
Landesverteidigung: Wirtschaft unterstützt Aufholprozess
Im Klagenfurter Lakeside Spitz kamen heute bei der Austrian Defence Innovation Conference (ADIC) rund 300 Vertreter von Militär, Wirtschaft und Forschung zusammen.
„Die ADIC zeigt, wie viel Potenzial in der Vernetzung von Start-ups, Forschung und etablierten Unternehmen steckt. Genau solche Plattformen brauchen wir, damit aus Ideen schneller marktfähige Lösungen werden“, so WKO-Vizepräsidentin Carmen Goby. In keiner der hochkarätigen Keynotes fehlte der Hinweis auf den tiefgreifenden Wandel, in dem sich die globale und vor allem die europäische Sicherheitsarchitektur derzeit befindet. Goby weiters: „Trump bringt die Nachkriegsordnung aus den Fugen.“ Deshalb brauche es den offenen Austausch, „auch über Dinge, die man noch vor wenigen Jahren nicht hätte aussprechen können.“ Europa müsse seine Verteidigung künftig selbst übernehmen, der heimischen Wirtschaft und ihrer Innovationskraft komme dabei eine bedeutende Rolle zu, unterstrich Goby: „Österreich hat im Sicherheits- und Verteidigungsbereich exzellente, hochspezialisierte Unternehmen. Wenn wir Kooperationen stärken und Forschung und Entwicklung gezielt unterstützen, können wir diese Stärke ausbauen und die notwendige europäische Souveränität mitgestalten.“
EUROPA WETTBEWERBSFÄHIG MACHEN – AUCH MILITÄRISCH
Vor allem im Bereich „Dual Use“ — Technologie, die sowohl zivil als auch militärisch einsetzbar ist — sieht Goby große Chancen und Potentiale, die es zu nutzen gelte. Sie nannte drei große Herausforderungen, die für eine erfolgreiche Stärkung der österreichischen Selbstständigkeit und Verteidigungsfähigkeit ausschlaggebend sein werden: Die intensive Vernetzung und Kooperation aller Beteiligten, der möglichst ungehinderte Zugang zu Rohstoffen und Technologie und die Finanzierung: „Innovationen im Sicherheits- und Verteidigungsbereich stärken nicht nur unsere Verteidigungsfähigkeit, sondern auch die wirtschaftliche Resilienz Österreichs. Gerade Forschung und Entwicklung bei Dual-Use-Technologien sind ein zentraler Hebel, um in Europa, aber auch als Europa wettbewerbsfähig zu bleiben.“
BUNDESHEER IM BESCHAFFUNGSMODUS
Was den Ankauf von militärischem Gerät durch das Bundesheer betrifft, hat sich die Lage seit der deutlichen Aufstockung der Mittel für die militärische Landesverteidigung durch die Bundesregierung deutlich verbessert. Rüstungsdirektor Generalleutnant Harald Vodosek sprach offen von einer „Zeitenwende“: „Die Sicherstellung der Finanzmittel war eine mutige Entscheidung der Politik.“ Dabei gehe bei der Verbesserung der Verteidigungsbereitschaft weniger um Truppenstärke, sondern um Faktoren wie Reaktionsgeschwindigkeit, Technologie und Resilienz. Vodosek nannte konkret die Luftraumverteidigung, weitreichende Artillerie im vernetzten Wirkungsverbund, Lenkwaffen, Drohnen- und Antidrohnensysteme, die Mobilität und den IT-Einsatz im Gefechtsfeld — neben anderen — als kritische Bereiche.
VERTEIDIGUNG WAR „NICHT SEXY“
Den „fundamentalen Wandel der geopolitischen Lage“ sprach auch Arnold Kammel, Generalsekretär im österreichischen Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV), sehr offen an: „Die Welt ist unsicherer, autokratischer, darwinistischer geworden.“ Er riet dazu, sich von der Illusion einer regelbasierten Weltordnung zu verabschieden, und zeichnete ein herausforderndes Bild der aktuellen Situation: „Die strategische Autonomie Europas steht vielleicht in irgendwelchen Dokumenten — aber wird sie auch gelebt? Wenn wir heute eine Aktion starten wollen, müssen wir Dritte fragen, ob wir das dürfen.“ Umso mehr begrüßte Kammel, dass jüngst Bewegung in den Bereich Sicherheit, Verteidigung und Innovation gekommen sei: „Früher war es nicht sexy, darüber einen Diskurs zu führen. Jetzt ist es beeindruckend, mit welcher Wucht das Thema jetzt angesprochen wird, beispielsweise im European Competitiveness Fund.“
CHALLENGES UND HACKATHON: SCHWIERIGE ENTSCHEIDUNGEN
Schon am Donnerstag hatte sich auch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner persönlich einen Eindruck von der ADIC verschafft. „Ich beneide die Jury nicht für ihr schwierige Aufgabe, die Auftritte der Start-ups bei den Challenges und beim Hackathon zu bewerten“, erklärte Tanner vor prall gefüllten Sitzreihen im Makerspace nach den Pitches zu den Themen „Defence Quantum Challenge“, „Next Generation Protection Systems“ und dem Hackathon zum Thema „Cognitive Security & Resilience Hackathon: Securing Minds, Strengthening Society“. Die Gewinner des Hackathon (Prämie 30.000 Euro) sowie der beiden Challenges (je 20.000 Euro) werden als feierlicher Schlusspunkt der ADIC am Freitagnachmittag um ca. 15.30 Uhr bekanntgegeben.
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