
Familienhärtefonds: die Lösung für alle Familien und Kinder?
Wien (OTS) – Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien macht einmal mehr darauf aufmerksam, wie sehr Kinder von armutsbetroffenen Eltern unter der Corona Krise zu leiden haben. “Denn“, so die Kinder- und Jugendanwältin Dunja Gharwal, „Kinderschutz ist immer systemrelevant und braucht gerade in der Krise noch mehr Achtsamkeit und Anerkennung.“
Vor allem bietet der Familienhärtefonds keine Unterstützung für Alleinerziehende und getrennt lebende Eltern. Die Anknüpfung an die Familienbeihilfe ist als Kriterium für Alleinerziehende und getrennt lebende Familien nicht geeignet. Denn getrennt lebende Eltern, die in der Betreuung ihrer Kinder auf die Unterhaltsleistungen angewiesen sind, sind vom Hilfsfonds ausgeschlossen. Und so sind die betroffenen Kinder, als schwächstes Glied in der Kette, wieder einmal mehr und unverschuldet die Leidtragenden. Der Familienhärtefonds orientiert sich an einer Vater-Mutter-Kind-Mittelstandsfamilie und berücksichtigt nicht die Lebensrealitäten alleinerziehender Elternteile oder getrennt lebender Eltern.
Es kommt daher neuerlich zu einer Verschärfung von bereits prekären Lebenssituationen jener Familien, die schon vor der Krise von Armut betroffen waren. Gerade diese Familien mitsamt ihren Kindern sind jetzt massiv auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Darüber hinaus sollten die Einkommenseinbußen der Eltern nicht zusätzlich eine psychische Belastung für ihre Kinder darstellen. Kinder und Jugendliche orientieren sich in der gefühlten Einschätzung von Gefährdungen stark an den erwachsenen Bindungspersonen. Die Ausnahmesituation der Eltern haben somit auch Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl von Kindern.
Als Erfolgsmodel zeichnet sich hingegen der erleichterte Zugang zu Unterhaltsvorschuss ab. Hier zeigt die Corona Krise, dass jetzt auch die Chance besteht, neue Wege zu gehen und diese Richtung beizubehalten.
Bereits vor der Krise war jedes 5. Kind in Österreich von Armut betroffen oder bedroht. Eine weitere Verschärfung dieses Trends ist nicht nur für jedes einzelne Kind eine Katastrophe sondern auch volkswirtschaftlich ein Desaster. Wir wissen, dass jeder investierte Euro einen Return of Investment bis zu 21 Euro erzeugt. Umso mehr ist die Regierung aufgerufen mutig und nachhaltig Maßnahmen zu setzen um kein Kind zurückzulassen.
Der Kinder- und Jugendanwalt Ercan Nik Nafs appelliert daher an die verantwortlichen Behörden, bei all den wirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen nicht auf die Bedürfnisse der Jüngsten unserer Gesellschaft zu vergessen! Jede Maßnahme, die derzeit getroffen wird, muss sich insgesamt an der Verringerung von Kinderarmut orientieren und dabei insbesondere kinderrechtliche Aspekte, die den Kinderschutz gewährleisten, mitdenken.
Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien
DSAin Dunja Gharwal, MA, Mag. Ercan Nik Nafs
(++43-1) 70 77 000
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