Greenpeace-Report zum Black Friday: Modeindustrie reduziert giftige Chemikalien, befeuert aber Wegwerf-Konsum

29 globale Modekonzerne unter der Lupe, zwei Drittel davon setzen weiterhin auf Wegwerfmode – Greenpeace fordert von Bundesregierung ein Vernichtungsverbot für neuwertige Waren

Wien (OTS) – Die Modeindustrie nutzt teilweise weniger giftige Chemikalien bei der Textilherstellung, produziert jedoch Kollektionen am laufenden Band: Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Greenpeace-Report kurz vor dem Black Friday. Die 29 untersuchten Modekonzerne, darunter einige der weltgrößten Unternehmen, verzichten zu rund 90 Prozent auf giftige Chemikalien wie Weichmacher und Flammschutzmittel. Diese werden von Greenpeace als besonders umweltschädlich eingestuft. Nur die Hälfte der Konzerne veröffentlicht die Daten jedoch transparent. Der Trend zu Wegwerfmode ist hingegen ungebrochen: Rund zwei Drittel der untersuchten Konzerne produziert weiterhin ununterbrochen Billigmode. Während Textilriesen wie Mango, Primark oder Adidas zu den Schlusslichtern gehören, machen Vaude und Benetton vor, wie langlebige Mode funktionieren kann. Greenpeace fordert von der österreichischen Bundesregierung ein Vernichtungsverbot für unverkaufte oder retournierte Ware.

“Die Fast-Fashion-Industrie produziert Mode für den Müll. Besonders kurz vor dem Black Friday locken die Konzerne mit absurden Rabatten und massiven Werbekampagnen zu Impulskäufen. Getragen wird die Kleidung danach oft nur selten oder sogar gar nicht”, sagt Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace in Österreich. Im Schnitt kaufen KonsumentInnen heute um 60 Prozent mehr Kleidung ein, getragen wird sie jedoch nur halb so lang wie noch vor 15 Jahren – sei es weil Hose oder Pullover nicht gefällt oder die Kleidung schnell kaputt geht. Der aktuelle Greenpeace-Report zeigt, dass trotz Versprechungen der 29 Modemarken, weiterhin 20 von ihnen auf Wegwerfmode setzen. Zu den Konzernen zählen Primark, Mango und C&A. Rund 200 Milliarden Stück Kleidung wurden im Jahr 2020 hergestellt – also rund doppelt so viel wie im Jahr 2014. Verkauft wurden 2020 hingegen “nur” 160 Milliarden Stück. Aufgrund der COVID-Pandemie sind die Händler auf einem Haufen von Billigkleidung sitzengeblieben. “Jede Sekunde wird eine ganze LKW-Ladung Kleidung verbrannt oder auf die Deponie geworfen, um Platz für neue Ware zu schaffen. Trotzdem setzen die Konzerne weiter auf Wegwerfmode. Angebote zum Reparieren, Upcyceln oder Weiterverkaufen muss man bei den untersuchten Unternehmen mit der Lupe suchen”, sagt Panhuber. Nur zwei Marken – Benetton und Esprit – setzen erste Schritte und produzieren bewusst weniger Kollektionen in höherer Qualität.

Im Bereich Chemikalien konnte die Detox-Kampagne von Greenpeace klare Erfolge erzielen: Die Produktionsketten der 29 Unternehmen wie Nike und H&M, die ein Detox-Bekenntnis abgegeben haben, sind fast gänzlich frei von den als besonders gefährlich eingestuften Chemikalien. Darunter fallen Flammschutzhemmer, Azofarben, per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) und Phthalate. Sie gelten unter anderem als krebsfördernd, fortpflanzungsschädigend und hormonell wirksam. Jedoch nur 16 der 29 bewerteten Unternehmen machen ihre Lieferketten transparent und veröffentlichen die genauen Abwasserdaten ihrer Zulieferer. “Greenpeace hat mit der Detox-Kampagne einen Stein ins Rollen gebracht. Jetzt gilt es, dass auch die restlichen Unternehmen die schädlichen Chemikalien aus ihrer Produktion entfernen”, sagt Panhuber. Das betrifft 85 Prozent der Modekonzerne. Aus der Sicht von Greenpeace braucht es jetzt starke Gesetze, die den gesamten Textilmarkt entgiften.

Dass die Modeindustrie sich von der Fast-Fashion abwendet, ist derzeit nicht absehbar: Wurde noch im Jahr 2015 Kleidung mit einem insgesamten Warenwert von 1.800 Milliarden US-Dollar verkauft, so geht man davon aus, dass die Summe 2025 bereits bei 2.100 Milliarden US-Dollar liegen wird. In der EU ist der Konsum von Kleidung und Schuhen, jener Bereich, der die vierthöchste Umweltbelastung verursacht – gleich nach Nahrungsmitteln, Wohnen (inkl. Wärme und Strom) und Transport. Da die Konzerne das umweltschädliche Geschäftsmodell ungebremst fortsetzen, fordert Greenpeace von der Bundesregierung ein Vernichtungsverbot für unverkaufte, neuwertige Waren.

Den Report “Freiwillige Selbstverpflichtung – Ein Märchen über grüne Fast-Fashion” finden Sie unter: https://act.gp/3oRdiAs

Bildmaterial: https://act.gp/3Cwa2z4
Fotomaterial steht unter Angabe der Credits für die redaktionelle Nutzung kostenlos zur Verfügung

Lisa Panhuber
Konsumexpertin
Greenpeace CEE in Österreich
Tel.: +43 (0)664 61 26 712
E-Mail: lisa.panhuber@greenpeace.org

Réka Tercza
Pressesprecherin
Greenpeace CEE in Österreich
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E-Mail: reka.tercza@greenpeace.org

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