
Kopf-Hals-Tumore: Moderne Bildgebung verbessert Überlebenschancen
MIT 500.000 NEUERKRANKUNGEN PRO JAHR WELTWEIT LIEGEN DIE KOPF-HALS-TUMORE WIE KEHLKOPFKREBS, RACHENKARZINOM UND MUNDHÖHLENKREBS, AUF PLATZ 6 DER HÄUFIGSTEN KREBSARTEN. SIE SIND MIT EINER ÜBERLEBENSRATE VON UNTER 35 % BEI FORTGESCHRITTENEN TUMOREN AUCH EINE DER TÖDLICHSTEN KREBSERKRANKUNGEN. ENTSCHEIDEND FÜR EINE ZIELGERICHTETE THERAPIE IST EINE GENAUE DIAGNOSTIK DURCH MRT, CT UND PET-CTS SOWIE ANDERER HYBRIDER VERFAHREN. MIT DEM WECHSEL IN DER BILDGEBUNG VON REINER ANATOMIE HIN ZU FUNKTIONELLER UND QUANTITATIVER BILDGEBUNG SCHAFFT DIE RADIOLOGIE WICHTIGE INNOVATIONEN. FORTSCHRITTE BEI DER DIAGNOSE UND BEHANDLUNG VERBESSERN BEREITS JETZT DIE PROGNOSE VOR ALLEM BEI MANDEL-, ZUNGEN- UND MUNDHÖHLENKREBS ENORM. WELCHEN BEITRAG DIE RADIOLOGIE ZUKÜNFTIG LEISTEN KANN, UM DIE ÜBERLEBENSRATE BEI HALS-KOPF-TUMOREN ZU STEIGERN UND WIE ANGESICHTS DER MODERNEN RADIOLOGISCHEN UNTERSUCHUNGEN MEHR QUALIFIZIERTE RADIOLOGEN AUS- UND WEITERGEBILDET WERDEN KÖNNEN, THEMATISIERT DER EUROPÄISCHE RADIOLOGIEKONGRESS ECR, DER VOM 4. BIS 8. MÄRZ IM AUSTRIA CENTER VIENNA STATTFINDET.
„Jede erfolgreiche ärztliche Behandlung beginnt mit einer korrekten Diagnose, wobei die Bildgebung in vielen Fällen, wie bei den bösartigen Tumoren im Kopf- und Halsbereich, entscheidend ist. Die Radiologie nimmt in der Patientenbehandlung eine zentrale Rolle ein, die oft unterschätzt wird, weil eine korrekte Bildinterpretation als gegeben betrachtet wird. Bei den bösartigen Tumoren im Kopf-Hals-Bereich, die mit über 500.000 Neuerkrankungen pro Jahr weltweit auf Platz 6 der häufigsten Krebserkrankungen liegen, braucht es die Radiologie, um mit CT und MRT die genaue Ausdehnung des Tumors, die Infiltration wichtiger Strukturen und die Detektion von Metastasen aufzeigen zu können. Auch in der Therapieplanung und in der Nachsorge spielt die Radiologie eine zentrale Rolle, umso mehr, da bei bösartigen Kopf-Hals-Tumoren – je nach Stadium und Lokalisation – ein relativ hohes Rückfallrisiko zwischen 15 und 50 % innerhalb der ersten zwei Jahre liegt“, so Prof. Dr. Minerva Becker, Ordinaria im Universitätsspital in Genf, Präsidentin der European Society Radiology (ESR) und aktuelle Kongress-Präsidentin des European Congress Radiology.
DEUTSCHSPRACHIGER RAUM: 22.800 NEUERKRANKUNGEN PRO JAHR
Krebserkrankungen im Kopf-Hals-Bereich haben in den letzten 30 Jahren deutlich zugenommen. Allein in Österreich sind es etwa an die 1.300 Neuerkrankungen pro Jahr. „Betroffen sind vor allem Männer und ältere Menschen. Während Frühstadien mit 70-90 % eine gute 5-Jahres-Überlebensrate haben, fällt die Überlebensrate bei lokal fortgeschrittenen Tumoren oft auf unter 35 %. Das macht Kopf-Hals-Tumore zu einer der tödlichsten Krebsarten. Fortschritte bei der Diagnose und der Behandlung haben die Prognose jedoch vor allem bei Mandel-, Zungen- und Mundhöhlenkrebs verbessert“, betont Becker.
PLATTENEPITHELKARZINOME: 90 % ALLER HALS-KOPF-TUMORE
Plattenepithelkarzinome, wie beispielsweise Kehlkopfkrebs, Rachenkarzinom und Mundhöhlenkrebs, sind mit etwa 90 % die häufigsten Hals-Kopf-Tumore. Das sind bösartige Tumore, die aus Plattenepithelzellen, das ist die oberste Zellschicht vieler Körperoberflächen und Schleimhäute, entstehen.
RISIKOFAKTOREN: RAUCHEN, ALKOHOL UND HPV VERMEIDEN
Hauptursachen für Hals-Kopf-Tumore sind das Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sowie eine Kombination aus beiden. „Hier schädigt das Rauchen direkt die Schleimhäute und der Alkohol verstärkt die Wirkung“, so Becker. Unabhängig davon spielen HPV-Viren (Humanes Papilloma Virus), insbesondere das HPV16, eine steigende Ursachenrolle besonders bei Tumoren im mittleren Rachenraum. Die HPV-Schutzimpfung bietet hier einen wichtigen Schutz vor späteren Krebserkrankungen. Auch schlechte Mundhygiene, bestimmte Schadstoffe wie Asbest und Holzstaube und das Epstein-Barr-Virus (EBV) sind weitere Risikofaktoren für das Entstehen von bösartigen Hals-Kopf-Tumoren.
