
AK Anderl und WIFO Felbermayr: Herausforderungen bei Beschäftigung Älterer
Derzeit wird viel über länger arbeiten diskutiert, aber wenig darüber, wie das in der Praxis möglich wird. Allein bis 2030 müssen wegen des ansteigenden Frauenpensionsalters und diverser Maßnahmen der Bundesregierung, u.a. Korridorpension, 115.000 60- bis 64-jährige Arbeitnehmer:innen in Beschäftigung bleiben oder eine solche finden.
Drei von zehn der ca. 25.000 mittleren und größeren Betriebe mit über 20 Mitarbeiter:innen beschäftigen keine 60 bis 64-Jährigen. Ein Drittel der Frauen geht nicht aus der Erwerbstätigkeit in Pension. Nur 6 von 10 Arbeitnehmer:innen im Haupterwerbsalter glauben, dass sie ihren Job bis zur Pension überhaupt durchhalten können. Vor diesem Hintergrund hat die Arbeiterkammer Wien Expert:innen des Institutes für Wirtschaftsforschung, des Arbeitsmarktservice und anderer Institutionen zu einem Workshop eingeladen, um das Thema Älterenbeschäftigung von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Wie muss die Arbeitswelt gestaltet sein, um gesundes Arbeiten bis zum gesetzlichen Pensionsantrittsalter zu ermöglichen? Was ist nötig, um ältere Beschäftigte länger im Erwerbsleben zu halten? Sind die Maßnahmen der Bundesregierung – Älterenbeschäftigungspaket und „55 plus“ ausreichend? Welche Vorschläge liegen noch auf dem Tisch?
Im Vorfeld gaben Renate Anderl, Präsidentin der Bundesarbeitskammer und der Arbeiterkammer Wien, und Univ.-Prof. MMag. Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Institutes für Wirtschaftsforschung (WIFO) Statements ab.
AK PRÄSIDENTIN ANDERL: „Es schaut nicht besonders gut aus in unsrem Land mit der Beschäftigung älterer Kolleginnen und Kollegen. Umso absurder finde ich die Forderungen, das Pensionsalter zu erhöhen. Es muss in der Arbeitswelt angesetzt werden, damit Ältere bis zur Pension Arbeit haben und diese Arbeit auch in guter Gesundheit schaffen können.“ Anderl brachte Beispiele von AK Mitgliedern, die knapp vor dem Regelpensionsalter gekündigt wurden und nahm die Betriebe in die Pflicht: „Die Betriebe werden auch nicht drum herum kommen, selbst viel mehr in diesem Bereich zu tun. Eine wesentliche Forderung der Arbeiterkammer ist daher ein Bonus-Malus-System. Betriebe, die ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen, sollen unterstützt werden, jene, die sich dieser Verantwortung entziehen und keine älteren Mitarbeiter:innen beschäftigen, einen Ausgleichsbetrag leisten.“
WIFO DIREKTOR FELBERMAYR: „Die demografische Alterung ist ein breites gesellschaftliches Thema, es geht dabei nicht nur um das Thema Pensionen, sondern auch um Veränderungen im Erwerbsleben,“ führte Felbermayr aus. Die Erwerbsbevölkerung werde wachsen, das sei auf einen Anstieg an älteren Beschäftigten zurückzuführen, vor allem bei Frauen, das sei auf die Anhebung des Frauenpensionsalters zurückzuführen. Felbermayr: „Diese Entwicklungen erfordern Begleitmaßnahmen, damit die Menschen auch tatsächlich länger arbeiten können, vor allem auch gesundheitliche Maßnahmen. Und die Unternehmen müssen Menschen mit höherem Alter auch beschäftigen. Denn wenn die Bevölkerung älter wird, müssen die Unternehmen auch bereit sein, ältere auch einzustellen.“ Felbermayr sieht mehrere Ansätze, unter anderem, vorhandene Anreizsysteme zu evaluieren. „Es wird aber mehr Anreize brauchen, zum Beispiel ein Bonus-Malus-System. In Zeiten enger Budgets ist es wichtig, derartige Maßnahmen aufkommensneutral zu gestalten. Die betriebliche Gesundheitsvorsorge muss direkt in den Betrieben gestärkt werden, aber auch in der Präventionsarbeit, schon bei den Jüngeren muss mehr geschehen.“ Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gerade bei älteren Menschen brauche einen starken Fokus auf Qualifizierung. Felbermayr: „Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist ein mehrfacher Win, hier darf man die Anstrengungen nicht schleifen lassen.“
Weiterführende Informationen und Zahlen finden Sie hier: www.arbeiterkammer.at/interessenvertretung/arbeitundsoziales/pensionen/Beschaeftigung-aelterer-Arbeitnehmer-innen.html
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