Oö. Volksblatt: „Humanismus gefragt“ (von Christian HAUBNER)

Ausgabe vom 10. Juli 2019

Linz (OTS) – Der Zwang nach vermeintlicher Selbst-Optimierung. Das akribische Arbeiten an Brustumfang, Muskelmasse, Marathon-Zeiten, Schrittanzahl oder geradelten Wochenkilometern. Generell das Bestreben, sich über Äußerlichkeiten und messbare Leistungen zu definieren. All das sind Tendenzen, die in einem von der Bilderflut und Selbstdarstellungswut in sozialen Medien bestimmten Umfeld verstärkt zu beobachten sind.
Es verwundert daher kaum, dass länderübergreifende Doping-Netzwerke existieren. Nutzer dieser dubiosen Präparate und gefälschten Medikamente sind wohlgemerkt keine Profis. Es sind Menschen, die in ihrer Freizeit versuchen, ihre sportliche Leistungsfähigkeit zu steigern, die Risiken gesundheitlicher Schäden und fataler Spätfolgen inklusive.
Sport ist gesund für Körper und Geist, etwas mit Leidenschaft zu betreiben ebenso. Wenn daraus aber Zwang wird, verkehrt sich das ins Gegenteil. Und wenn die Zahl derer, die sich im Alleingang Dopingmittel einwerfen, allzu groß wird, dann sind Legislative und Exekutive gefordert. Das allein reicht aber nicht. Es braucht auch humanistische Überzeugung samt damit einhergehender Gewissheit, dass es perfekt modellierte Körper nur mit Photoshop gibt.

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