VKI-Test Nagellack: Großteils gut – aber nicht immer unbedenklich

Chanel-Nagellack als prominenter Test-Verlierer

ER IST DAS „KLEINE SCHWARZE“ DER KOSMETIKINDUSTRIE UND ALS ZEITLOSER KLASSIKER FÜR VIELE UNVERZICHTBAR – ROTER NAGELLACK. DER VEREIN FÜR KONSUMENTENINFORMATION (VKI) HAT IN EINEM INTERNATIONALEN GEMEINSCHAFTSTEST 16 GÄNGIGE PRODUKTE GETESTET. VON DROGERIE BIS HIGH-END-MARKE FIEL DAS ERGEBNIS ÜBERWIEGEND „GUT“ AUS, BESONDERS IN BEZUG AUF POTENZIELL ENTHALTENE SCHWERMETALLE. MANGELNDE DEKLARATION UND NEGATIVE UMWELTEIGENSCHAFTEN TRÜBEN DIE RESULTATE. ZWEI PRODUKTE ENTHIELTEN POTENZIELL KREBSERREGENDE NITROSAMINE.

Die meisten Lacke wurden im Gebrauchstest positiv bewertet. Ihnen wurde gute Deckkraft und Haltbarkeit über mehrere Tage attestiert. Der Schadstofftest im Labor konnte keines der in Nagellacken verbotenen Schwermetalle Blei, Cadmium, Quecksilber, Arsen oder Chrom in relevanten Mengen nachweisen. Marke oder Preis spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Den ersten Platz mit 75 von 100 Punkten teilen sich ein Produkt der DM-Eigenmarke, erhältlich für 2,25 Euro und ein High-End-Markenprodukt, erhältlich für 16,00 Euro.

Die Nagellacke wurden zudem auf Nitrosamine geprüft. Diese chemischen Verbindungen stehen in Verdacht krebserregend zu sein. Nitrosamine werden Nagellacken nicht absichtlich zugesetzt. Sie gelten als Verunreinigungen, die aus bestimmten Inhaltsstoffen oder während des Herstellungsprozesses entstehen können. Bei zwei Produkten (Essence, Mavala) wurden Nitrosamine festgestellt.

PROMINENTER VERLIERER

Das Produkt von Chanel ist nicht so hart und widerstandsfähig, wie es sein sollte – vor allem für den Preis. Als einziges Produkt fiel es beim Kreuzschnitt-Haftungstest durch. Dabei wird der Lack auf eine dünne, flache Glasplatte aufgetragen, nach dem Trocknen rasterförmig eingeritzt und anschließend mit einer Klebefolie abgezogen. Ein Großteil des Nagellacks blätterte ab. Chanel patzte außerdem bei der Deklaration: Weder ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) noch das sogenannte PAO-Symbol, das angibt, wie lange das Produkt nach dem Öffnen haltbar ist (PAO = Period after Opening), werden angegeben. Da es zudem auch bei den Umwelteigenschaften der Verpackung deutliche Schwächen zeigte, findet sich „Le vernis – 153 Pompier“ mit einem „durchschnittlich“ am Ende des Testfelds wieder.

MANGELHAFTE DEKLARATION

Überprüft wurde, wie gut lesbar Inhaltsstoffe angegeben werden, ob sie auf Deutsch angeführt sind, ob ein Mindesthaltbarkeitsdatum oder PAO angegeben wird und ob die Produkte versiegelt sind oder nicht. 9 von den 16 Produkten entsprechen nicht den gesetzlichen Bestimmungen: Chanel führt keine Mindesthaltbarkeit (MHD) bzw. Haltbarkeitsdauer (PAO) an; Rimmel hat keine Funktionsangabe auf dem Etikett; bei sieben Produkten fehlen Informationen in deutscher Sprache (Catrice, Bourjois, Douglas, Essie, Hema, Yves Rocher). Bei sechs Produkten ist keine Inhaltsstoffliste zu finden (Anny, Bourjois, Essence, Catrice, Rimmel, Yves Rocher).

(KINDER-)FINGER BESSER WEG

Die meisten Nagellacke für Erwachsene basieren auf Lösungsmitteln und sind folglich für Kinder nicht geeignet. Auch vermeintlich kindgerechte Nagellacke auf Wasserbasis sind kritisch zu beäugen. Sie enthalten eine Reihe bedenklicher Inhaltsstoffe. Bei Kosmetik für Kinder gilt: So wenig wie möglich, so sicher wie nötig. „Allenfalls sollten Produkte zumindest ohne Azofarbstoffe gewählt und auf kurze, verständliche Inhaltsstofflisten geachtet werden. Eine niedliche Verpackungsaufmachung ist kein Garant für ein kindersicheres Produkt. Für kleine Kinder eignet sich am besten ein kreatives Spiel mit abwaschbaren Farben, die nicht dauerhaft auf Haut oder Nägeln bleiben“, so Birgit Schiller, Kosmetik-Expertin im VKI.

SERVICE: Die ausführlichen Testergebnisse gibt es ab 29. Jänner 2026 in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift KONSUMENT und auf www.vki.at/nagellack-2026.

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