
Jungbauern: Digitalisierung bietet enormes Potenzial für die heimische Landwirtschaft
Digitaler Wandel nur bei laufender Aus- und Weiterbildung erfolgreich
Wien (OTS) – „Der Nutzen der Digitalisierung für die Landwirtschaft
wird erst dann geschaffen, wenn neue Informationen zu besseren
Entscheidungen führen.“ Das ist eine der zentralen Aussagen des knapp
hundertseitigen Berichts „Digitalisierung in der Landwirtschaft“, der
gestern von Bundesministerin Elisabeth Köstinger präsentiert wurde.
„Der umfangreiche Themenkomplex Digitalisierung bietet eine Vielzahl
an Chancen und Möglichkeiten für die österreichischen Landwirtinnen
und Landwirte und wirkt von Pflanzenbau und Tierhaltung über
Betriebswirtschaft und Management bis hin zu Vermarktung und
Verwaltung in alle Bereiche und Betriebszweige hinein“, erklärt Franz
Xaver Broidl, Bundesobmann der Österreichischen Jungbauernschaft, mit
Blick auf den vorgestellten Bericht, der die Grundlage für die
Entwicklung und Umsetzung spezifischer Maßnahmen sein soll.
Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz als zentrale Themen
„Wenn man von Digitalisierung im landwirtschaftlichen Bereich
spricht, fallen häufig die Begriffe Ressourcenschonung und
Ressourceneffizienz. Gerade in Zeiten, in denen der Klimawandel immer
deutlicher spürbar wird und die Preisentwicklung für Betriebsmittel
wie Saatgut, Dünger oder Sprit nach oben zeigt, ergeben sich dadurch
positive ökologische und ökonomische Perspektiven“, so Broidl. „Der
Einsatz von technischen Hilfsmitteln, wie Sensoren oder Apps, ist
entgegen der weitverbreiteten Meinung nicht nur für große Betriebe
interessant, sondern insbesondere auch für die kleinstrukturierte
Landwirtschaft, wie wir sie in Österreich vorfinden. So können etwa
Brunsterkennungssysteme eine Chance für Nebenerwerbsbetriebe sein, wo
die außerlandwirtschaftliche Tätigkeit nur eine beschränkte
Möglichkeit zur Tierbeobachtung bietet. Ähnliches gilt für die
Früherkennung von Krankheiten“, führt Broidl ein konkretes Beispiel
an.
Die Digitalisierung bietet auch Möglichkeiten, um neue
Einkommenswege – etwa in der Online-Vermarktung – zu erschließen,
bietet Unterstützung bei betriebswirtschaftlichen Kalkulationen durch
Einsatz von Deckungsbeitragsrechnern oder kann die Transparenz in der
landwirtschaftlichen Produktionskette erhöhen. „Wir sehen aber auch,
dass einige Technologien kostenintensivere Investitionen notwendig
machen, etwa im Bereich Precision Farming. Hier kann eine verstärkte
Kooperation zwischen einzelnen Betrieben eine Lösung sein“, merkt
Broidl an.
Aus- und Weiterbildung für den digitalen Wandel unabdingbar
Die Möglichkeiten, die die Digitalisierung mit sich bringt, sind eng
mit einer kontinuierlichen Aus- und Weiterbildung verknüpft. Viele
der eingesetzten Technologien erfordern sehr spezifisches Wissen,
welches man sich laufend aneignen und trainieren muss, um mit den
Neuerungen Schritt zu halten. „Hier sind die Landwirtinnen und
Landwirte, die Beratung, wie auch Lehrende und Fachexperten
gleichermaßen gefordert“, stellt Andreas Kugler, Generalsekretär der
Österreichischen Jungbauernschaft, klar. „Als zentral sehen wir hier
unter anderem eine entsprechende Berücksichtigung in der schulischen
Ausbildung, wie auch den Praxistransfer aus Wissenschaft und
Forschung an. Ein eigener Schwerpunkt für Landwirtschaft und
Digitalisierung, wie er ab dem kommenden Jahr am Francisco Josephinum
in Wieselburg angeboten wird, ist daher sehr zu begrüßen.“
Herausforderungen bei Datenschutz und neuen Arbeitsabläufen
berücksichtigen
„Wir sind uns aber auch im Klaren darüber, dass die Digitalisierung
eine Vielzahl an Risiken und Herausforderungen mit sich bringt. Aus
unserer Sicht betrifft das vor allem den Bereich Datensicherheit und
Datenschutz, aber auch eine wachsende Systemabhängigkeit sowie offene
Fragestellungen bei den rechtlichen Rahmenbedingungen. Auf den
landwirtschaftlichen Betrieben werden sich viele gewohnte Tätigkeiten
verändern und Arbeitsabläufe müssen neu gestaltet werden. Hier gilt
es sicherzustellen, dass die Betriebe wie auch die Landwirtinnen und
Landwirte dieser Entwicklung folgen können. Auch die Auswertung des
gesammelten Datenmaterials stellt hier eine Herausforderung dar“,
gibt Broidl zu bedenken.
Digitalisierung macht flächendeckenden Breitbandausbau unbedingt
erforderlich
„Laut vorsichtigen Schätzungen nutzen derzeit 5 bis 10% der
heimischen landwirtschaftlichen Betriebe Farmmanagementsysteme im
Ackerbau, 13% aller Ackerflächen werden mit GPS-gesteuerter
Technologie bewirtschaftet. Als Österreichische Jungbauernschaft
sehen wir hier ein enormes Potenzial für jeden einzelnen Betrieb.
Gleichzeitig muss uns bewusst sein, dass viele der Technologien nur
einsetzbar sind, wenn ein flächendeckender Breitbandausbau und
schnelles Internet für alle endlich Realität werden“, so Broidl
abschließend.
Die Österreichische Jungbauernschaft ist mit rund 50.000 Mitgliedern
die größte politische Interessenvertretung für junge Bäuerinnen und
Bauern im Bundesgebiet. (Schluss)
Andreas Kugler, BSc
Generalsekretär der Österreichischen Jungbauernschaft
Brucknerstraße 6/3, 1040 Wien
Tel.-Nr.: 01/505 81 73/23
Mobil: 0664/3998051
E-Mail: kugler@jungbauern.at
www.jungbauern.at
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