
„Faktencheck Sozialwirtschaft“: Branche wächst, Personalzahlen ebenso
Wachstum kann aber mit ebenfalls steigender Nachfrage nicht mithalten – Marschitz: „Unser Personal wird nicht weniger, sondern mehr“
Die Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) stellt klar: Die Zahlen der Beschäftigten in der Sozialwirtschaft sind eindeutig steigend und nicht – wie oft kolportiert – fallend. Der Personalmangel ist nicht der Abwanderung von Personal geschuldet, sondern der Demografie und dem Trend zur Teilzeitarbeit in Österreich. SWÖ-Geschäftsführer Walter Marschitz stellt fest: „Unser Fachkräftemangel liegt an der wachsenden Nachfrage und nicht daran, dass niemand mehr in dem Bereich arbeiten möchte.“ ****
„Immer wieder wird die Geschichte erzählt, ,dass niemand mehr in der Pflege arbeiten will‘ oder dass ,die Pflegekräfte scharenweise davonlaufen‘, doch diese Behauptungen lassen sich empirisch nicht belegen“, erklärt Marschitz. Das Gegenteil sei der Fall: „Es gibt kaum einen Wirtschaftsbereich, der in den letzten Jahren einen deutlicheren Zuwachs an Personal hatte als der Sozial- und Gesundheitsbereich, insbesondere die Pflegeheime hatten dabei einen besonders hohen Zulauf.“
Gemäß Marschitz und Daten des Arbeitsmarktservice Österreich würde der Gesundheits- und Sozialbereich (insgesamt) seit 2008 einen Beschäftigtenzuwachs von 41 Prozent verzeichnen. Während sich dabei der Gesundheitsbereich ähnlich entwickelt hat wie der übrige Dienstleistungsbereich (+ 20 Prozent), konnten Pflegeheime (+ 78 Prozent) und das Sozialwesen (+ 64 Prozent) überdurchschnittliche Zuwächse verzeichnen.
Der Pflegekräftemangel habe für Marschitz daher primär zwei Gründe: „Zum einen kann auch die wachsende Zahl an Pflegekräften nicht mit der – vor allem demographisch bedingten – stärkeren Nachfrage nach Pflegedienstleistungen mithalten. Zum anderen hat in den letzten Jahren – wie in anderen Branchen – die durchschnittliche Arbeitszeit durch Teilzeitarbeit oder Arbeitszeitverkürzung abgenommen. Der Zuwachs an Köpfen hat sich nicht in gleichem Maße bei den Vollzeitäquivalenten bemerkbar gemacht.“
„Wenn der Pflegeberuf so unattraktiv wäre, wie manchmal dargestellt wird, dann würden nicht so viele Menschen den Beruf ergreifen. Auch die Pflegeausbildungseinrichtungen melden derzeit eine starke Nachfrage. Der Pflegeberuf ist offenbar attraktiv und wird überdurchschnittlich häufig ergriffen. Der zusätzliche Bedarf und der Trend zu Teilzeitarbeit wirken dem aber entgegen. Daher entsteht das Paradoxon, dass ein eigentlich boomender Beruf trotzdem zum Mangelberuf wird“, resümiert Marschitz.
Dennoch bleibt Marschitz positiv: „Im Branchenvergleich zeigt sich, dass das Gesundheits- und Sozialwesen insgesamt nach der IKT-Branche und den freiberuflichen Dienstleistungen zwischen 2008 und 2022 den höchsten Beschäftigungszuwachs aufweisen konnte.“ Der Wert werde dabei durch die Entwicklung im Gesundheitswesen, die nur leicht über dem gesamtösterreichischen Schnitt gelegen sei, sogar noch gebremst. „Betrachtet man nur den Sozialbereich (Heime und Sozialwesen), gibt es keine Branche, die in den letzten Jahren einen höheren Personalzuwachs verzeichnen konnte.“
„FAKTENCHECKS“ SOLLEN KLARHEIT SCHAFFEN
Die SWÖ wird ab sofort und regelmäßig im Rahmen der derzeit stattfindenden Kollektivvertragsverhandlungen evidenzbasierte Faktenchecks veröffentlichen, um der Öffentlichkeit Zugang zu validen Daten anzubieten und sachlich unrichtige Behauptungen zu widerlegen. „Mit dieser Informationsoffensive wollen wir erreichen, dass die wichtigen Themen unserer Branche, die im Zuge der Verhandlungen genannt werden, korrekt beleuchtet werden können“, so Marschitz abschließend. (ast)
SOZIALWIRTSCHAFT ÖSTERREICH
Mag. Alexandros Stavrou
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