ÖGB begrüßt Fachkräftestrategie: Ansatz beginnend bei Elementarpädagogik bis hin zu Aus- und Weiterbildung im Alter essenziell

ÖGB-Schuberth: „Zusätzliche Budgetmittel sind begrüßenswert.“

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) begrüßt die heute im Ministerrat beschlossene Fachkräftestrategie der Bundesregierung grundsätzlich. „Endlich wird anerkannt, dass der Fachkräftemangel kein kurzfristiges Problem ist, sondern eine strukturelle Herausforderung. Qualifizierung, Lehre und faire Zuwanderung sind zentrale Hebel. Jetzt kommt es darauf an, dass aus Ankündigungen auch verbindliche Maßnahmen mit ausreichender Finanzierung werden“, betont ÖGB Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth.

„Der gewählte Ansatz ist grundsätzlich richtig: Fachkräftesicherung darf nicht erst beginnen, wenn der Mangel schon da ist. Der breite Bogen von der Elementarpädagogik über Berufsorientierung und Erstausbildung bis hin zu Qualifizierung und Weiterqualifizierung im gesamten Erwerbsleben zeigt, dass es um mehr geht als um bloßes Reparieren von Lücken“, so Schuberth. „Jetzt muss dieser Anspruch aber mit Tempo, verbindlichen Maßnahmen und ausreichender Finanzierung hinterlegt werden – sonst bleibt die Strategie ein gutes Papier ohne Wirkung.“

QUALIFIZIERUNG STATT SPARPOLITIK

Die im Papier angekündigte Qualifizierungsoffensive ist aus Sicht des ÖGB ein richtiger Schritt. Besonders wichtig ist der Fokus auf den Lehrabschluss für Erwachsene, auf arbeitsplatznahe und modulare Angebote sowie auf die Weiterbildung von Beschäftigten ohne formale Ausbildung.

„Wer heute bei Weiterbildung spart, zahlt morgen doppelt – mit Produktivitätsverlusten, massiven Fachkräftebedarf und sozialer Spaltung. Aktive Arbeitsmarktpolitik ist keine Ausgabe, sondern eine Investition in die Zukunft von uns allen“, sagt Schuberth.

LEHRE STÄRKEN – BETRIEBE IN DIE PFLICHT NEHMEN

Der Lehrstellenmarkt ist besonders angespannt: Die Zahl der Lehrlinge und der ausbildenden Betriebe sinkt, allein 2025 um 3,8 Prozent. Gleichzeitig steigt die Zahl der sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden. „Jede fehlende Lehrstelle ist eine vertane Zukunftschance. Es reicht nicht, auf den Markt zu hoffen. Betriebe müssen stärker in die Verantwortung genommen werden, damit wieder mehr ausgebildet wird“, fordert Schuberth.

Das ÖGB-Modell der Fachkräftemilliarde geht genau in diese Richtung: Es sieht vor, dass alle Unternehmen, die ausbilden könnten, in einen Topf einzahlen, aus dem die tatsächlich ausbildenden Firmen gefördert werden. So könnten sich ausbildungsfaule Betriebe nicht mehr länger aus ihrer Verantwortung ziehen.

Außerdem müsse die überbetriebliche Lehrausbildung (ÜBA) als Auffangnetz gesichert und weiterentwickelt werden. Auch klare Karrierepfade über die Höhere Berufliche Bildung seien entscheidend.

INTERNATIONALE FACHKRÄFTE: FAIR, SCHNELL UND MIT PERSPEKTIVE

Der ÖGB begrüßt die geplante Weiterentwicklung der Rot-Weiß-Rot-Karte sowie die Digitalisierung der Verfahren, die Voraussetzungen dürfen aber keinesfalls heruntergeschraubt werden. „Schnellere Anerkennung von Qualifikationen und transparente Verfahren sind notwendig. Gleichzeitig muss klar sein: Wer hier arbeitet, hat Anspruch auf faire Löhne, gute Arbeitsbedingungen und Schutz vor Ausbeutung“, so Schuberth.

OHNE KINDERBETREUUNG UND PFLEGE KEINE FACHKRÄFTE

Positiv bewertet der ÖGB, dass Kinderbetreuung, Pflege und Anreize für Vollzeit als Querschnittsthemen genannt werden. „Ohne flächendeckende, leistbare Betreuung und Pflege können vor allem Frauen ihr Arbeitszeitpotenzial nicht ausschöpfen. Eine Fachkräftestrategie ohne soziale Infrastruktur greift zu kurz“, betont Schuberth.

FINANZIERUNG KLÄREN

Begrüßt wird die Ankündigung von Sozialministerin Schumann, sich für zusätzliche Mittel einsetzen zu wollen. „Gute Strategien dürfen schließlich nicht an fehlenden Budgets scheitern“, betont Schuberth abschließend.

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