Gewerkschaft vida zieht positive Bilanz nach Streik in Ordensspitälern Oberösterreichs

Teilnahmequote von bis zu 72 Prozent. Arbeitgeber haben bis 26. Jänner Zeit, neuen Verhandlungstermin zu vereinbaren.

Der gestrige Streik der nicht-ärztlichen Beschäftigten in allen acht Ordensspitälern Oberösterreichs ist aus Sicht der Gewerkschaft vida ein starkes Signal. Bereits ab 6:00 Uhr starteten in den ersten Häusern Betriebs- und Streikversammlungen, die teils bis in den Abend andauerten.

Höhepunkt war eine öffentliche Streikversammlung in Linz, bei der ab 10:00 Uhr rund 800 Personen – darunter viele Beschäftigte aus den umliegenden Ordenskrankenhäusern sowie zahlreiche Unterstützer:innen – trotz klirrender Kälte durch die Innenstadt zogen. Sie verliehen lautstark ihren Forderungen Nachdruck. Von etwa 4.000 an diesem Tag diensthabenden Mitarbeiter:innen beteiligten sich rund 2.000 aktiv am Streik, während die weiteren Beschäftigten die Notfallversorgung sowie die Betreuung stationärer Patient:innen sicherstellten.

„Die hohe Beteiligung am Streik zeigt, wie ernst die Situation ist. Es braucht dringend ein wertschätzendes Angebot der Arbeitgeber, das die Teuerung ausgleicht und Antworten auf die massive Arbeitsbelastung liefert“, betont vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit. Laut Berechnungen würde es etwas über 40 Millionen Euro kosten, alle Forderungen umzusetzen. „40 Euro pro versorgte Patient:in müssen uns ein stabiles und zukunftsträchtiges Gesundheitssystem wert sein.“

Der starke Zusammenhalt unter den Beschäftigten und das gemeinsame Ziel, auch künftig eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung zu sichern, seien deutlich spürbar gewesen. Die Streikversammlungen verliefen ohne Zwischenfälle, in einzelnen Häusern nahmen bis zu 72 Prozent der Diensthabenden teil.

RÜCKKEHR AN DEN VERHANDLUNGSTISCH BIS ENDE JÄNNER GEFORDERT

Bereits am Donnerstag forderte die Gewerkschaft vida die Arbeitgeberseite schriftlich zu einer fünften Verhandlungsrunde auf. „Wir sind jederzeit bereit, konstruktiv an Lösungen zu arbeiten“, bekräftigt vida-Verhandlerin Martina Reischenböck. Bis Montag, 26. Jänner, wird eine Rückmeldung erwartet, ob auch die Arbeitgeber bereit sind, noch im Laufe des Jänners an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Uns ist ein faires und tragfähiges Ergebnis wichtig – und das möglichst rasch. Das haben die Beschäftigten in den Ordenskrankenhäusern verdient“, so Reischenböck. Auf die Einladung der Gewerkschaft vida zu einem weiteren Gespräch gibt es nach wie vor keine Antwort.

Dem Streik war ein monatelanger Stillstand in den Kollektivvertragsverhandlungen für rund 10.000 Beschäftigte vorausgegangen. Gefordert werden ein Angebot, das die Teuerung abdeckt, und eine schrittweise Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden als konkrete Maßnahme gegen die massive Arbeitsbelastung. „Bei unseren Forderungen geht es nicht um Lohnverbesserungen, sondern nur um die Beibehaltung des status quo“, stellt Reischenböck klar. „Der Streik hat gezeigt, wie belastend der Normalzustand im Krankenhaus inzwischen geworden ist“, fasst Reischenböck zusammen.

VERANTWORTUNG DER POLITIK

„Auch die Landespolitik ist gefordert. Die dauerhafte Überlastung im Gesundheitswesen ist ein tiefgreifendes strukturelles Problem, das nur mit ausreichender Finanzierung, verbindlichen Rahmenbedingungen und spürbaren Verbesserungen für die Beschäftigten gelöst werden kann. Bleiben diese Schritte aus, wird sich der Personalmangel weiter dramatisch verschärfen“, warnt Hebenstreit.

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Gewerkschaft vida
Cornelia Groiss
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