
EU-weite Studie zeigt: Anhaltende Schließungswelle und sinkende Investitionen in der Chemieindustrie
FCIO warnt vor Wegfall von notwendigen Vorprodukten für alle industriellen Lieferketten
Immer mehr Produktionsstätten in Europa geraten unter Druck, während neue Investitionen zunehmend außerhalb der EU getätigt werden – ein unmissverständliches Warnsignal. Eine aktuelle europäische Studie im Auftrag des Cefic zu Standortschließungen und Investitionen in der chemischen Industrie zeigt, dass rund 9 % der Chemieproduktionen in der EU vor dem Aus stehen. Gleichzeitig sind neue Investitionen nahezu zum Stillstand gekommen: Von 2022 bis 2025 ergibt sich ein Rückgang von über 86 %. Für den Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) ist klar: Die industrielle Basis Europas muss rasch und entschlossen von der Politik gestärkt werden, denn auch Österreich ist von dieser Entwicklung betroffen.
Die chemische Industrie ist eine tragende Säule der europäischen Wirtschaft. Sie liefert Vorprodukte für rund 96 % aller in der EU hergestellten Waren und bildet damit die Grundlage aller industriellen Wertschöpfungsketten. „Wenn Chemie-Standorte schließen oder Investitionen ausbleiben, betrifft das nicht eine einzelne Branche – es bricht das Fundament der europäischen Industrie weg“, betont FCIO-Obmann Ulrich Wieltsch.
ÖSTERREICH UNTER ZUNEHMENDEM DRUCK
Die europäische Entwicklung schlägt bereits spürbar auf Österreich durch: Die heimische Produktion chemischer Erzeugnisse ist in den letzten drei Jahren um rund 18 % zurückgegangen. Gleichzeitig musste laut einer FCIO-Mitgliederumfrage rund ein Drittel der Unternehmen ihre Investitionen zurückfahren. „Diese Zahlen machen deutlich, dass der Standort Österreich zunehmend an Attraktivität verliert“, so Wieltsch.
EUROPA STEUERT AUF SCHLEICHENDE DEINDUSTRIALISIERUNG ZU
Die Studie zeichnet ein klares Bild: Hohe Energiepreise, steigende Standortkosten, regulatorische Unsicherheit und fehlende Investitionsperspektiven führen dazu, dass Unternehmen Europa zunehmend meiden. Standortschließungen und Investitionsverschiebungen sind keine Ausnahme mehr, sondern werden zum strukturellen Muster. „Europa verliert Schritt für Schritt seine industrielle Basis und das ausgerechnet in einer Phase, in der Resilienz und Versorgungssicherheit politisch beschworen werden“, kritisiert Wieltsch.
OHNE CHEMIE KEINE TRANSFORMATION
Gerade in Zeiten von Transformation, Dekarbonisierung und geopolitischen Unsicherheiten ist eine starke chemische Industrie unverzichtbar. Sie ermöglicht Schlüsseltechnologien, sichert Versorgungsketten und macht wirtschaftliche Resilienz erst möglich. „Ohne Chemie gibt es keine Transformation, keine industrielle Souveränität und keine Versorgungssicherheit“, stellt Wieltsch klar.
Für den FCIO steht fest: Es bleibt keine Zeit mehr für Ankündigungen. Notwendig sind sofort wirksame Maßnahmen: international wettbewerbsfähige Energiepreise, Investitionssicherheit, regulatorische Verlässlichkeit und echter Bürokratieabbau. „Die Zahlen sprechen eine klare Sprache“, so Wieltsch abschließend. „Entweder die Politik handelt jetzt oder die Industrie entscheidet dauerhaft anders.“
ÜBER DEN FCIO
Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) ist die gesetzliche Interessenvertretung der chemischen Industrie in Österreich. Die etwa 230 Mitgliedsunternehmen produzieren in unterschiedlichen Sektoren z.B. Pharmazeutika, Kunststoffe und Kunststoffwaren, Fasern, Lacke, Düngemittel oder auch organische und anorganische Chemikalien. Die mehr als 50.000 Beschäftigten der Branche stellten 2024 Waren im Wert von 19,3 Milliarden Euro her. www.fcio.at
FCIO – Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs
Johanna Reber, MA
Telefon: 05909003372
E-Mail: reber@fcio.at
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