Über 1 Million Europäer:innen fordern Ende der Pestizid-Ära

Europäische Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“ erfolgreich – Aufgabe der EU-Kommission Anliegen nun zu prüfen

Brüssel/Wien (OTS) – Bis gestern Nacht wurden noch fleißig Unterschriften zur Unterstützung der Europäischen Bürgerinitiative (EBI) „Bienen und Bauern retten“ gesammelt. Heute sprechen die Zahlen für sich: [1.160.479] (https://www.savebeesandfarmers.eu/deu) Unterstützer:innen scheinen auf der EBI-Website auf. Dazu kommen noch Tausende Papierunterschriften, die erst ausgezählt werden. Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei GLOBAL 2000 und einer der sieben Initiatoren der EBI, zeigt sich erfreut: „Zwei Jahr lang haben wir gemeinsam mit über 200 Organisationen in der gesamten EU Unterstützer:innen mobilisiert. Heute stehen wir vor einem historischen Erfolg! Über 1 Millionen europäische Bürger:innen fordern mit ihre Unterschrift eine bienen- und klimafreundliche Landwirtschaft, die auf chemische Pestizide verzichtet. Die Kommission ist nun beauftragt, sich damit auseinandersetzen.“

Die EBI „Bienen und Bauern retten“ fordert erstens, eine Reduzierung des Einsatzes synthetischer Pestizide um 80 Prozent bis 2030 und um 100 Prozent bis 2035 in der EU; zweitens, Maßnahmen zur Wiederherstellung der Artenvielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen und drittens, die Unterstützung der Landwirte und Landwirtinnen bei der Umstellung auf Agrarökologie.

Eine EBI wird von der Europäischen Kommission akzeptiert, wenn sie mehr als 1 Million validierte Unterschriften erreicht, wobei die Ungültigkeitsquote erfahrugsgemäß zwischen 10 und 15 Prozent liegt. Die Organisatoren gehen davon aus, dass die EBI erfolgreich sein wird, da über 1,15 Millionen Unterschriften erreicht wurden. Hier werden auch die Tausende von Papierunterschriften berücksichtigt, die noch gezählt und in die endgültige Berechnung einbezogen werden.

Burtscher-Schaden: „Diese EBI sendet eine klare Botschaft an die EU: Die europäischen Bürgerinnen und Bürger unterstützen das Pestizid-Reduktionsziel des Europäischen Green Deals, fordern aber mehr als die vorgeschlagene 50 prozentige Reduktion. Denn die würde laut Wissenschaftler:innen den Zusammenbruch der Artenvielfalt nicht verhindern. Eine pestizidfreie Landwirtschaft in 15 Jahren sollte das Ziel sein.“

Sonia Conchon vom Büro von „Bienen und Bauern retten“ ergänzt:
„Die Covid-Situation hat diese Kampagne aufgrund der mangelnden Sichtbarkeit sehr schwierig gemacht, da es während des größten Teils der Kampagne keine öffentlichen Veranstaltungen gab. Das Erreichen der Millionengrenze spiegelt daher die Entschlossenheit der Bürgerinnen und Bürger für diese zweite Anti-Pestizid-Initiative wider.“

Burtscher-Schaden ergänzt: „2017 hatten Nichtregierungsorganisationen im Rahmen der EBI „Stop Glyphosat“ innerhalb von sechs Monaten erfolgreich über 1,3 Millionen Unterschriften gesammelt und damit der Geheimhaltung von Studien der Industrie in der EU ein Ende gesetzt. Eine zweite erfolgreiche Anti-Pestizid-EBI ist äußerst bedeutsam. Wir erwarten von der Europäischen Kommission, dass sie ihre Pläne für den Übergang zu einer naturverträglichen Landwirtschaft verbessert.“

Bislang wurden nur 6 der 108 eingeleiteten EBIs von der Europäischen Kommission als erfolgreich validiert (<6 Prozent). Erfolgreiche EBIs zwingen die Europäische Kommission, die Forderungen der Bürger:innen zu analysieren und zu beantworten, während das Europäische Parlament die 7 Mitglieder des Bürgerausschusses in einer Anhörung empfangen und die Möglichkeit haben wird, eine Entschließung auf der Grundlage der Forderungen der Bürger:innen zu verfassen und darüber abzustimmen.

Die EBI „Bienen und Bauern retten“ wurde von den folgenden österreichischen Organisationen unterstützt: ARGE Schöpfungsverantwortung, Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt, Biene Österreich, GLOBAL 2000, Naturschutzbund, Österreichische Berg-und Kleinbäuer_innen Vereinigung, Österreichischer Erwerbsimkerverband, Vier Pfoten.

Viktoria Auer, GLOBAL 2000 Pressesprecherin, viktoria.auer@global2000.at, +43 699 14 2000 82

Helmut Burtscher-Schaden, GLOBAL 2000 Umweltchemiker, helmut@global2000.at, +43 699 14 2000 34

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