KOMBINATION AUS MRT UND CT ALS BASISDIAGNOSTIK
Für eine möglichst frühe und präzise Diagnostik von Kopf-Hals-Tumoren braucht es die Magnetresonanztherapie (MRT) und Computertomographie (CT) oder eine Kombination beider Bildgebungsverfahren. „Da die MRT einen sehr hohen Weichteilkontrast bietet, lassen sich Tumor, Muskel, Speicheldrüsen, Schleimhaut, Fett und Nerven damit besonders gut voneinander abgrenzen. Das ist besonders im engen, anatomisch komplexen Kopf-Hals-Bereich wichtig, um Ausdehnungen und Infiltrationen in der Zunge, an der Rachenwand und Kehlkopfknorpel sowie Gefäß- und Nervenscheideräume möglichst präzise zu erkennen“, erklärt die Radiologin. Die MRT ist wesentlich für die Stadieneinteilung des Hals-Kopf-Tumors und liefert in der OP- und Strahlentherapieplanung die beste Grundlage für exakte Tumor- und Risikoorgan-Abgrenzung. Das macht eine präzisere operative Entfernung des Tumors bzw. zielgenauere Bestrahlung mit besserer Schonung des gesunden Gewebes möglich. „Die CT-Untersuchung bietet eine schnelle Basisdiagnostik und zeigt uns mögliche Knochenbeteiligungen an. Das ist gerade im Kopf-Hals-Bereich wichtig, um einen Tumorbefall von Unterkiefer, Schädelbasis und der knöchernen Strukturen der Nasennebenhöhlen erkennen zu können und diese Aspekte auch in die OP- oder Bestrahlungsplanung berücksichtigen zu können. Ein weiterer Vorteil sind überlagerungsfreie, präzise Schnittbilder mit denen sich Ausdehnungen, Luftwege und Nachbarbeziehungen des Tumors in 3D gut darstellen lassen“, erklärt Becker.
PET-CT ALS „JOKER“ BEI UNKLAREM BEFUND
„Das PET-CT ist eine sehr wichtige Ergänzung der Basisdiagnostik. Seine große Stärke ist, dass es den Tumorstoffwechsel sichtbar macht und diesen mit anderen anatomischen CT-Lokalisationen kombiniert. Dadurch können Lymphknoten- und Fernmetastasen besser erkannt werden. Das hilft sehr bei der Suche nach unbekannten Primärtumoren und unterstützt zur kompletten Stadieneinteilung“, betont die Radiologin. In der Nachsorge können durch das PET-CT Narben- und Entzündungsreaktionen besser von Krebsrückfällen unterschieden werden.
WESENTLICHER FORTSCHRITT: HYBRIDE BILDGEBUNG FÜR NOCH GRÖSSERE GENAUIGKEIT
Für Becker gilt in der Bildgebung der Wechsel von reiner Anatomie hin zu funktioneller und quantitativer Bildgebung als eine der wichtigsten jüngsten Entwicklungen. „Multiparametrische MRT liefern zusätzliche Informationen zur Gewebscharakterisierung und zur Beurteilung des Therapieansprechens. Hybridverfahren wie PET/MR machen die Diagnostik noch präziser“, so Becker. Auf CT-Seite gewinnen für sie Dual-Energy, spektrale CTs beispielsweise mit Jodkarten und Photon-Counting-CTs an Bedeutung. Parallel entwickeln sich Radiomics und KI als Bausteine für Prognose- und Response-Modelle sowie MR-geführte adaptive Radiotherapie.
APPELL ZUR AUS- UND WEITERBILDUNG VON RADIOLOGEN
„Uns als European Society of Radiology ist es daher wichtig, dass nicht nur die Kosten der modernen Bildgebung betrachtet werden, sondern auch die Folgekosten einer unvollständigen oder falschen Diagnose. Gerade in den letzten Jahrzehnten hat die sehr starke Zunahme der modernen radiologischen Schnittbilduntersuchungen in Europa und weltweit zu einem Mangel an qualifizierten Radiologen geführt. Eine europaweite, moderne und qualitativ hochstehende medizinische Aus- und Weiterbildung der Radiologen ist daher im Dienste der Patientinnen und Patienten essenziell. Der europäische Radiologiekongress ECR leistet als einer der größten medizinischen Kongresse weltweit einen Beitrag dazu“, betont die ECR 2026 Kongress-Präsidentin abschließend.
ÜBER DIE IAKW-AG UND DEN ECR
Die IAKW-AG (Internationales Amtssitz- und Konferenzzentrum Wien, Aktiengesellschaft) ist verantwortlich für die Erhaltung des Vienna International Centre (VIC) und den Betrieb des Austria Center Vienna. Das Aust
ria Center Vienna ist mit 21 Sälen, 134 Meetingräumen sowie rund 26.000 m2 Ausstellungsfläche Österreichs größtes Kongresszentrum und gehört zu den Top-Playern im internationalen Kongresswesen. Seit 1991 ist es Veranstaltungsort vom alljährlichen europäischen Radiologie-Kongress (ECR) mit seinen mittlerweile über 20.000 Teilnehmenden. Er wird von der European Society of Radiology (ESR) organisiert und gilt als größter europäischer und zweitgrößter internationaler Kongress auf dem Gebiet der Radiologie. https://www.acv.at/de/
Mag. (FH) Claudia Reis, MA
Pressesprecherin Wissenschaft
Austria Center Vienna
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