Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 14. Jänner 2022. Von ANITA HEUBACHER. „Realität überholt die Teststrategie“.

Innsbruck (OTS) – Die österreichische Bundesregierung wollte Testweltmeister sein und muss nun feststellen, dass diese Strategie gescheitert ist. Omikron verlangt ein Umdenken, damit die, die Tests brauchen, die Ergebnisse schneller erhalten.

Allerspätestens durch Omikron wird offensichtlich, dass es in Österreich eine neue Teststrategie braucht. Zumindest fordern immer mehr Experten, in immer kürzeren Abständen, ein Umdenken. Die Politik scheint dagegen bemüht, vor allem ihr Gesicht wahren zu wollen, schließlich hat man Milliarden an Euro für das Wald-und-Wiesen-Testen von Menschen ohne Symptomen verbrannt und den BürgerInnen erklärt, Testen könnte Sicherheit bringen und Lockdowns verhindern.
Die Realität hat die Teststrategie der Bundesregierung seit Langem überholt. Österreich steht in der Bekämpfung der Pandemie nicht besser da als Deutschland, wo wesentlich weniger Geld in Massentes­tungen gesteckt wurde. Omikron besorgt den Rest. Heute sind es 17.000 positiv Getestete pro Tag, nächste Woche könnten es doppelt so viele sein. Wie viel diese Information wert ist, ist strittig. Denn seit Beginn der Pandemie ist klar: Der, der positiv getestet ist, wird nicht unbedingt krank und landet im Spital, wird aber zu hundert Prozent isoliert und in vielen Fällen dadurch arbeitsunfähig. Ob die derzeitige Teststrategie hilft, eine Durchseuchung zu verhindern, sei dahingestellt. Sie wird aber auf jeden Fall dafür sorgen, dass die Wirtschaft und unser Alltag lahmgelegt werden.
Die österreichische Teststrategie beruht auf drei Standbeinen:
Testen, Tracen und Isolieren. Zwei Standbeine sind bereits weggebrochen, weil die Kontaktnachverfolgung und damit auch die Isolation von potenziellen Virusverbreitern nicht mehr funktioniert. Die Systeme sind überlastet, die Qualität der Arbeit bei der Abnahme und der Auswertung der Tests kann auf weite Strecken nicht mehr gewährleistet werden, das Warten auf die Testergebnisse dauert in vielen Fällen länger als die halbe Gültigkeitsdauer der Tests. Da noch von einer Verkürzung der Gültigkeitsdauer der PCR-Tests von 72 auf 48 Stunden zu reden, grenzt schon fast an Realitätsverweigerung. Zum Wohle aller sollten die Bundes- und die Landesregierungen endlich einschwenken auf das, was viele Ärzte schon seit Langem sagen: Testen von vulnerablen Gruppen, von Personen mit Symptomen und Testen in Altenheimen und Spitälern. Damit bekämen alle jene, die durch das Virus besonders gefährdet sind oder durch ihren Beruf besonders exponiert, die Testergebnisse schneller. Damit wäre gewährleistet, dass die, die die Testergebnisse wirklich brauchen und nicht für einen Theaterbesuch oder für eine Sportveranstaltung vorweisen müssen, vom „Testweltmeister Österreich“ besser geschützt würden.

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