
Verunreinigte Säuglingsnahrung: China kooperiert nicht, Unternehmen haben versagt
Europäische Kommission verschärft Maßnahmen
Im europaweiten Skandal um zurückgerufene Säuglingsmilch mit einem potenziell mit dem Giftstoff Cereulid kontaminierten Inhaltsstoff aus China gibt es neue Entwicklungen. Im Mittelpunkt stand zuletzt die Frage, wie der chinesische Lieferant Cabio Biotech, der im Zentrum der Affäre steht, reagieren würde. Angesichts der Weigerung der chinesischen Behörden, mit ihren europäischen Gegenübern zu kooperieren, verschärft die Europäische Kommission nun den Ton und verstärkt die Kontrollen für Importe von Arachidonsäure-Öl aus China.
Ab dem 26. Februar 2026 unterliegen Einfuhren von Arachidonsäure-Öl aus China besonderen Bedingungen beim Eintritt in die Europäische Union. Jede Sendung mit Ursprung in China muss an den Grenzkontrollstellen (Border Control Posts, BCPs) der Mitgliedstaaten vorgestellt werden. Dort erfolgen Dokumentenkontrollen sowie – mit einer Frequenz von 50 Prozent – Identitäts- und Warenuntersuchungen. Darüber hinaus muss jede Sendung von Laboranalyseergebnissen und einem amtlichen Zertifikat der chinesischen Behörden begleitet werden, das bestätigt, dass Probenahme und Analysen das Nichtvorhandensein des Cereulid-Toxins ergeben haben. Die Kommission fordert die Mitgliedstaaten nun auf, diese Maßnahmen vollständig umzusetzen.
Gegenüber foodwatch erklärte die Europäische Kommission, sie habe die chinesischen Behörden am 12. Januar 2026 angeschrieben und zu einem Treffen mit der europäischen Delegation eingeladen. China habe eine Zusammenarbeit jedoch abgelehnt. Daraufhin habe die Kommission entschieden, strengere Maßnahmen zu ergreifen.
Indra Kley-Schöneich von foodwatch Österreich_: „Unternehmen haben es versäumt, die Sicherheit ihrer Zutaten für die menschliche Gesundheit zu gewährleisten. Deshalb müssen nun die nationalen Behörden der Mitgliedstaaten einspringen und sicherstellen, dass das von milliardenschweren Konzernen importierte Arachidonsäure-Öl kein Gesundheitsrisiko darstellt. Es ist inakzeptabel, dass Behörden diese Kontrollarbeit übernehmen müssen, weil große Konzerne ihrer grundlegenden Pflicht zur Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit nicht nachgekommen sind. Wer Gewinne privatisiert, darf die Risiken nicht der öffentlichen Hand aufbürden – erst recht nicht in einer Zeit, in der Europas Aufsichtsbehörden ohnehin massiv unterbesetzt sind.“_
foodwatch weist zudem darauf hin, dass die am 24. Februar im Dringlichkeitsverfahren veröffentlichte Durchführungsverordnung der Kommission ausdrücklich festhält, dass „davon auszugehen ist, dass aus China eingeführtes Arachidonsäure-Öl ein schwerwiegendes Risiko für die menschliche Gesundheit darstellt“.
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