
AK-Wertschöpfungsbarometer: Hohe Gewinnausschüttungen in Oberösterreichs Unternehmen trotz Kurzarbeit im Jahr 2020
Linz (OTS) – Oberösterreichs Groß- und Mittelbetriebe haben auch 2019 – im letzten Jahr vor Corona – sehr gut an ihren produktiven Mitarbeiter/-innen verdient. Die AK hat die Bilanzen von 724 oberösterreichischen Unternehmen analysiert. Im Durchschnitt konnte jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin dieser Unternehmen eine Pro-Kopf-Wertschöpfung in Höhe von rd. 93.695 Euro erwirtschaften. Dieser Wert übersteigt die pro Kopf-Personalaufwendungen – zum Vorteil der Unternehmen – um durchschnittlich 30.474 Euro.
2020 – nach Beginn des 1. Lockdown am 15. März – haben 126 dieser oberösterreichischen Unternehmen trotz Kurzarbeit Gewinnausschüttungen in Höhe von insgesamt mehr als 630 Millionen Euro beschlossen. „Gerade in Krisenzeiten wie diesen wäre es aber angebracht gewesen, einen beträchtlichen Teil der Gewinne in den Unternehmen zu belassen, um ihre zukünftige Entwicklung und die Arbeitsplätze der Beschäftigten zu sichern“, kritisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.
Die AK Oberösterreich hat auch heuer wieder die veröffentlichten Jahresabschlüsse mittelgroßer und großer Kapitalgesellschaften in ganz Österreich für den „AK-Wertschöpfungsbarometer“. ausgewertet. Dieser misst den Überschuss der ordentlichen Wertschöpfung pro Mitarbeiter/-in (Produktivität) über die Pro Kopf-Personalaufwendungen. Da die Jahresabschlüsse im Verlauf des nächsten Jahres veröffentlicht werden müssen, liegen aktuell erst die Zahlen für 2019 vor. Dieses Jahr ist insofern besonders interessant, als es das letzte vor der großen Krise war.
In der österreichweiten Auswertung ging der Wertschöpfungsbarometer, nach einem Höchstwert von 38.117 Euro im Jahr 2017, in den beiden Folgejahren jeweils zurück: auf 34.783 im Jahr 2019. Das ist ein deutliches Indiz dafür, dass sich die österreichische Wirtschaft schon vor der Coronakrise im Abschwung befand.
Für Oberösterreichs Groß- und Mittelbetriebe, die von der AK in einer Spezialauswertung diesmal gesondert betrachtet wurden, ist dieser Wert mit 30.474 Euro etwas niedriger. Die Bilanzen von 724 oberösterreichischen Unternehmen flossen in diese Untersuchung ein. Sie beschäftigten 2019 insgesamt 200.522 Mitarbeiter/-innen, knapp 30 Prozent aller unselbständig Beschäftigten in Oberösterreich.
In den letzten Jahren hat die AK Oberösterreich mehrmals kritisiert, dass die österreichischen Kapitalgesellschaften zu viel Geld für Finanzinvestitionen und Gewinnausschüttungen und zu wenig für zukunftssichernden Sachinvestitionen aufgewendet haben. Auch 2019 waren die Gewinnausschüttungen im Rahmen der österreichweiten Auswertung mit durchschnittlich 15.400 Euro pro Beschäftigte/pro Beschäftigten sehr hoch. Der Wert war sogar der höchste seit zehn Jahren.
Durchaus überraschend war aber, dass auch die Sachinvestitionen pro Beschäftigter/pro Beschäftigten 2019 mit durchschnittlich 16.185 Euro die höchsten der letzten zehn Jahre waren. Nominell lag der Wert um 36,6 Prozent höher als 2009. Eine durchaus erfreuliche Entwicklung, der allerdings durch die Coronakrise schon wieder ein jähes Ende droht!
„Zusätzliche Recherchen der Arbeiterkammer haben ergeben, dass in Oberösterreich rund jedes sechste der untersuchten Mittel- und Großunternehmen nach Beginn des ersten Lock-Downs am 16. März 2020 einen Gewinnausschüttungsbeschluss gefasst und gleichzeitig auch einen Kurzarbeitsantrag gestellt hat. Das ist zwar nicht verboten, die Optik ist aber jedenfalls schief!“
AK-Präsident Kalliauer fordert die weitere Förderung von Investitionen, insbesondere in Digitalisierung und zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Damit diese ihre Wirkung entfalten können, sollen aber die zulässigen Gewinnausschüttungen an die Eigentümer/-innen in Unternehmen, die gleichzeitig öffentliche Förderungen in Anspruch nehmen, begrenzt werden.
Zur Bekämpfung der enormen Arbeitslosigkeit reichen Unternehmensförderungen aber nicht aus. Es braucht dringend staatliche Investitionsprogramme, öffentliche Beschäftigungsprojekte für Langzeitarbeitslose sowie eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf mindestens 70 Prozent des Letztbezugs und aller kollektivvertraglichen Mindestlöhne und – Gehälter auf 1.700 Euro zur Stützung der Massenkaufkraft.
Detailliertere Informationen zu den Inhalten dieser Aussendung mit Grafiken zum Wertschöpfungsbarometer finden Sie [hier.]
(https://ooe.arbeiterkammer.at/service/presse/PKU_2021_Wertschoepfung
sbarometer.pdf)
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Dr. Walter Sturm
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