Japan nimmt weltweit größtes Atomkraftwerk wieder in Betrieb – internationaler Protest wächst

Klimastadtrat Czernohorszky: „Lehren von Fukushima nicht vergessen – Atomkraft bleibt ein globales Risiko!“

Kashiwazaki-Kariwa, das größte AKW der Welt, wurde 2011 infolge des Reaktorunfalls von Fukushima deaktiviert. Trotz zahlreicher Bürger*innenproteste hat Japan die Reaktoreinheit 6 des Kraftwerks am 21. Jänner wieder in Betrieb genommen. Nur wenige Tage zuvor wurde ein Defekt an einem Sicherheitssystem im Zusammenhang mit den Steuerungsstäben des Reaktors bekannt. Der ursprünglich geplante Reaktorstart musste daher verschoben werden und konnte erst nach einer umfassenden Überprüfung aller Sicherheitssysteme erfolgen.

Bereits zuvor war die Aktivierung der Reaktoreinheit 6 aufgrund politischer Unstimmigkeiten und Sicherheitsmängel mehrfach verschoben worden. Die baugleiche Reaktoreinheit 7 soll sogar erst 2030 wieder in Betrieb gehen. Dort sind zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen vorgesehen.

Jürgen Czernohorszky, Wiens Klimastadtrat und Vorsitzender der _Cities for a Nuclear Free Europe_ (CNFE), sieht diese Aktivitäten kritisch: „Atomkraft ist die gefährlichste Energieform. Die politischen Entscheidungen Japans sind nicht nachvollziehbar.“

LOKALE PROTESTE UND SKEPSIS

Die Bevölkerung in Japan bleibt gespalten. Mehrere hundert Bürger*innen protestierten im Dezember 2025 vor der Präfekturversammlung in Niigata mit Bannern gegen die Neubewilligung von Kashiwazaki-Kariwa. Umfragen zeigen, dass mehr als 60 Prozent der Anwohner*innen die Voraussetzungen für eine Wiederinbetriebnahme derzeit als nicht erfüllt ansehen. Der Bevölkerung fehlt das Vertrauen in den staatlichen Atomkraftbetreiber TEPCO.

Laut mehreren Quellen hat sich TEPCO verpflichtet, der Präfektur Niigata über einen Zeitraum von zehn Jahren rund 640 Mio. USD als regionale Unterstützung zu zahlen, um den lokalen Widerstand gegen die Reaktivierung zu mindern. Norbert Hörmayer, Stellvertreter der Wiener Umweltanwältin, fordert mehr Transparenz: „Vor allem bei derart heiklen Themen wie der Nuklearkraft ist es notwendig, die Bevölkerung so früh wie möglich einzubeziehen. Die Bedenken der Bürger*innen müssen auf jeden Fall ernst genommen werden.“

KOSTEN FÜR DIE INSTANDSETZUNG ALTER ATOMKRAFTWERKE SIND ENORM

Die betroffenen Anlagen von Kashiwazaki-Kariwa wurden Anfang der 1990er Jahre errichtet und entsprechen somit nicht mehr dem heutigen Stand der Technik. Daher mussten viele Systeme umfangreich erneuert werden. Problematisch ist, dass sich viele in neuen AKW übliche Sicherheitssysteme nur sehr kostenintensiv nachrüsten lassen und selbst dann nicht zwangsläufig zu höheren Sicherheitsstandards führen. „Abgesehen von den Sicherheitsbedenken ist Kernkraft die teuerste Energieform, die kommerziell eingesetzt wird. Investitionen in diesen Bereich binden finanzielle Mittel, die für die Umsetzung der Energiewende dringend benötigt werden“, so Stadtrat Czernohorszky.

KOSTEN DER FUKUSHIMA-KATASTROPHE

Auch 15 Jahre nach der Katastrophe gibt es bezüglich der Kosten keine eindeutige Antwort. Während die japanische Regierung die Schäden von Fukushima auf 188 Mrd. USD schätzt, rechnen externe Studien mit 500 bis 600 Mrd. USD.

Stadtrat Czernohorszky warnt: „Die Folgen eines AKW-Unfalls sind unermesslich und gehen über den finanziellen Schaden hinaus. Viele Regionen bleiben jahrzehntelang unbewohnbar.“

DI Raphael Zimmerl
Wiener Umweltanwaltschaft
Telefon: +43 676 8118 88982
E-Mail: raphael.zimmerl@wien.gv.at

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