Steuer-Ungleichbehandlung verschärft sich: Ausschluss pflanzlicher Drinks kostet Konsument:innen bis zu 50 Cent pro Liter

Der Verein Proteinvielfalt in Österreich begrüßt die beabsichtigte MwSt.-Entlastung, zeigt sich jedoch enttäuscht über die heute im Ministerrat präsentierte Liste der Grundnahrungsmittel, für die der reduzierte Mehrwertsteuersatz gelten soll: Auf dieser fehlen ein bedeutender Anteil der in Österreich konsumierten Hülsenfrüchte (getrocknet und in Konserven) und daraus hergestellte Produkte (z.B.: Tofu) sowie pflanzliche Milchalternativen, die von bereits mehr als einem Drittel der Haushalte in Österreich gekauft werden.

“Diese Liste muss noch dringend überarbeitet werden, um die Überbesteuerung von pflanzlichen Drinks zu beenden, statt sie weiter zu verschärfen. Darüber hinaus ist es essenziell, auch Hülsenfrüchte gesamthaft bei der Steuerentlastung zu berücksichtigen, um eine gesunde, nachhaltige Ernährung zu fördern und einen dynamischen, wachsenden Sektor der österreichischen Landwirtschaft zu unterstützen”, fordert Verena Wiederkehr, Vorständin des Vereins für Proteinvielfalt.

VERSCHÄRFTE ÜBERBESTEUERUNG UND UNGLEICHBEHANDLUNG: ABSTAND ZU TIERISCHEN PRODUKTEN VERGRÖSSERT SICH AUF MEHR ALS 15 PROZENTPUNKTE

Bereits jetzt zahlen österreichische Konsument:innen für Hafer- oder Sojadrinks 20 % Mehrwertsteuer und somit doppelt so viel wie für Kuhmilch (10 %). Durch die nun präsentierte Liste, die zwar Kuhmilch aber keine pflanzlichen Drinks enthält, vergrößert sich der Abstand auf mehr als 15 Prozentpunkte (20 % vs. 4,9 %). Für Haushalte bedeutet das, dass sich der Abstand aufgrund der Mehrwertsteuer von derzeit 33 Cent auf bis zu 50 Cent pro Liter vergrößert. Das trifft viele Konsument:innen, da pflanzliche Drinks bezogen auf die Menge der verkauften tierischen Milch bereits 12 % im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel ausmachen.

HÜLSENFRÜCHTE, TOFU, TEMPEH: IN ERNÄHRUNGSEMPFEHLUNGEN GEFORDERT, VON DER BUNDESREGIERUNG IGNORIERT

Die neuen österreichischen Ernährungsempfehlungen von Herbst 2024 fordern, dreimal pro Woche Hülsenfrüchte oder daraus hergestellte Produkte, wie Tofu oder Tempeh aus ganzen fermentierten Bohnen, zu konsumieren. Aktuell liegt der durchschnittliche Verzehr von Hülsenfrüchten bei lediglich ca. 48 Gramm pro Person und Woche. Um die empfohlene Verzehrmenge zu erreichen, müsste der durchschnittliche Konsum daher um das Siebenfache erhöht werden. Die nun präsentierte Liste wird dem nicht gerecht: Lediglich frische und gekühlte Hülsenfrüchte sollen erfasst sein, nicht aber der weitaus relevantere Löwenanteil, nämlich getrocknete und in Konserven verpackte Hülsenfrüchte oder daraus hergestellte Produkte wie Tofu mit Bio-Soja aus Österreich. Diese wichtigen Grundnahrungsmittel nicht steuerlich zu entlasten, ist aus Sicht des Vereins eine vertane Chance, die Umsetzung der Ernährungsempfehlungen zu forcieren und Kosten im Gesundheitssystem zu senken.

PFLANZLICHE LEBENSMITTEL: CHANCEN FÜR DIE LANDWIRTSCHAFT

Hülsenfrüchte nehmen in der österreichischen Landwirtschaft eine zunehmend wichtige Rolle ein. Österreich ist bereits der drittgrößte Sojaproduzent in der EU. Die Hälfte des hierzulande angebauten Sojas ist für den menschlichen Konsum bestimmt, was bessere Preise für die Bäuer:innen bedeutet, insbesondere für Bio-Soja. Durch die Entscheidung der Bundesregierung, die Mehrwertsteuer auf den Großteil der Hülsenfrüchte und daraus hergestellte Produkte, wie Tofu oder Tempeh, nicht zu senken, bremst sie die Nachfrage nach österreichischen (Bio-)Qualitätsprodukten zum Nachteil eines wachsenden, dynamischen Zukunftssektors.

REGIERUNG MUSS BEGUTACHTUNG NÜTZEN, UM LISTE ZU VERBESSERN

„Eine gelungene und zukunftsweisende Steuerpolitik sollte auch Auswirkungen auf Umwelt, Klima und Gesundheit der Menschen berücksichtigen und einen entsprechenden Lenkungseffekt haben. Pflanzliche Lebensmittel müssen daher auch gezielt entlastet werden, statt ihre steuerliche Benachteiligung weiter zu verschärfen! Der Verein für Proteinvielfalt wird sich konstruktiv im Begutachtungs- und Gesetzgebungsprozess einbringen, um Verbesserungen in Sinne der Menschen, der Landwirtschaft und der Umwelt zu erreichen“, so Wiederkehr abschließend.

Verein für Proteinvielfalt in Österreich

E-Mail: dialog@proteinvielfalt.at

Website: www.proteinvielfalt.at

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