Häusliche Gewalt zu Weihnachten: ÖGB warnt vor großen Gefahren für Frauen

Schumann: „Erzählt Arbeitskollegin von aggressivem Verhalten des Partners zu Hause, ist Hilfe das Gebot der Stunde. Regierung muss ILO-Übereinkommen 190 endlich ratifizieren!“

„Für Frauen ist der Arbeitsplatz oft der einzige geschützte Raum, um über Probleme zu Hause zu reden. Es gilt, unter Kolleginnen und Kollegen die Ohren offenzuhalten und nicht wegzuschauen“, sagt Korinna Schumann, Vizepräsidentin und Bundesfrauenvorsitzende des ÖGB und verweist auf die anstehenden Weihnachtsfeiertage, wo Frauen besonders oft mit häuslicher Gewalt konfrontiert sind. Als Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB) spreche man sich klar gegen jede Form von Gewalt aus, egal ob in den eigenen vier Wänden oder am Arbeitsplatz. „Die Anzahl der Femizide sowie die Anzahl der Mordversuche an Frauen allein im heurigen Jahr sprechen eine grauenvolle Sprache und zeigen, wie wichtig es ist, Gewalt an Frauen zum Thema zu machen“, so Gewerkschafterin Schumann anlässlich der am Sonntag endenden Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen”. 

Weder in den eigenen vier Wänden noch am Arbeitsplatz sei Gewalt an Frauen zu tolerieren, betont die ÖGB-Vizepräsidentin und fordert frauenpolitische Antworten der Bundesregierung. Auch am Arbeitsplatz nehme psychische und physische Gewalt sowie sexuelle Belästigung gegenüber Frauen zu. „Trotzdem hat die Regierung das ILO-190-Übereinkommen, das Beschäftigte vor Übergriffen im Arbeitsumfeld schützt, nach wie vor nicht ratifiziert“, so Schumann.  

Der ÖGB hat sich heuer im Rahmen von „16 Tage gegen Gewalt an Frauen” der psychischen Gewalt gegen Frauen (Mobbing, Gaslighting, Beschimpfungen, Beleidigungen etc.) gewidmet. Schumann appelliert an Unternehmen, ihre gesetzlich verankerte Fürsorgepflicht wahrzunehmen und wirksame Maßnahmen zur Gewaltprävention zu setzen. „Betroffene Frauen müssen ermutigt werden, sich an ihren Betriebsrat, an die Gewerkschaft oder an Beratungsstellen zu wenden, um das Schweigen zu brechen“, sagt sie und fordert die Bundesregierung auf, das ILO-Übereinkommen 190 unverzüglich zu ratifizieren. 

Denn oft ist psychische Gewalt der Anfang einer Gewaltspirale, die in einem körperlichen Übergriff endet. „Übergriffe verletzen die Integrität und Würde von Frauen. Wenn sie sich dann jemandem anvertrauen, werden sie oft nicht ernstgenommen. Es fallen Begriffe wie ‚verrückt und ‚hysterisch, die tiefe Spuren hinterlassen“, verweist Schumann auf daraus resultierende Angstzustände, posttraumatischen Stress oder Depressionen. 

Der ÖGB setzt sich für ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben für Frauen ein. „Um Frauen ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben frei von Gewalt zu ermöglichen, brauchen sie gute Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten und ein gesichertes Einkommen, von dem sie leben können“, so Schumann weiter. Es führe außerdem kein Weg an zusätzlichen finanziellen Mitteln vorbei, um den Schutz von Frauen zu gewährleisten. „Es braucht dringend mehr Geld zur Absicherung und zum Ausbau von Frauenhäusern, Gewaltschutzzentren und Frauenberatungsstellen sowie zusätzlich 3.000 neue Stellen im Opferschutz. Auch der Rechnungshof unterstreicht, dass eine Gesamtstrategie fehlt“, so Schumann und schließt: „Gewaltambulanzen, wie sie die Regierung diese Woche präsentiert hat, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein und sollten schon lang umgesetzt sein. Wir weisen seit Jahren auf die Dringlichkeit hin.“ 

ÖGB Kommunikation
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