TIROLER TAGESZEITUNG „Leitartikel“ vom 3. Oktober 2020 von Christian Jentsch „Der US-Patient und die Unsicherheit“

Innsbruck (OTS) – US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania haben sich mit dem Coronavirus angesteckt. Im Finale des Präsidentschaftswahlkampfes drohen nun neue Unsicherheiten. Es könnte eine Reise ins Ungewisse werden.

Der Wahlkampf für die US-Präsidentenwahl am 3. November ist gerade in die Zielgerade eingebogen. Im ersten TV-Duell vergangenen Dienstag lieferten sich der republikanische Amtsinhaber Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden einen Schlagabtausch unter der Gürtellinie. Wobei vor allem Trump für die negativen Höhepunkte sorgte, er versucht mit allen Mitteln, den Rückstand gegenüber Biden in den aktuellen Umfragen wettzumachen.
Doch nun könnte alles auf den Kopf gestellt werden. US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania haben sich mit dem Coronavirus angesteckt. „Wir werden das GEMEINSAM durchstehen“, schrieb Trump in der Nacht zum Freitag auf Twitter. Kurz darauf bestätigte Trumps Leibarzt Sean Conley die Infektionen.
Gerade Trump, der die Gefährlichkeit des neuartigen Coronavirus immer wieder herunterspielte und dessen Krisen-Management in der Pandemie als alles andere als gelungen bezeichnet werden darf, muss nun darauf hoffen, die Infektion ohne schweren Verlauf zu überstehen. Die Nachricht von der Infektion des US-Präsidenten löste jedenfalls Schockwellen aus. Denn eines ist klar: Wie es nun so knapp vor der für die ganze Welt so wichtigen US-Präsidentenwahl weitergeht und wie die gespaltene Nation USA darauf reagiert, ist völlig offen. Nur eines ist gewiss. Die Karten werden wieder einmal neu gemischt und die Unsicherheit wächst weiter – Gift für ein Land, in dem sich die Unterstützer und Gegner Trumps unversöhnlich gegenüberstehen und in dem der Streit um den Wahlausgang bereits vorprogrammiert ist. Sogar die Verschiebung des Wahltermins steht im Raum.
Weitere TV-Debatten zwischen Trump und Biden wird es nicht mehr geben. Und auch die weiteren öffentlichen Auftritte Trumps müssen abgesagt werden. Das Problem: Das Weiße Haus und die US-Regierung haben in der Corona-Krise bisher nicht unbedingt mit Transparenz geglänzt. Auch die Infektion der engen Trump-Beraterin Hope Hicks wurde zunächst zurückgehalten. Und von einer durchdachten Strategie gegen die Pandemie kann keine Rede sein. Da wurde jede Menge Glaubwürdigkeit verspielt. Die Supermacht USA steht der Situation oft hilflos gegenüber.
Welche Konsequenzen die Corona-Infektion Trumps nun haben wird, hängt wohl in erster Line davon ab, wie er die Infektion übersteht. Klar ist jedenfalls, dass die Fieberkurve in den USA weiter steigen wird. Auch wenn Trump rasch genesen sollte.

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