Taschner: Antwort auf Offenen Brief der Hochschullehrer/innen hinsichtlich einer Verkürzung des Lehramtsstudiums

ÖVP-Bildungssprecher kann Kritik nicht nachvollziehen

Nicht nachvollziehen kann ÖVP-Bildungssprecher Rudolf Taschner die Kritik der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer aus dem Mittelbau der Unis Wien, Graz und Linz hinsichtlich einer Verkürzung des Lehramtsstudiums. In einem Offenen Brief befürchten die Absender eine Gefährdung der „Qualität der Ausbildung, der Professionalisierung und des Ansehens eines ganzen Berufsfeldes“. Hintergrund: Die Lehrerausbildung war erst 2015 reformiert worden. Für Volks- und Mittelschullehrer/innen hat sich dadurch die Ausbildungsdauer im Vergleich zu früher auf fünf bzw. sechs Jahre fast verdoppelt. An den AHS und BMHS (berufsbildende mittlere und höhere Schulen) dauert sie eineinhalb Jahre länger als davor. Im Bildungsministerium arbeitet man derzeit an einer Reform: Das Bachelorstudium soll ab 2024/25 drei statt vier Jahre dauern, das Masterstudium zwei. Für die Primarstufe würde die Gesamtdauer damit gleichbleiben, Lehrkräfte der Sekundarstufe würden ein Jahr weniger studieren als jetzt. Außerdem sollen die Masterangebote stark berufsbegleitend gestaltet werden.

 ÖVP-Bildungssprecher Taschner hat daher folgenden Offenen Brief als Antwort verfasst:

 Sehr geehrte Frau Doktor Günther,

sehr geehrte Damen und Herren,

 Erlauben Sie mir, zu Ihrem offenen Brief kurz Stellung zu beziehen, wobei es sich nur um eine Skizze meiner Argumente handelt; für eine ausführliche Darlegung stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. 

 1. Sie bewerten die geplante Verkürzung der Lehramtsausbildung als Mittel gegen den Lehrkräftemangel weder als zielführend oder sinnvoll. Auch sei in Ihren Augen die Umstellung nicht rasch in der Praxis spürbar.

 Hier unterliegen Sie dem Irrtum, dass die geplante Neufassung der Lehramtsausbildung – die Verkürzung ist nur ein Teil dieser Neufassung – allein als Mittel gegen den Lehrkräftemangel gedacht sei. Dies ist keineswegs der Fall. Die geplante Verbesserung der Lehramtsausbildung – so wie ich sie verstehe und mir erhoffe – soll vielmehr die drei Säulen, auf der sie fußt, im richtigen Maß zurechtrücken und festigen: Erstens die fachliche Ausbildung, die für Wissen, Begeisterung und Vermittlungsfähigkeit der zu unterrichtenden Fächer auf den Schultyp abgestimmt sorgt. Zweitens die von den pädagogischen Hochschulen gut erprobte und sowohl durch Theorie wie auch durch Praxis fundierte pädagogische Ausbildung. Drittens die Ausbildung an den Schulen selbst unter Anleitung von erfahrenen Betreuungslehrern (w/m/*). Ich bin überzeugt, dass dieses Ziel im Rahmen eines dreijährigen Bachelor- und eines zweijährigen Masterstudiums sehr gut erreicht werden kann. Es liegt dabei im Wesen der Sache, dass das Masterstudium berufsbegleitend erfolgt und die Reflexion des Erziehens, Unterrichtens, Lehrens, Übens und Prüfens sowie deren Vor- und Nachbereitung wesentlicher Bestandteil des Masterstudiums ist.

 Diese Änderung führt, wie Sie richtig schreiben, nicht wegen der Verkürzung allein zu einer Erhöhung der Anzahl an Lehrkräften, sondern diese Neufassung der Lehramtsausbildung soll durch ihre Praxisnähe, ihre fachliche und pädagogische Fundierung, durch die Vorbereitung auf ein erfolgreiches Wirken in einer von Autonomie geprägten Schule und nicht zuletzt auch durch ihre angemessene Dauer außerordentlich an Attraktivität gewinnen und deshalb viele am Lehramt Interessierte ansprechen. Sie stimmen sicher mit mir überein, dass eine derart solide Lehramtsausbildung die Gefahr von Überlastung oder Burnout minimiert. 
 2. Die von Ihnen geschilderten „prekären Studienbedingungen“ haben mit der gegenwärtigen Situation zu tun. Sie stehen in keinem Zusammenhang mit der geplanten Neufassung der Lehramtsausbildung. 

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