Museen sichern gesellschaftlichen Zusammenhalt – auch in Krisenzeiten

Durch die Budgetkrise stehen auch die österreichische Museen vor einem schwierigen Jahr.

„Wir verantworten heute, was wir der kommenden Generation überlassen. Die wissenschaftliche Bearbeitung der österreichischen Sammlungen muss auch in Krisenzeiten gewährleistet sein, die Sammlungspflege darf nicht auf der Strecke bleiben. Die Krise ist dahingehend auch eine Chance, Museumsarbeit endlich anders zu bewerten und den Erfolg nicht nur an der Zahl von Ausstellungsbesuchen zu messen.“ Matthias Beitl, Präsident, Museumsbund Österreich, Wien

Der Museumsbund Österreich ist sich der angespannten budgetären Lage bewusst und erkennt an, dass Einsparungen unvermeidbar sind. Umso wichtiger sind kooperative Gespräche, transparente Entscheidungsprozesse und eine langfristige, planbare Förderpolitik.

Kürzungen müssen auf die gesamte Museumspraxis Rücksicht nehmen – von Sammlung, Forschung und Vermittlung bis zu Inklusion und regionaler Verankerung. Erforderlich ist ein differenziertes Verständnis musealer Wirkung und Qualität. Der Erfolg musealer Arbeit darf in Zeiten knapper Mittel nicht ausschließlich anhand quantitativer Besuchszahlen beurteilt werden.

Die öffentlich weniger sichtbaren Bereiche der Museumsarbeit – bspw. Sammlungs- und Vermittlungsarbeit, die im Vergleich zu Ausstellungen kaum großes mediales Echo finden – müssen in die Erfolgsmessung einbezogen werden.

Gleichzeitig appellieren wir an die österreichische Museumslandschaft, diesen Prozess solidarisch mitzutragen und einander in herausfordernden Zeiten partnerschaftlich zu begegnen.

ARGUMENTE FÜR DIE RELEVANZ VON MUSEUMSARBEIT IN KRISENZEITEN:

(ZUR LANGVERSION)

INVESTITION IN MUSEEN RECHNET SICH!

Museen erzielen hohe volkswirtschaftliche Effekte – jeder investierte Förder-Euro kommt mehrfach zurück. Die gesamtwirtschaftliche Leistung der Museen in Österreich übersteigt die öffentlichen Zuschüsse bei Weitem. Museen generieren etwa 180 % der erhaltenen Subventionen als Wertschöpfung – jeder Euro öffentliche Förderung ermöglicht rund 1,8 Euro an volkswirtschaftlichem Ertrag. Kulturförderung ist damit kein verlorener Zuschuss, sondern eine Investition, die sich vielfach auszahlt. Pauschale Budgetkürzungen im Museumsbereich richten folglich nicht nur kulturell, sondern auch ökonomisch Schaden an, indem sie erfolgreiche Wertschöpfungsketten und Arbeitsplätze gefährden. Außerdem tragen sie wesentlich zum Image Österreichs als Kulturnation und den damit verbundenen Tourismusströmen bei: Die Wertschöpfungseffekte im Tourismus betragen ca. 1,8 Mrd. Euro, die Impulse seitens der Museen sichern rund 30.800 Arbeitsplätze.

(Siehe: Muchitsch, Zur Lage der österreichischen Museen (PDF), 2018, die Studie Der ökonomische Fußabdruck von Museen des Instituts für Museumsforschung, Berlin, baut nicht nur auf der österreichischen Wirkungsanalyse auf, sondern bestätigt auch Jahre später deren Ergebnisse.)

MUSEEN SIND AUSSERSCHULISCHE BILDUNGSORTE

Museen sind zentrale Bildungsorte für Gesellschafts- und Demokratiebildung: Rund zwei Millionen Menschen, darunter viele Kinder und Jugendliche, nehmen jährlich an ihren Bildungs- und Vermittlungsprogrammen teil. Als außerschulische Orte des informellen Lernens, des interkulturellen Austauschs und der kulturellen Teilhabe leisten Museen einen unverzichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt – Kürzungen schwächen diese Bildungswirkung unmittelbar.

MUSEEN SIND BEGEGNUNGSORTE, STÄRKEN DIE REGIONALE IDENTITÄT UND FÖRDERN DEN DIALOG ZWISCHEN GENERATIONEN

Vor allem im ländlichen Raum sind Regional- und Heimatmuseen zentrale kulturelle Ankerpunkte: Sie wirken als Begegnungsorte, stärken regionale Identität und werden vielfach durch ehrenamtliches Engagement getragen. Kürzungen treffen hier nicht nur einzelne Einrichtungen, sondern ganze Gemeinden, indem soziale Treffpunkte, Bildungsangebote und lokale Identität geschwächt werden.

WENIGER BUDGET FÜHRT ZWANGSLÄUFIG ZU GERINGERER LEISTUNG

Mit weniger Budget können Museen nicht dieselben Leistungen erbringen: Kürzungen führen zwangsläufig zu Abstrichen bei Angeboten, Vermittlung, Öffnungszeiten und der Betreuung der Sammlungen. Da die österreichische Museumslandschaft höchst unterschiedlich ist und nicht alle Häuser über finanzielle Puffer verfügen, braucht es differenzierte, weitsichtige Entscheidungen statt pauschaler Kürzungen nach Besuchszahlen.

MUSEEN BEWAHREN DAS KUNST-, KULTUR- UND NATURERBE DER MENSCHEN, DIE IN ÖSTERREICH LEBEN

Museumsarbeit geht weit über Ausstellungen hinaus: Museen bewahren, erforschen und vermitteln Kulturerbe und übernehmen zunehmend auch digitale Aufgaben. Kürzungen gefährden vor allem diese oft unsichtbaren, aber zentralen Leistungen und führen langfristig zu Lücken in Forschung, Vermittlung und Wissenssicherung.

KERNAUFGABE DER MUSEEN IST DER ERHALT DER SAMMLUNG

Die Sammlungspflege ist die zentrale Kernaufgabe der Museen: In Österreich werden rund 100 Millionen Objekte bewahrt, deren Erhalt kontinuierliche personelle und finanzielle Ressourcen erfordert. Kürzungen verschärfen bestehende Engpässe und gefährden langfristig das kulturelle Gedächtnis.

Jede Generation bewahrt das kulturelle Erbe für die nachfolgenden Generationen – wir stehen jetzt in der Verantwortung, das kulturelle Erbe für die Zukunft zu sichern.

Museumsbund Österreich
Sabine Fauland
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