
AK-Präsident Kalliauer: Der wirtschaftliche Erfolg muss auchden oberösterreichischen Beschäftigten zugutekommen
Linz (OTS) – Oberösterreich ist wirtschaftlich erfolgreich, aber
nicht allen kommt der Erfolg zugute. „Die hohe Wirtschaftskraft
sollte die Basis für kräftige Lohnsteigerungen und für Verbesserungen
beim Arbeits- und Sozialrecht sein, damit Oberösterreich für
Beschäftigte und Betriebe attraktiv bleibt“, fordert AK-Präsident Dr.
Johann Kalliauer. Darum müssen schlummernde Potenziale besser genutzt
werden – denn mehr als 100.000 Fachkräfte mit abgeschlossener
Ausbildung arbeiten derzeit in Hilfsjobs.
Oberösterreich zählt laut einer WIFO-Studie zu den Top 20 der
hochentwickelten Industrieregionen Europas. Das Bruttoregionalprodukt
pro Erwerbsperson ist um rund ein Viertel höher als im EU-Schnitt.
Die Beschäftigten in oberösterreichischen Mittel- und Großbetrieben
haben 2017 pro Kopf annähernd 100.000 Euro erwirtschaftet. „Für ihre
hervorragenden Leistungen haben sich die Beschäftigten mehr an
Gegenleistung und Respekt verdient“, sagt AK-Präsident Dr. Johann
Kalliauer. Denn nicht allen kommt der wirtschaftliche Erfolg zugute.
In Oberösterreich sind rund 42.400 Menschen auf Arbeitssuche.
Insbesondere ältere Arbeitslose mit gesundheitlichen Beschwerden
spüren von der guten Konjunktur wenig. Etwa die Hälfte der
Langzeitarbeitslosen ist 55 Jahre oder älter. „Völlig unverständlich
ist daher, dass die sinnvolle Aktion 20.000 von der Bundesregierung
gestoppt wurde und die AMS-Mittel für Langzeitbeschäftigungslose
ältere Menschen gekürzt wurden“, sagt der AK-Präsident.
Von den rund 18.200 offenen Stellen in Oberösterreich sind etwa
6.800 im Bereich Leiharbeit, Gebäudebetreuung und Wachdienste
verfügbar – also in Jobs mit schlechten Arbeitsbedingungen und einem
hohen Arbeitslosigkeitsrisiko. Mehr als 6.100 offene Stellen
erfordern maximal Pflichtschulabschluss – viel zu wenig für die knapp
15.600 Arbeitsuchenden ohne Berufsausbildung. In diesem Segment gibt
es eindeutig einen Mangel an Arbeitsplätzen. “Die Kürzungen des
AMS-Budgets auf Bundesebene und im Rahmen des oberösterreichischen
Paktes für Arbeit und Qualifizierung sind der völlig falsche Weg.
Ältere und Menschen mit schlechter Ausbildung brauchen mehr Aus- und
Weiterbildungsangebote sowie ausreichend Zeit für qualitätsvolle
Beratung und Vermittlung im AMS“, fordert Kalliauer.
Während manche Betriebe lautstark über einen angeblichen Mangel
an Fachkräften klagen, werden vorhandene Potenziale auf dem
Arbeitsmarkt nicht genutzt. 78.000 Personen bzw. zwölf Prozent aller
Beschäftigten, die über mindestens einen in Österreich erworbenen
Lehrabschluss verfügen, arbeiten in Hilfs- und Anlerntätigkeiten. Von
den rund 54.500 Beschäftigten in Oberösterreich, die einen
Bildungsabschluss (Lehre oder höherer Abschluss) aus einem anderen
Staat haben, sind mehr als die Hälfte in Hilfs- oder Anlernjobs
beschäftigt. „Dieses Potenzial an mehr als 100.000 Fachkräften
alleine in Oberösterreich wird von den Betrieben viel zu wenig
genutzt“, kritisiert AK-Präsident Kalliauer.
Neben diesen Problemen auf dem Arbeitsmarkt ist das
Bildungssystem die zweite große Herausforderung in Oberösterreich.
Kindergarten, Schule und berufliche Erstausbildung schaffen es nicht,
schlechtere Startbedingungen auszugleichen. Damit wird Bildung in
hohem Maße vererbt und Ungleichheit verfestigt. „Oberösterreichs
zukünftiger Erfolg und die Innovationsfähigkeit hängen entscheidend
von den Qualifikationen der Beschäftigten ab. Darum ist es höchste
Zeit, das Bildungssystem den Anforderungen einer hochentwickelten
Gesellschaft anzupassen“, erklärt Kalliauer.
Jährlich fallen in Oberösterreich etwa 3.000 Jugendliche
vorzeitig aus ihren Ausbildungen heraus. Zwischen 1990 und 2017 ging
die Zahl der Lehrbetriebe in Oberösterreich von 8.000 auf etwas mehr
als 5.700 zurück. Das Land muss daher bestmöglich in die Auffangnetze
investieren, anstatt das Angebot für junge Menschen bis 25
zurückzufahren, ein ausreichendes Angebot an überbetrieblichen
Lehrwerkstätten absichern und Maßnahmen an Schulen mit besonderen
Herausforderungen unterstützen, um alle Kinder optimal zu fördern.
Diese Förderung muss mit dem Rechtsanspruch auf einen qualitätsvollen
Betreuungsplatz ab dem zweiten Lebensjahr beginnen.
Detailliertere Informationen zu den Inhalten dieser Aussendung
finden Sie unter ooe.arbeiterkammer.at
Arbeiterkammer Oberösterreich, Kommunikation
Mag. Dominik Bittendorfer
+43 (0)50 6906-2191
dominik.bittendorfer@akooe.at
ooe.arbeiterkammer.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender