Neue Spielregeln am Strommarkt: Welche Rolle das ElWOG für Kunden vorsieht (FOTO)

Mit der Reform des Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetzes (ElWOG) verändert sich der österreichische Strommarkt spürbar. Die Neuerungen betreffen nicht nur Netzbetreiber und Energieunternehmen, sondern erstmals auch private Haushalte und Betriebe unmittelbar. Neben zusätzlichen regulatorischen Anforderungen schafft das Gesetz neue Handlungsspielräume: Besitzer von Batteriespeichern können ihre Flexibilität künftig über Aggregatoren am Energiemarkt anbieten und so aktiv zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen.

Damit wandelt sich das Bild des Stromkunden grundlegend. Aus einem reinen Verbraucher wird ein potenzieller Marktteilnehmer. Dieser Beitrag zeigt, welche Aspekte der Gesetzesnovelle besonders relevant sind, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und worauf Stromkunden achten sollten.

WARUM DAS STROMSYSTEM BEWEGLICHER WERDEN MUSS

Das Stromnetz basiert auf einem sensiblen Gleichgewicht: Einspeisung und Verbrauch müssen jederzeit exakt übereinstimmen. Während dieses Prinzip früher durch große, zentral gesteuerte Kraftwerke vergleichsweise leicht umzusetzen war, stellen erneuerbare Energien das System vor neue Herausforderungen. Wind- und Sonnenstrom unterliegen natürlichen Schwankungen und stehen nicht kontinuierlich zur Verfügung.

Um diese Abweichungen auszugleichen, nutzt das Stromsystem sogenannte Regelenergie. Sie sorgt dafür, dass Frequenzschwankungen ausgeglichen werden und die Versorgung stabil bleibt. Besonders wichtig sind dabei kurzfristig aktivierbare Reserven, die innerhalb weniger Minuten reagieren können.

DEZENTRALISIERUNG ALS NEUER ANSATZ

Bislang wurde Regelenergie vor allem von Großkraftwerken und industriellen Anlagen bereitgestellt. Mit dem ElWOG öffnet sich dieser Markt nun auch für kleinere Einheiten. Batteriespeicher in Wohngebäuden oder Unternehmen können künftig gebündelt und gezielt eingesetzt werden.

Möglich machen das Aggregatoren, die viele einzelne Speicher zu einer virtuellen Einheit zusammenfassen. Sie übernehmen Steuerung, Vermarktung und Kommunikation mit dem Netzbetreiber. Für Stromkunden bedeutet das: Der eigene Speicher kann Teil des Gesamtsystems werden, ohne selbst am Energiemarkt auftreten zu müssen.

CHANCEN BRINGEN NEUE VERPFLICHTUNGEN

Die aktive Teilnahme am Regelenergiemarkt ist jedoch mit klaren Pflichten verbunden. Da diese Leistungen für die Netzsicherheit entscheidend sind, gelten strenge Anforderungen an Zuverlässigkeit, Reaktionsgeschwindigkeit und Messgenauigkeit. Werden zugesagte Leistungen nicht erbracht, können finanzielle Sanktionen folgen.

Damit entstehen erstmals verbindliche Lieferverpflichtungen für Stromkunden, die ihren Speicher über einen Aggregator einsetzen. Es ist daher entscheidend, die technischen Voraussetzungen und vertraglichen Bedingungen genau zu prüfen.

TECHNIK ENTSCHEIDET ÜBER MARKTFÄHIGKEIT

Nicht jeder Batteriespeicher eignet sich automatisch für diesen Einsatz. Neben der Speicherkapazität ist vor allem die kurzfristig verfügbare Leistung ausschlaggebend – also wie schnell Energie aufgenommen oder abgegeben werden kann. Viele Systeme, insbesondere im privaten Bereich, sind primär auf Eigenverbrauch optimiert und erfüllen diese Anforderungen nur eingeschränkt.

Hinzu kommen technische Aspekte wie Schnittstellen, Steuerbarkeit und Messgenauigkeit. Systeme, die nicht für den Einsatz im Regelenergiemarkt ausgelegt sind, stoßen hier schnell an Grenzen.

WIRTSCHAFTLICHE PERSPEKTIVEN MIT EINSCHRÄNKUNGEN

Grundsätzlich eröffnet das ElWOG neue Erlösmöglichkeiten. Wie attraktiv diese tatsächlich sind, hängt jedoch stark von der technischen Leistungsfähigkeit, den Marktbedingungen und den vertraglichen Regelungen ab. Nicht jedes System kann das theoretische Potenzial auch praktisch ausschöpfen.

Gerade für Unternehmen mit größeren Speichern stellt sich die Frage, ob bestehende Investitionen langfristig flexibel genug sind, um künftige Marktmechanismen bedienen zu können.

VERTRÄGE RÜCKEN IN DEN FOKUS

Neben der Technik gewinnen vertragliche Aspekte an Bedeutung. Aggregatoren sichern ihre Verpflichtungen gegenüber Netzbetreibern ab, was sich in Haftungs- und Risikoverteilungen widerspiegeln kann. Stromkunden sollten genau prüfen, welche Verantwortung sie übernehmen und welche Risiken beim Dienstleister liegen.

Da sich der Markt noch entwickelt, sind Anpassungen der Rahmenbedingungen wahrscheinlich. Ein vorsichtiger Einstieg kann helfen, unerwartete Belastungen zu vermeiden.

FAZIT: AKTIV WERDEN – ABER INFORMIERT

Das ElWOG markiert einen Wendepunkt für Stromkunden. Es eröffnet neue Möglichkeiten zur aktiven Teilnahme am Energiemarkt, erfordert jedoch ein höheres Maß an technischer und vertraglicher Sorgfalt. Wer profitieren möchte, sollte bestehende oder geplante Systeme frühzeitig überprüfen.

Fest steht: Der Stromkunde der Zukunft ist Teil eines vernetzten Energiesystems. Ob daraus ein wirtschaftlicher Vorteil entsteht, hängt davon ab, wie gut Technik, Markt und Regulierung zusammenspielen.

ÜBER DANIEL PÖLZLBAUER:

Daniel Pölzlbauer, Ingenieur für Erneuerbare Energien und Elektrotechnik, ist Geschäftsführer der EPP GmbH in Aspang, Niederösterreich. Mit über 17 Jahren Erfahrung bietet das Familienunternehmen hochwertige Photovoltaiklösungen, Energiespeichersysteme und moderne Elektrotechnik. Unter seiner Führung hat sich EPP mit mehr als 3.000 realisierten Projekten als führender Anbieter in der Region etabliert. Weitere Informationen unter: https://elektro-epp.at/

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Ruben Schäfer
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