Kinder- und Jugendhilfe am Scheideweg

Dachverbände fordern umfassende Reformen und mehr finanzielle Mittel, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen und zu fördern

Der Dachverband „Österreichischer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen“ (DÖJ) und der Fachverband „FICE Austria“ setzen sich für eine nachhaltige Verbesserung der Kinder- und Jugendhilfe in Österreich ein. Angesichts wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen rufen sie die politischen Entscheidungsträger*innen zu einem entschlossenen Handeln auf, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen und zu fördern. In einem gemeinsamen Positionspapier fordern die Organisationen weitreichende Reformen. Das Ziel: mehr Gerechtigkeit, stärkere Prävention und eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern.

GLEICHE CHANCEN FÜR ALLE KINDER UND JUGENDLICHE

Während die Verfassung den Vorrang des Kindeswohls festschreibt, zeigen aktuelle Statistiken gravierende Unterschiede bei der Unterstützung durch die Kinder- und Jugendhilfe. Das führe auch zur Blockade von Fortschritten, was sich deutlich am Beispiel der Hilfen für junge Erwachsene (Care Leaver) zeige, sagt Annemarie Schlack, Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf, das Mitglied in beiden Dachverbänden ist: _„Alle Kinder in Österreich haben die gleichen Rechte, unabhängig davon, in welchem Bundesland sie leben. Derzeit hängt es aber vom Wohnort ab, ob und welche Unterstützung ein Kind oder eine Familie von der Kinder- und Jugendhilfe erhält. Diese Ungleichheit muss dringend beseitigt werden. Gleichzeitig muss sich aber auch die Qualität insgesamt verbessern“_, so Schlack.

DRINGENDE REFORMEN FÜR EINE ZUKUNFTSFÄHIGE KINDER- UND JUGENDHILFE

Eine Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe bremsen würde laut Schlack zudem die derzeitige Aufteilung der Kompetenzen zwischen Bund und Ländern. _„Es fehlen klare, formalisierte Kooperationsstrukturen, die sowohl Innovationen als auch eine verbesserte Krisenbewältigung ermöglichen.“_ Gerade in Krisensituationen, wie der Corona-Pandemie, habe sich aber gezeigt, wie notwendig ein nationales Krisenmanagement für die Kinder- und Jugendhilfe sei, so Schlack. Die Verbände fordern zudem die Etablierung eines verpflichtenden partizipativen Standards, der es Kindern, Jugendlichen und deren Familien ermöglicht, bei allen Maßnahmen aktiv mitzubestimmen.

FONDS FÜR INNOVATION UND PRÄVENTION

Angesichts der steigenden Herausforderungen in der Kinder- und Jugendhilfe fordern DÖJ und FICE Austria die Schaffung eines jährlich vom Bund dotierten Fonds in Höhe von 30 Millionen Euro, der für innovative und präventive Projekte genutzt werden soll. _„Wir müssen frühzeitig handeln, um teure Unterstützungsmaßnahmen zu vermeiden und Familien zu entlasten“_, sagt Löffler. Die Mittel sollten flexibel eingesetzt werden können, um rasch auf aktuelle Problemlagen wie Jugendstraffälligkeit oder wachsende Belastungen in Familien zu reagieren.

BERUFSBEGLEITENDE AUSBILDUNG FÜR FACHKRÄFTE DER KINDER- UND JUGENDHILFE

Eine zentrale Forderung des Positionspapiers ist die Schaffung einer praxisorientierten, berufsbegleitenden Ausbildung. _„Die Anforderungen in der Kinder- und Jugendhilfe sind spezifisch und hoch, weswegen eine enge Verknüpfung von Theorie und Praxis unerlässlich ist._“ Derzeit seien die Ausbildungsstrukturen zu zersplittert, was die Anerkennung von Qualifikationen erschwere, so Schlack.

FÖRDERUNG VON FORSCHUNG UND DATENAUSWERTUNG

Abschließend fordern die beiden Verbände einen Forschungsfonds von 10 Millionen Euro jährlich, um die Kinder- und Jugendhilfe wissenschaftlich zu begleiten und auf aktuellen Daten basierende Maßnahmen zu entwickeln. _„Nur durch fundierte Forschung können wir die Wirksamkeit von Hilfsmaßnahmen steigern und langfristige Erfolge sichern“_, sagt Löffler.

DRINGENDER POLITISCHER HANDLUNGSBEDARF

Die Kinder- und Jugendhilfe in Österreich stehe an einem Scheideweg, so Schlack. _„Ohne entschlossene politische Maßnahmen riskieren wir, dass besonders verletzliche Kinder und Jugendliche nicht die Unterstützung bekommen, die sie benötigen. Es liegt in der Verantwortung der Politik, jetzt die Weichen für eine gerechtere und zukunftssichere Kinder- und Jugendhilfe zu stellen.“_

Link zum Forderungspapier: https://www.fice.at/single-post/forderungen-zur-st%C3%A4rkung-der-kinder-und-jugendhilfe-an-die-parlamentsparteien
**Über DÖJ und FICE Austria**

SOS-Kinderdorf
Thomas Resch
Telefon: +43 699 18814268
E-Mail: thomas.resch@sos-kinderdorf.at

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