
„Dok 1“ zeigt Erwin Wagenhofers kritischen Dokumentarfilm „alphabet“
Am Mittwoch, 4. August, um 20.15 Uhr in ORF 1
Wien (OTS) – Einen kritischen Beitrag zur Bildungsdebatte, der immer noch aktuell ist, lieferte Filmemacher Erwin Wagenhofer 2014 mit seinem Kinodokumentarfilm „alphabet“, der am Mittwoch, dem 4. August 2021, um 20.15 Uhr in ORF 1 im Rahmen von „Dok 1“ zu sehen ist. Mit der vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens kofinanzierten Produktion beschließt Wagenhofer damit – nach dem bisher erfolgreichsten österreichischen Dokumentarfilm „We Feed the World“ zu den Themen Ernährung und Globalisierung sowie dem Doku-Thriller „Let’s Make Money“ über das weltweite Finanzsystem – seine dokumentarische Trilogie, mit einem Film, der sich in zwingender Logik aus den vorangegangenen Arbeiten ergeben hat. „alphabet“ beschäftigt sich damit, wie wir uns geistig ernähren – und was in den globalen Bildungssystemen schiefläuft.
Mehr zum Inhalt:
Was lernen Kinder in der Schule? Vor allem Anpassung! Erwin Wagenhofers Dokumentarfilm „alphabet“ analysiert, wie aus kleinen Genies mit Neugier, Kreativität und Talent angstgesteuerte Vermeidungsexpertinnen und -experten werden. Er zeigt aber auch Alternativen auf: wenn Belehren durch Begeistern ersetzt wird und Unterrichten durch Fördern. Der Film geht weit über die übliche Diskussion um Schülerstress und Leistungsdruck hinaus. Er sieht in Bildung den Schlüssel zu einer anderen Gesellschaft, in der Menschen nicht mehr für ihre Widerstandslosigkeit belohnt werden. Ecken und Kanten, ein eigener Kopf und das Hinterfragen von Handlungsmaximen? Das ist im Berufsleben nicht gefragt, und die Schule bereitet gut auf diese Verleugnung innerster Impulse vor.
Wagenhofer beginnt seine Reise in China: Muster-Pisa-Kandidat, immer an der Spitze der Bildungs-Rankings. Unschöner Nebeneffekt: Der Primus verzeichnet auch die höchste Selbstmordrate überforderter Schüler/innen weltweit. Erziehungswissenschaftler Yang Dongping: „Die chinesische Kultur hatte jahrhundertelang das Konkurrenzdenken nicht im Programm. Seit der Marktwirtschaft sind alle, egal ob in der Volksschule, im Gymnasium, im Kindergarten oder auf der Uni in diesen bösen Strudel der Konkurrenz gezogen worden.“ Kinder in China beneideten ihre Eltern, weil diese abends fernsehen können oder am Wochenende ausschlafen, während der Nachwuchs in börsennotierten Trainingszentren büffelt.
Ein Extrem? Auch in Europa, so zeigt der Film, ist für spielerische Kreativität, eigene Ideen und Erholung kaum Zeit. Hat Bildung etwas mit Krieg zu tun? Ja, sagt der Neurobiologe und Kritiker der Leistungsgesellschaft, Gerald Hüther. „Erwachsene geben ihre Ängste an die Kinder weiter. Und Angst ist die Grundursache für Krieg.“ Wenn Menschen für ihre bedingungslose Folgsamkeit, fürs Nicht-Hinterfragen autoritärer Ansagen mit Posten, Geld und Anerkennung entlohnt würden, bringe das Menschen hervor, die stets das tun, was man ihnen sagt.
Bei einem Talente-Wettbewerb einer Unternehmensberaterfirma wird ein Juror gefragt, was er denn von zukünftigen Managerinnen und Managern erwarte. „Leistungsorientiertheit“. Nachfrage: „Um jeden Preis?“ Antwort: „Um jeden Preis“. Sieg, Niederlage, Überleben laute die „maskuline Strategie“, um Vielfalt zu vereinfachen, eine komplizierte Welt irgendwie zu verstehen, analysiert der ehemalige Spitzenmanager Thomas Sattelberger.
Von all dem hat André Stern noch nie gehört. Der Gitarrenbauer aus Liebe ging nie zur Schule, hat sich mehrere Sprachen und das Spielen von Instrumenten selbst beigebracht. Weil es ihn interessiert hat. Zwischen diesen äußeren Polen spielt Regisseur Wagenhofer subtil eine Idee ein: Lasst uns doch einfach anders leben! Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter/innen in erbitterte Konkurrenzkämpfe jagen, Lehrer/innen, die Druck auf ihre Schüler/innen ausüben, diese „Systemfehler“ würden erst verschwinden, wenn Einzelne Haltung zeigen und all dem nicht mehr applaudieren.
Diese und viele weitere „Dok 1“-Ausgaben finden sich auch auf Flimmit (https://flimmit.at).
http://presse.ORF.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender