KSW-Neujahrsempfang im Zeichen von Entbürokratisierung, Digitalisierung und Optimismus

KSW-Präsident Philipp Rath setzte ein Signal für ein reformorientiertes und zukunftsgerichtetes Jahr. Ehrengast war Peter McDonald, der Vorsitzende des Verwaltungsrates der ÖGK.

Mit einem klaren Bekenntnis zu Digitalisierung, Entbürokratisierung und unternehmerischem Optimismus eröffnete KSW-Präsident Philipp Rath den Neujahrsempfang der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen (KSW). Die Veranstaltung fand im MAK –Museum für angewandte Kunst – statt und wurde von Impressionen der aktuellen Ausstellung von Helmut Lang begleitet. Als Ehrengast und Diskussionspartner begrüßte Rath den Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), Peter McDonald, mit dem er über die aktuellen Herausforderungen diskutierte.

„2026 ist ein neues Jahr mit neuen Vorsätzen. Mein zentrales Anliegen ist es, Entbürokratisierung und Digitalisierung konsequent weiter voranzubringen – in der Kammer, in den Kanzleien und in der Verwaltung“, betonte KSW-Präsident Philipp Rath in seiner Eröffnungsrede und unterstrich den Gestaltungsanspruch der Kammer: „Wir haben uns viel vorgenommen und wollen diesen Weg gemeinsam mit möglichst vielen Partner:innen gehen.“

Trotz globaler Unsicherheiten plädierte Rath für Optimismus. „Wir brauchen wieder einen guten Blick auf die Dinge.“ Besonders wichtig sei ihm die Förderung junger Unternehmen: „Es ist uns ein zentrales Anliegen, die Startup-Szene und das gesamte Unternehmertum in Österreich wieder zu stärken.“ Auch bei den Themen „Lohnverrechnung“ und „Offenlegungspflicht“ wolle die Kammer „Schwung in die Gesetzgebung und Verwaltung reinbringen“.

BRÜCKENSCHLAG ZWISCHEN GESETZGEBUNG UND PRAXIS

Die Kammer verstehe sich bewusst als aktive Mitgestalterin wirtschafts- und steuerpolitischer Reformen. „Wir sind Ideensammler und Impulsgeber. Unser Ziel ist es, einen Brückenschlag zwischen Gesetzgebung und Praxis sowie zwischen Verwaltung und Unternehmen zu schaffen“, erklärte Rath. Erste Vorschläge zur Entbürokratisierung seien seitens der Kammer bereits eingebracht worden, weitere würden folgen.

Im Anschluss an die Begrüßung folgte ein von Ina Sabitzer moderierter Talk mit Peter McDonald, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), und KSW-Präsident Rath. McDonald schilderte die angespannte Lage des Gesundheitssystems. Als zentrale Herausforderungen nannte er die Überalterung der Gesellschaft, den prognostizierten Arbeitskräftemangel, steigende Teilzeitquoten sowie eine Anspruchshaltung, dass Leistungen zunehmend unabhängig von medizinischer Notwendigkeit oder Kosten eingefordert werden.

McDonald sprach sich für eine Verfassungsreform auf Bundesebene aus. „Wir müssen effizienter werden – mit KI und Digitalisierung. Eigentlich hätten wir schon vor zehn Jahren handeln müssen. Aber wenn die erstbeste Lösung nicht funktioniert, dann bin ich klar für die zweitbeste und die heißt jetzt!“, so McDonald.

Beide Gesprächspartner betonten die Bedeutung einer institutionenübergreifenden Zusammenarbeit. McDonald hob hervor: „Wirtschafts- und Sozialpolitik müssen gemeinsam gedacht werden. Wenn wir das System nachhaltig absichern wollen, müssen wir jetzt handeln – pragmatisch, effizient und offen für neue Lösungen.“

Einigkeit bestand auch in der Bedeutung von Digitalisierung und Effizienzsteigerung. „Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein entscheidender Hebel, um Bürokratie abzubauen und Ressourcen gezielt dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht werden“, so McDonald. Aufbauend auf dem Erfolg der E-Card sollen weitere digitale Prozesse wie elektronische Überweisungen und Terminservices folgen.

In der Diskussion brachte KSW-Präsident Rath zentrale Herausforderungen für Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen zur Sprache. Kritisch äußerte er sich zum hohen Prüfungsdruck infolge des Betrugsbekämpfungsgesetzes. Prüfungen müssten effizient und verhältnismäßig sein: Wenn sich abzeichne, dass keine relevanten Ergebnisse zu erwarten seien, müsse eine Prüfung auch beendet werden.

Als strukturelles Problem bezeichnete Rath zudem die Komplexität der Lohnverrechnung. Mit mehr als 800 Kollektivverträgen sei diese in Österreich eine enorme Herausforderung. „Eine Zusammenführung auf etwa 100 Kollektivverträge wäre dringend nötig“, so Rath.

Auch bei den Abgaben sprach sich Rath für Vereinfachungen aus. Hier brauche es praktikable, rechtssichere Lösungen. Als Beispiel führte Rath die Dienstgeberabgabe in Wien an, die hohen Verwaltungsaufwand bei geringem Nutzen verursache.

Kritisch reflektierte Philipp Rath zudem die föderalen Strukturen. Unterschiedliche Regelungen auf Landesebene seien in vielen Bereichen schwer nachvollziehbar. Die KSW sei bewusst als Bundeskammer organisiert, was sich positiv auswirke. Gerade bei zentralen Reformfragen brauche es ein Denken über Ländergrenzen hinweg.

Der Neujahrsempfang 2026 der KSW endete mit einem klaren Bekenntnis zu Dialog, Vernetzung und gemeinsamer Verantwortung. Mit ihrem Fokus auf Digitalisierung, Entbürokratisierung und unternehmerischen Optimismus setzt die Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen ein deutliches Signal für ein reformorientiertes und zukunftsgerichtetes Jahr.

Bei persönlichem Austausch und Networking klang der Abend im MAK – Museum für angewandte Kunst – aus.

STEUERBERATER:INNEN UND WIRTSCHAFTSPRÜFER:INNEN ALS PARTNER:INNEN DER HEIMISCHEN UNTERNEHMEN

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