
Oö. Volksblatt: „Kein leichter Job“ (von Herbert SCHICHO)
Ausgabe vom 20. Juni 2020
Linz (OTS) – Einen einfachen Job hat Erzbischof Lackner da nicht übernommen: Als Vorsitzender der Bischofskonferenz muss er gleich mehrere Spagate schaffen. Da gibt es erstens innerhalb der Kirche viele unzufriedene Schäfchen, die sich von den Hirten enttäuscht fühlen: Entweder, weil die Kirchenführung zu modern ist oder gerade das Gegenteil — die Zeichen der Zeit völlig ignoriert werden. Zweitens sind die innerreligiösen Konflikte nicht überwunden. Dass man gemeinsam Angriffe auf heilige Schriften verurteilt, ist nett, die Differenzen werden dadurch nicht weniger. Drittens wandelt sich auch die Rolle der Kirche in der Gesellschaft, dabei muss sie es schaffen, den erhobenen Zeigefinger zu vermeiden und trotzdem klar Stellung beziehen — und dann darf sie auch nicht Wasser predigen und Wein trinken. Gerade was die Rolle der Frauen und Partizipation an und für sich betrifft, gibt es in der Kirche eine Ton-Bild-Schere. Hinzu kommt, dass sich das Schrumpfen der Anzahl der Gläubigen, aber auch die Corona-Krise finanziell auswirken werden. Und viertens ist Lackner als Vorsitzender der Bischofskonferenz auch als Brücke in den Vatikan gefordert – immerhin steht die Kür eines neuen Erzbischofes in Wien an, aber auch die neue Struktur der Diözese Linz braucht noch den Segen der Kurie.
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