Eier aus Drittstaaten: Das hat es mit ukrainischen Importen auf sich

SEIT DEZEMBER SIND DIE FOLGEN DER VOGELGRIPPE IN ÖSTERREICH SPÜRBAR: DIE VERSORGUNGSLAGE IST ANGESPANNT UND DIE NACHFRAGE HOCH – BESONDERS BEI BIO-EIERN. GLEICHZEITIG GELANGEN VERMEHRT KÄFIGEIER AUS DRITTSTAATEN WIE DER UKRAINE IN DIE EU, DIE ÜBER VERARBEITETE PRODUKTE AUCH IN HEIMISCHEN REGALEN LANDEN. LAND SCHAFFT LEBEN INFORMIERT ÜBER AUSWIRKUNGEN AUF KONSUMENTINNEN UND KONSUMENTEN, GROSSHÄNDLER, GASTRONOMIE UND DEN HEIMISCHEN SELBSTVERSORGUNGSGRAD.

Die heimische Produktion ist grundsätzlich darauf ausgelegt, Österreich auch bei hoher Nachfrage mit Eiern zu versorgen. Externe Faktoren wie die Vogelgrippe bringen dieses System jedoch ins Wanken: Zwar kommt es hierzulande nicht regelmäßig zu Engpässen, die Knappheit am europäischen Markt wirkt sich aber indirekt auch auf Österreich aus.

Das hat Folgen für Konsumentinnen und Konsumenten, Großhändler und die Gastronomie. _„Wir haben in Österreich das Glück, dass wir relativ verschont geblieben sind, ganz spurlos geht die Situation am europäischen Markt aber nicht an uns vorbei“_, erklärt HANNES ROYER, Gründer des Vereins Land schafft Leben. Vor allem Import­eier, die hierzulande ausschließlich in Großmärkten verkauft werden, sind aktuell nur zu erhöhten Preisen zu bekommen. Deshalb weichen viele Großhändler auf den Lebensmitteleinzelhandel aus und kaufen selbst im Supermarkt Eier ein – so können Engpässe auch in Österreich entstehen.

ZWISCHEN TIERWOHL UND IMPORTABHÄNGIGKEIT

Österreich kann den eigenen Bedarf mit etwa 2,2 Milliarden produzierten Eiern pro Jahr fast selbst decken, der Selbstversorgungsgrad beträgt rund 90 Prozent. Eier werden hierzulande unter hohen Tierwohlstandards produziert – oft im Gegensatz zu günstiger, ausländischer Ware. Jegliche Form der Käfighaltung ist in Österreich seit 2020 verboten, der Import von Käfigeiern allerdings nicht. Täglich importiert Österreich 1,5 Millionen Eier – größtenteils aus Deutschland, was aber nicht heißen muss, dass die Eier von deutschen Hennen gelegt wurden. Grund dafür sind Re-Exporte: Beispielsweise importiert Deutschland Eier aus der Ukraine und exportiert sie dann weiter, etwa für den Großhandel oder in Form verarbeiteter Lebensmittel wie Kuchen, Nudeln oder Mayonnaise. Als Herkunftsland ist trotzdem Deutschland angegeben.

Generell muss die Herkunft bei verarbeiteten Produkten nicht gekennzeichnet werden. Das führt dazu, dass Konsumentinnen und Konsumenten bei Fertigprodukten und in der Gastronomie über die Herkunft oder Haltung der Tiere im Unklaren bleiben. Eine bewusste Kaufentscheidung ist laut HANNES ROYER nur dann möglich, wenn auch klar ist, woher das Lebensmittel kommt und wie es produziert wurde. „Deshalb fordern wir ganz klar eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung – und zwar überall dort, wo wir mit Lebensmitteln in Berührung kommen“_,_ bekräftigt der Vereinsgründer.

WAS HINTER DER EIERKNAPPHEIT STECKT

Momentan führt die Vogelgrippe im Ausland zu einem deutlichen Rückgang der Legehennenbestände. Gleichzeitig ist der Eierbedarf in den vergangenen Jahren gestiegen: In Österreich liegt der Pro-Kopf-Konsum im Jahr 2024 mittlerweile bei rund 250 Eiern pro Jahr. Hinzu kommt, dass die Nachfrage in den letzten beiden Monaten traditionell besonders hoch war – rund um Weihnachten und die Wintertourismus-Saison – und sich zu Ostern erneut deutlich erhöhen wird.

Carina Bauer, Kommunikation
Land schafft Leben
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