Gütesiegel für fairen Tourismus: Gewerkschaft vida fordert Schutz redlicher Betriebe und Wiederaufnahme der KV-Verhandlungen

Offener Brief an die Wirtschaftskammer – Hebenstreit: Fair wirtschaften muss sich lohnen: Beschäftigte stärken, Sozialstaat sichern.

Mit einem offenen Brief an die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) fordert die Gewerkschaft vida heute die Einführung eines verbindlichen Gütesiegels für redliche Tourismusbetriebe und gleichzeitig die respektvolle Wiederaufnahme der Kollektivvertragsverhandlungen. Das Gütesiegel soll jene Unternehmen sichtbar machen und gezielt belohnen, welche faire Arbeitsbedingungen bieten, korrekt wirtschaften und aktiv zum Schutz des Sozialstaates beitragen.

„Der österreichische Tourismus lebt von hunderttausenden Beschäftigten und von tausenden Betrieben, die tagtäglich redlich arbeiten. Genau diese Unternehmen verdienen Schutz, Anerkennung und konkrete Vorteile – nicht jene, die durch systematischen Betrug Wettbewerb verzerren und den Sozialstaat schädigen“, betont Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft vida. „Wer den Tourismus stärken will, muss auch die Menschen stärken, die ihn tragen. Verhandlungen fortzuführen ist kein Entgegenkommen, sondern eine Frage des Respekts“, bekräftigt Hebenstreit. Nachfolgend der offene Brief im Wortlaut:

_An die_

_Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ)_

_Fachverband Hotellerie & Fachverband Gastronomie_

_z. Hd. Herrn Georg Imlauer & Herrn Alois Rainer_

_Wiedner Hauptstraße 63_

_1045 Wien_

Wien, am 6.2.2026

BETREFF: FAKTEN STATT BEFINDLICHKEITEN – UNSER VORSCHLAG FÜR EINEN SAUBEREN TOURISMUS

Sehr geehrte Herren,

zu unserem Bedauern haben Sie die Kollektivvertragsverhandlungen für mehr als 200.000 Tourismusbeschäftigte medienöffentlich verweigert, und fordern eine Entschuldigung der Gewerkschaft als Bedingung für die Aufnahme der Lohnverhandlungen. Wir erlauben uns diesbezüglich festzuhalten, dass die von uns transparent gemachten Fakten medienöffentlich waren und bekanntermaßen den Tatsachen entsprechen.

Wir führen hier unserer Auffassung nach also einen „Streit um des Kaisers Bart“, ab wann eine signifikante Anhäufung von Einzelfällen zum System wird. Wir sehen es im Sinne der redlichen Unternehmen der Branche sowie im Interesse der Steuerzahler:innen als unumgänglich an – Fälle wie jene im Jänner 2026 aufgedeckten -, wonach eine betrügerische Software entwickelt wurde, die gezielt Buchungen löscht und diese laut Mediendarstellungen von einer dreistelligen Anzahl an Betrieben aktiv genutzt wurde, als das zu benennen, was es ist. Im Strafrecht spricht man von einer kriminellen Vereinigung, wenn sich mehrere Personen zusammenschließen, um fortgesetzt Straftaten zu begehen. Wenn Betriebsmittel direkt in kriminelle Energie investiert werden, um den Sozialstaat zu schädigen, muss man das Kind beim Namen nennen dürfen.

Dass Sie nun die Verhandlungen für rund 200.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter blockieren, weil Ihnen die Benennung dieser Tatsachen missfällt, befremdet uns. Die Zeiten, in denen Beschäftigte für das vermeintliche Fehlverhalten ihrer Standesvertretung in Mithaftung genommen wurden, sollten wir hinter uns haben.

Wir bieten Ihnen einen konstruktiven und sachlichen Ausweg an:

Ihren Aussagen entnehmen wir, dass wir ein Interesse teilen: Wir wollen die „schwarzen Schafe“ bekämpfen, weil sie der Branche, dem Sozialstaat und damit den Menschen in diesem Land einen inakzeptablen Schaden zufügen. Die Gewerkschaft vida hat sich mit einer redlichen heimischen Softwarefirma ausgetauscht und eine manipulationssichere, zertifizierbare Softwarelösung entwickeln lassen, die auch bei den Arbeitnehmerschutzbehörden volle Akzeptanz findet.

Lassen Sie uns daraus gemeinsam ein Gütesiegel für redliche Betriebe entwickeln. Unsere Vision:

· Zertifizierte Transparenz:

Wer dieses Siegel trägt, beweist, dass er redlich handelt und faire Arbeitsbedingungen bietet.

· Besserstellung:

Betriebe mit diesem Siegel sollen spürbar entlastet werden und Vorteile genießen.

· Schutz der Redlichen:

Wir trennen gemeinsam die Spreu vom Weizen und schützen jene Unternehmen, die sich an die Spielregeln halten und in Qualität investieren, vor unlauterem Wettbewerb.

· Regierungsprogramm umsetzen:

Gehen wir in die Umsetzung des im Regierungsprogramm verankerten „Maßnahmenpakets zur Steigerung der Fairness gegenüber den Beschäftigten und Sichtbarmachung guter Arbeitgeber:innen“. Nutzen wir zudem die im Regierungsprogramm vereinbarte Kampagne „Team Tourismus – starke Branche, deine Chance“ mit Fokus auf die Wertschätzung der Tourismusbeschäftigten zur Implementierung eines branchenweit starken Qualitätsmechanismus.

Lassen Sie uns die Emotionen beiseitelegen und gemeinsam an diesem Gütesiegel arbeiten. Kehren wir an den Verhandlungstisch zurück, um faire Lösungen für die Branche und die Beschäftigten zu erarbeiten. Arbeiten wir gemeinsam daran, dass wir alle wieder stolz auf diese für dieses Land so zentrale Branche sein können.

Es ist viel zu tun. Gehen wir es gemeinsam an.

Mit gewerkschaftlichen Grüßen

Roman Hebenstreit

Vorsitzender der Gewerkschaft vida

Gewerkschaft vida/Öffentlichkeitsarbeit
Hansjörg Miethling
Telefon: +43 664 6145 733
E-Mail: hansjoerg.miethling@vida.at

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