkt bleiben. Auf der UN-Konferenz sollten sich die
Vertragspartner einigen, dass diese klare Regelung für alle
Partnerländer gilt“, betont Heidemarie Porstner, Gentechniksprecherin
der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. Der
Schutz der Umwelt und der menschlichen Gesundheit stehen laut dem
EuGH-Urteil im Vordergrund. Überdies hat das Vorsorgeprinzip zu
gelten. Durch die Entscheidung gibt es eine klare Regulierung,
Zulassungsverfahren, Risikobewertung und Kennzeichnung.

Die gentechnischen Veränderungen von Pflanzen können leicht auf
verwandte – auch Wildarten – übertragen werden. Wie sich die
gentechnische Veränderung dann bei den Pflanzen auswirkt, die
potentiell auch Futterpflanzen für wichtige Bestäuber sein können,
wurde bis dato bei weitem noch nicht ausreichend untersucht.
Porstner: “Die Techniken sind alles andere als sicher. Ohne
Regulierung als Gentechnik würde es niemals Bestrebungen geben, die
potentiellen Auswirkungen auf die Umwelt und die Artenvielfalt zu
überprüfen.“

Gene Drive – eine gentechnische „Kettenreaktion“
Besonderes Augenmerk muss einer Technik geschenkt werden, die dafür
sorgt, dass sich gentechnische Veränderungen in Pflanzen und Tieren
quasi von selbst reproduzieren, und zwar so, dass sie die Gesetze
der Vererbungslehre aushebeln und binnen weniger Generationen in
nahezu allen Nachkommen vertreten sind. Das kann zum Auslöschen
bestimmter Arten führen, aber auch zur Weitergabe von Eigenschaften
wie Herbizidtoleranz, damit das vermeintliche Unkraut wieder auf zum
Beispiel Glyphosat reagiert. “Die Möglichkeit, dass sich diese
modifizierten Gräser mit Nahrungspflanzen auskreuzen, muss dringend
in Betracht gezogen werden. Das kann drastische Folgen für das ganze
Ökosystem haben“, warnt Porstner.

Besondere Rolle Österreichs bei der CBD COP 14
Mit dem Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft kommt Österreich bei der
CBD COP 14 eine besondere Rolle zu. Die gemeinsam erarbeitete
EU-Position sieht zwar vor, dass in Punkto Neue Gentechnik (Genome
Editing) das Vorsorgeprinzip zu gelten hat und dass es durch Gene
Drive mögliche negative Auswirkungen auf die Biodiversität geben
könnte. Das von zahlreichen NGOs und UnterstützerInnen weltweit
georderte Moratorium für die so riskante Technologie „Gene Drive“
hat es aber nicht in das Papier geschafft. „Gerade unter dem Vorsitz
Österreichs, einem Land, das eine so lange Gentechnik-Freie
Tradition hat, sollte die EU dafür Sorge tragen, dass Gentechnik die
Biodiversität nicht unwiederbringlich zerstört“, sagt Porstner. „In
dieser heißen Phase der Diskussion um die Neue Gentechnik und Gene
Drive wäre ein stärkeres Engagement der beiden zuständigen
Ministerinnen, sowohl der Gesundheits- als auch die
Landwirtschaftsministerin, ein starkes und dringend notwendiges
Signal gewesen.“

In Österreich sind die Gentechnik-Agenden zwischen zwei Ministerien
aufgeteilt, dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit, Soziales und
Konsumentenschutz und dem Ministerium für Nachhaltigkeit und
Tourismus.

Unsere Briefe von über 200 Organisationen und UnterstützerInnen für
ein Moratorium zu Gene Drive sowie europäischer NGOs an die
EU-Kommissare Vella und Andriukaitis finden Sie unter
[global2000.at/presse]
(https://www.global2000.at/presse/biodiversit%C3%A4t-durch-neue-gente
chnik-gefahr)

[Hier] (https://awblog.at/neue-gentechnik/) geht’s zum Kommentar von
Heidemarie Porstner zur Neuen Gentechnik auf Arbeit&Wirtschaft

Lydia Matzka-Saboi, GLOBAL 2000 Pressesprecherin, 0699 14 2000 26, lydia.matzka@global2000.at
Heidemarie Porstner, GLOBAL 2000 Gentechniksprecherin 0699 14 2000 52, heidemarie.porstner@global2000.at

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