
Wien: Nur 35 neue Kassenplanstellen in fünf Jahren vorgesehen
Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien verweist auf statistische Vermischung und warnt vor Konzernisierung
Die heutige Behauptung der ÖGK Salzburg, dass Wien im Regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG Wien 2030) 215 neue Kassenarztstellen zugesprochen wurden, ist falsch. „Entgegen früherer politischer Ankündigungen sind für Wien lediglich 35 neue Kassenplanstellen für Fachärztinnen und Fachärzte aller Fächer innerhalb von fünf Jahren vorgesehen“, stellt Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, klar. Um das solidarische Gesundheitssystem aufrechtzuhalten wurden seitens der Kammer 300 neue Kassenplanstellen für Wien gefordert. Umgesetzt wird lediglich ein Zehntel davon. „Angesichts des geplanten Bettenabbaus und der damit einhergehenden Verlagerung der Patientenversorgung aus den Spitälern in den niedergelassenen Bereich wird mit dem geplanten Vorgehen die wohnortnahe kassenärztliche Versorgung nicht ausreichend gestärkt.“
Reformen im Gesundheitswesen sind grundsätzlich sinnvoll und notwendig, insbesondere um Versorgungslücken zu schließen und Strukturen zu modernisieren. Gleichzeitig bestehen jedoch an wichtigen Stellen des RSG Wien 2030 offene Fragen, insbesondere in Hinblick auf die Versorgung im niedergelassenen Bereich und die geplante Ambulantisierung. Durch die vorgesehenen neuen Vergemeinschaftungsformen werden niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie Ambulatorien künftig in der Planung nicht mehr klar getrennt, was zu einer statistischen Vermischung führt. „Darüber hinaus droht dem Wiener Gesundheitssystem mit den vorgesehenen Maßnahmen eine zunehmende Konzernisierung, bei der nicht mehr die Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt stehen, sondern die wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen“, warnt Präsident Steinhart.
„Der niedergelassene Kassenbereich ist das Rückgrat eines funktionierenden solidarischen Gesundheitssystems“, sagt Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin und Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien. „Gerade in einer Großstadt wie Wien ist die flächendeckende, niederschwellige Versorgung der Bevölkerung in den Ordinationen essenziell.“ Der RSG Wien 2030 setzt jedoch vielerorts auf Strukturreduktion, ohne die notwendige Versorgung in den Ordinationen sicherzustellen. „Wenn Spitäler entlastet und Leistungen in den niedergelassenen Bereich verlagert werden sollen, müssen dafür schon vorher ausreichend Ressourcen bereitgestellt werden.“
Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien
Mag. Katharina Hemmelmair
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