Leitartikel „Machen Prämien fürs Impfen Sinn? “ vom 13. Dezember 2021 von Alois Vahrner

Innsbruck (OTS) – Nach der angekündigten Impf-Pflicht jetzt Prämien fürs Impfen? Da wie dort sorgen Corona-Maßnahmen für Debatten. Klar ist: Die Zeit drängt, und Überzeugen und Anreize wirken bei Unentschlossenen mehr als Marketing und Drohungen.

Von Alois Vahrner
Vom Licht am Ende des Tunnels, vom Erfolgsmodell Österreich bis zum vermeintlichen Pandemie-Ende im vergangenen Sommer: Geredet und angekündigt wurde während der letzten 21 Monate Corona-Pandemie von Österreichs Politik, allen voran vom türkisen Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz, wahrlich schon viel. Zumindest diesmal hat die Regierung aber Wort gehalten und den vierten generellen Lockdown für Geimpfte und Genesene nach drei Wochen beendet.
Es ist ein durchaus riskanter Schritt, zumal die Infektionszahlen (Österreich lag da mit ganz vorn an der europäischen Spitze) zwar um zwei Drittel gesunken, aber immer noch hoch sind. Und die Lage in den Spitälern hat sich zumindest bisher kaum entspannt. Da kann die Richtung trotz aller weiter geltenden Regelungen wie Masken- oder Testpflichten rasch wieder nach oben gehen, zumal Experten vor einer raschen Ausbreitung der offenbar sehr ansteckenden Omikron-Variante warnen. Und da scheinen Booster-Impfungen zwar vor schweren Verläufen zu schützen, aber weniger vor Ansteckung als bei der jetzt dominanten Delta-Variante. Können die Infektionen nicht im Rahmen gehalten werden, drohen neue Lockdowns mit massiven Einschränkungen und wieder gewaltigen Kosten. Und Lockdowns haben nach der lähmend langen Corona-Zeit Geimpfte wie Ungeimpfte gleichermaßen satt.
Österreich ist, das sieht man nicht nur bei den Demos auf den Straßen, sondern in vielen Familien und Freundschaften, durch Corona sehr stark belastet. Es muss alles getan werden, diese Spaltungen rasch zu überwinden. Gerade auch von der Regierung, aber besonders darf auch die FPÖ nicht ständig neues Öl ins Feuer gießen.
Viel ist die Rede von Demokratie, von Freiheit: Dies inkludiert auch, an das überlas­tete Gesundheitspersonal und die vielen Corona-Opfer zu denken und demokratisch gefasste Beschlüsse zu akzeptieren. Und die Regierung, die mit Appellen und Marketing zu wenig Erfolg hatte, muss mehr auf Überzeugung, Dialog, aber auch rasche und klare Entscheidungen setzen. Denn bisher wurde viel geredet und zerredet. Die für Februar angekündigte Impf-Pflicht ist ein letzter Schritt, den es am besten gar nie gebraucht hätte. Die Zeit drängt extrem, aber natürlich sind positive Anreize besser als eine Drohkulisse. Zuckerbrot statt Peitsche sozusagen. Zu Vorstößen wie Impf-Lotterien und jetzt auch Impf-Prämien mit Hinweis auf Kosten immer nur Nein zu sagen, um dann viele Milliarden für Lockdowns auszugeben, ist auch nicht gerade schlüssig.

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