
Psychiatrische Versorgung langfristig sichern!
VertretungsNetz – Patientenanwaltschaft kritisiert die Wochenend-Schließung der psychiatrischen Station in Schwarzach/Salzburg
Morgen, am 30. Jänner um 16 Uhr schließt die Abteilung für Psychiatrie im Kardinal Schwarzenberg Klinikum in Schwarzach. Ein halbes Jahr lang wird aufgrund des Personalmangels jeweils über das Wochenende keine stationäre Versorgung mehr möglich sein. Als Grund wird der Fachkräftemangel genannt. Die Patient:innen sollen für einige Tage nach Hause gehen, schwer Erkrankte werden in Spitäler nach Salzburg, Innsbruck oder Kufstein verlegt.
Der Erwachsenenschutzverein VertretungsNetz kritisiert die Schließung. „Für die psychiatrische Versorgung in der Region ist die Teilschließung eine Katastrophe“, hält Bernhard Rappert, Fachbereichsleiter Patientenanwaltschaft fest. Die Patientenanwaltschaft vertritt Patient:innen, die gegen oder ohne ihren Willen auf psychiatrischen Abteilungen untergebracht werden.
BELASTENDE TRANSFERS STATT RASCHER HILFE
Die Transfers sind außerdem mit gesundheitlichen Risiken verbunden. „Mehrfache Ortswechsel inmitten einer akuten psychischen Krise sind für Patient:innen äußerst belastend, z.B. für demenziell oder depressiv erkrankte Menschen, die oft unter großen Ängsten bzw. Desorientierung leiden. Gerade in psychischen Ausnahmezuständen bräuchte es eine rasche Krisenintervention und Erstversorgung und danach ein möglichst stabiles Setting, damit sich die Menschen erholen können“, so Rappert.
Die Patientenanwaltschaft verweist auf entsprechende Erfahrungswerte aus anderen Bundesländern. „Im Burgenland war lange Zeit eine psychiatrische Unterbringung nicht möglich. Die stundenlangen Fahrten in Wiener Krankenhäuser wurden von vielen Patient:innen als sehr belastend, manchmal auch traumatisierend, erlebt.“
Schon bisher mussten immer wieder Patient:innen aus dem Pongau nach Salzburg transferiert werden, weil die Betten auf der Station in Schwarzach alle belegt waren. Und doch hat man sich gerade im Kardinal-Schwarzenberg-Klinikum bisher sehr um das Wohl der Patient:innen bemüht, z.B. wenn es darum ging, Zwangsmaßnahmen zu vermeiden, verweist die Patientenanwaltschaft auf eine gute Zusammenarbeit.
Die Befürchtung besteht nun, dass zu Versorgungsengpässen ein Kompetenz-Wirrwarr zwischen Spitälern kommt, sodass vulnerable Menschen und ihre Bedürfnisse auf der Strecke bleiben. Viele Fragen sind noch gar nicht geklärt, etwa was das Entlassungsmanagement betrifft:
Welches Krankenhaus ist zuständig, wenn es um Übergangspflege geht, wenn Patient:innen anschließend Betreuung zu Hause benötigen? Wer organisiert die Nachsorge, wenn Patient:innen noch nicht nach Hause zurückkehren können? Wie werden Angehörige und Vertrauenspersonen informiert?
POLITISCHE LÖSUNG GEFRAGT
Die Politik ist jedenfalls dringend gefragt, rasch eine Lösung auszuarbeiten, wie eine Schließung abgewendet werden kann. „In ganz Österreich wurde jahrelang versäumt, wirksame Maßnahmen gegen den Fachärzt:innenmangel zu setzen. In der regionalen Versorgung zeigen sich nun die negativen Auswirkungen“, sagt Rappert.
Er fordert den weiteren Ausbau extramuraler psychiatrischer Angebote. Modellprojekte wie die „integrierte Versorgung“ – eine individuelle, nachgehende Behandlung von Patient:innen am Wohnort – zeigt nachhaltige Wirkung, was die Reduktion von stationären Aufenthalten betrifft. Gleichzeitig gilt es, viel mehr in Prävention zu investieren.
Das bekräftigt auch Matthias Lauer, Bereichsleiter Patientenanwaltschaft für Salzburg und Tirol bei VertretungsNetz: „Ziel muss es jedenfalls sein, dass Menschen in dringenden gesundheitlichen Notfällen rasch bedürfnisgerechte und qualitätsvolle Hilfe finden.“
ÜBER VERTRETUNGSNETZ
VertretungsNetz ist ein Erwachsenenschutzverein. Wir vertreten, beraten und unterstützen Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung oder psychischer Erkrankung, wenn es um eine Erwachsenenvertretung geht, wenn ihre persönliche Freiheit auf psychiatrischen Stationen oder in Wohn- und Pflegeeinrichtungen eingeschränkt wird. Wir setzen uns für das Recht auf Selbstbestimmung und Bewegungsfreiheit ein.
VertretungsNetz – Öffentlichkeitsarbeit
Mag.a Karina Lokosek, BA
Telefon: 0676 833 08 8173
E-Mail: karina.lokosek@vertretungsnetz.at
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