
WKNÖ-Ecker/Schwarzl: Industriestrategie wichtiges positives Signal – Herausforderungen bleiben
Die Industriestrategie setzt zentrale industriepolitische Schritte in die richtige Richtung. Entscheidend ist nun, die Maßnahmen rasch und praxisnah umzusetzen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts nachhaltig zu stärken.
„Die Industriestrategie setzt einige notwendige und seit langem geforderte Weichenstellungen, etwa bei Energie, Entbürokratisierung, Schlüsseltechnologien oder Exportkontrolle. Hoffentlich bringt der kürzlich vorgestellte Industriestrompreis eine spürbare Entlastung für Niederösterreichs Betriebe. Das sind wichtige Signale, die wir ausdrücklich begrüßen – vor allem für energieintensive Betriebe und exportorientierte Industrien“, betont Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich, verweist aber auch auf andere Industriebereiche: „Bei allem Optimismus für neue Schlüsseltechnologien dürfen wir nicht jene vielen, oft familiengeführte Industrieunternehmen übersehen, die seit Jahrzehnten und Jahrhunderten Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Land sichern – auch abseits von Hightech-Bereichen. Auch sie brauchen Planungssicherheit, wettbewerbsfähige Energiepreise, ausreichend Fachkräfte und realistische Genehmigungsverfahren.“
HANDLUNGSBEDARF UNTER ANDEREM BEI FACHKRÄFTE
Auch Helmut Schwarzl, Spartenobmann Industrie der WKNÖ, bewertet die Strategie als wichtigen Schritt, sieht jedoch zusätzlichen Handlungsbedarf unter anderem beim Thema Fachkräfte. „Neue Lehrberufe und die Modernisierung der Ausbildung sind mitunter sinnvoll, aber sie kommen in vielen Betrieben einfach nicht an. Es fehlt an grundlegenden Kompetenzen zu Beginn der Lehre – Mathematik, Deutsch, Englisch. Wir brauchen Boot-Camps zu Beginn der Lehrzeit, um diese Kenntnisse zu stärken. Und wir brauchen mehr Ausbildungsbetriebe. Internationale Konzerne bilden oft nicht aus, weil sie unser duales System zu wenig kennen“, so Helmut Schwarzl. Zudem müsse aus Sicht der Industrie die Erwerbsarbeit wieder attraktiver, aber auch wettbewerbsfähiger werden: „Leistung muss sich wieder lohnen. Modelle wie eine höhere Normalarbeitszeit nach Schweizer Vorbild, faire Besteuerung zwischen Vollzeit und Teilzeit sowie nach Arbeitszeit gestaffelte Sozialleistungen sollten ernsthaft diskutiert werden.“
POSITIVE MASSNAHMEN, DIE NIEDERÖSTERREICH STÄRKEN
Bereits jetzt ist Niederösterreich in vielen Bereichen mit seinen zahlreichen Cluster-Modellen gut aufgestellt. Die Luft- und Raumfahrtindustrie ist dabei in Niederösterreich eine österreichweit einzigartige Branche. Einige in Aussicht gestellte Maßnahmen sind zusätzliche Standortimpulse aus Sicht der blaugelben Industrie:
* Gezielte FTI-Maßnahmen für die Bahnindustrie
* Die Fortführung der ÖBB-Rahmenplanung
* Die Weiterentwicklung der Mobilitätsindustrie
* Ein Schienenfahrzeugtest- und Kompetenzzentrum
* Reform der Exportkontrolle
Gerade die Umsetzung der Reform der Exportkontrolle ist eine langjährige Forderung der Wirtschaftskammer Niederösterreich, die bei der neuen Industriestrategie aufgenommen wurde.
KRITIK: OHNE MINERALISCHE ROHSTOFFE UND HOLZ KEIN BAU UND KEINE INFRASTRUKTUR
Schwarzl kritisiert, dass mineralische Rohstoffe und Holz in der Strategie kaum vorkommen: „Das ist eine große Lücke. Mineralische Rohstoffe sind für jede Infrastruktur unverzichtbar und können nur über kurze Distanzen transportiert werden. Wenn Abbaumöglichkeiten blockiert werden, gefährden wir langfristig alle Bauvorhaben – von Bahnprojekten bis zum Wohnbau.“
NIEDERÖSTERREICH IST GUT AUFGESTELLT – WENN RAHMENBEDINGUNGEN ENDLICH STABIL WERDEN
Niederösterreich verfügt – dank seiner erfolgreichen Cluster, seiner Ausbildungslandschaft und vieler innovativer Betriebe in den neu definierten Schlüsseltechnologie-Bereichen – über gute Ausgangsbedingungen für die industrielle Zukunft. „Unsere Clusterlandschaft ist eine wichtige Säule unserer Industriebranche. Doch selbst die besten Cluster können nur dann wirken, wenn Energiepreise, Genehmigungszeiten und Arbeitsmarktanreize stimmen“, betont Ecker.
„Die Industriestrategie ist eine wichtige Grundlage“, so Ecker und Schwarzl unisono. „Aber sie wird nur dann Erfolg haben, wenn die Maßnahmen schnell, breit und realitätsnah umgesetzt werden – und nicht nur die Hochtechnologie, sondern die gesamte industrielle Breite im Blick behalten wird.“
Wirtschaftskammer NÖ, Kommunikation
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