Neue Berichte zu Strukturen des Politischen Islam

Analysen zeigen Einfluss der Strukturen des Politischen Islam in Österreich und Europa auf

Wien (OTS) – Die Dokumentationsstelle Politischer Islam veröffentlichte zwei neue Berichte von Heiko Heinisch und Lorenzo Vidino zu Organisationen des politischen Islam in Österreich und Europa: neben zentralen Akteuren der Muslimbruderschaft, wie z.B. dem ECFR oder FEMYSO, ist in den vergangenen Jahrzehnten in Europa ein dichtes Netzwerk entstanden, dem laut Experten aktuell geschätzt 200 Organisationen und Institutionen zugerechnet werden können.

Der Bericht zeichnet nach, wie in Österreich Anhänger der Muslimbruderschaft seit ihrem ersten Auftreten in den 1960er Jahren in der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) bzw. deren Vorläuferorganisationen vertreten waren. Vielfältige Organisationen, Vereine, Institutionen, karitative Organisationen und Stiftungen wurden so direkt von Muslimbrüdern oder unter Beteiligung von Personen aus dem ideologischen und organisatorischen Umfeld der Bewegung gegründet. Eine ideologische Nähe der Muslimbruderschaft zur Millî Görüş Bewegung wird ebenfalls aufgezeigt. Diese äußert sich auch in der Diskrepanz zwischen Innen- und Außenkommunikation: nach außen tritt man weltoffen auf, nach innen sind Abwertungen des Lebensstils anderer Teile der Gesellschaft, von deren Mitgliedern und von Menschen anderen Glaubens weit verbreitet. Ernstzunehmende Reformschritte in Richtung einer Distanzierung von problematischen Haltungen und Ansichten, wie z.B. Antisemitismus, wären begrüßenswert, konnten aber bisher nicht quellenbasiert nachgewiesen werden.

Weiters findet die ATIB im Bericht Erwähnung. Über die ATIB, originär Ableger einer staatlichen Behörde, wird seit dem Aufstieg der AKP und Erdogans verstärkt türkische Staatspropaganda in Moscheen getragen. Die türkische Regierung und die ihr unterstellte Religionsbehörde Diyanet haben immer offener einen neo-osmanischen und islamistischen Kurs eingeschlagen. Dieser Kurswechsel kommt, wenn auch mit Verzögerungen, bei der ATIB Union in Österreich an.

Auf europäischer Ebene sind islamistische Akteure in den vergangenen Jahren zum Teil äußerst erfolgreich darin gewesen, öffentliche Mittel für die Durchführung einer Vielzahl an Aktivitäten zu lukrieren. Eine weitere Herausforderung in Bezug auf Akteure des Politischen Islam ist daher ihr im Vergleich unverhältnismäßiger Einfluss. Ein Blick auf die Zahlen zeigt islamistische Aktivisten als eine kleine Minderheit. Doch dank ihres Einsatzes für ihre Sache, ihrer Fähigkeiten als Aktivisten und der reichlichen finanziellen Ressourcen, auf die sie seit Jahrzehnten zurückgreifen können, können sie unverhältnismäßig vehement auftreten. Diese Dynamik zeigt sich sowohl innerhalb europäischer muslimischer Gemeinschaften als auch in den Interaktionen mit europäischen Einrichtungen.

Für die Herausforderungen vor denen europäische und staatliche Behörden im Umgang mit Akteuren des Politischen Islam oftmals stehen, enthält der Berichtsteil von Lorenzo Vidino einen Überblick über mögliche Handlungsoptionen.

Die Berichte können auf der Website www.dokumentationsstelle.at abgerufen werden.

Österreichischer Fonds zur Dokumentation
von religiös motiviertem politischen Extremismus
(Dokumentationsstelle Politischer Islam)

presseanfragen@dokumentationsstelle.at

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