Psychotherapie: Next Level

Wirksamkeit, neue Ausbildungswege und warum die Versorgung jetzt entscheidend ist

Psychische Erkrankungen zählen zu den drängendsten Gesundheitsproblemen unserer Zeit. Rund ein Viertel der Bevölkerung ist aktuell betroffen, doch die Versorgung hält mit dem tatsächlichen Bedarf nicht Schritt. Gleichzeitig liegen mit der POPP-Studie erstmals österreichweite Real-World-Daten zur Wirksamkeit ambulanter Psychotherapie vor. Bei der heutigen Pressekonferenz in Salzburg präsentierten Expert:innen neue Daten zur Wirksamkeit ambulanter Psychotherapie, zentrale Eckpunkte der neuen akademisierten Psychotherapieausbildung und aktuelle Entwicklungen in der Versorgungslage.

PSYCHOTHERAPIE WIRKT – ERSTMALS DURCH ÖSTERREICHISCHE VERSORGUNGSDATEN BELEGT

Die POPP-Studie („Prozess und Outcome in Psychotherapeutischen Praxen“) zeigt erstmals, wie wirksam Psychotherapie im realen Alltag wirkt: depressive und Angstsymptome gehen deutlich zurück, Funktionsfähigkeit und Lebenszufriedenheit steigen. Grundlage waren Daten von 87 Psychotherapeut:innen aus allen vier Hauptorientierungen und 163 Patient:innen.

Elke Humer, Assoziierte Professorin für Biopsychosoziale Gesundheit an der Universität für Weiterbildung Krems, ergänzt: _„Psychotherapie wirkt. Auch unter komplexen Alltagsbedingungen mit vielfältigen Krankheitsbildern – und über alle untersuchten Psychotherapierichtungen hinweg. Die Studie zeigt: Psychotherapie ist eine der wirksamsten Interventionen für psychische Gesundheit und ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Gesundheitssystems.“_

DIE NEUE AKADEMISIERTE PSYCHOTHERAPIE-AUSBILDUNG

_„Ab Oktober 2026 kommt es zu einem Paradigmenwechsel in der Psychotherapieausbildung. In Österreich werden pro Jahr 500 Studienplätze für das neue ordentliche Masterstudium Psychotherapie geschaffen. Der Fachbereich Psychologie der Universität Salzburg wird davon 50 Studienplätze erhalten und nimmt im Zuge der Vorbereitungen auf das neue Studium (Aufnahmetest, Rahmencurriculum, Universitätsambulanz für Psychotherapie) österreichweit eine führende Rolle ein.“, informiert Thomas Probst, _Universitätsprofessor für Psychotherapie und -forschung sowie Gründungsdirektor der Universitätsambulanz für Psychotherapie, Fachbereich Psychologie, Universität Salzburg und Sprecher Psychotherapie im Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Psychologie (ÖGP).

Mit dem Psychotherapiegesetzes 2024 startet am 01. Oktober 2026 das Masterstudium Psychotherapie an öffentlichen Universitäten. Österreichweit werden 500 Studienplätze pro Jahr eingerichtet.

Barbara Haid, Präsidentin des ÖBVP, führt weiter an: _„Seit über 35 Jahren steht die psychotherapeutische Ausbildung in Österreich für hohe Qualität, wissenschaftliche Fundierung und praxisnahe Kompetenzentwicklung. Die neue Ausbildungsstruktur baut auf diesem starken Fundament auf und verbindet universitäre Exzellenz mit bewährter fachgesellschaftlicher Spezialisierung. Das ist kein Bruch mit der Tradition, sondern ihre konsequente Weiterentwicklung._

_Bereits jetzt befinden sich über 11.000 junge Kolleg:innen in der Ausbildung (davon 3.000 in Fachausbildung). Mit den 500 Masterstudienplätzen an öffentlichen Universitäten wird hier ein weiterer wichtiger Schritt zu einer akademischen Grundausbildung gesetzt, der sich in der postgradualen Fachausbildungsphase bei Fachgesellschaften fortsetzt und mit der staatlichen Approbationsprüfung einen qualitätsgesicherten Abschluss findet. 13.021 Psychotherapeut:innen und 3.000 in Fachausbildung unter Lehrsupervision stehen als Nahversorger für psychische Gesundheit den Menschen in Österreich zur Verfügung.“_

VERSORGUNGSLAGE: HOHER BEDARF TRIFFT AUF BEGRENZTE KAPAZITÄTEN

Rund 23 % der Bevölkerung sind derzeit von psychischen Erkrankungen betroffen, mehr als 900.000 suchen jährlich aufgrund psychischer Belastungen das Gesundheitssystem auf. Gleichzeitig zeigt sich, dass die bestehenden Angebote nicht in allen Regionen in ausreichend verfügbar sind. Die ÖGK stellt aktuell Leistungen für rund 1,3 % ihrer Versicherten bereit, während internationale Empfehlungen auf einen höheren Versorgungsbedarf hinweisen.

_„Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) hat in den letzten Jahren viel investiert um das Angebot für Psychotherapie als Kassenleistung sicherzustellen. Im Vertragsbereich wurden 77.977 Patient:innen mit 1.064.946,85 Psychotherapieeinheiten und Gesamtaufwendungen von 95.285.197 Ꞓ versorgt und zusätzlich haben 81.745 Patient:innen Anträge auf Kostenzuschuss eingereicht; hierfür wurden 26.444.432 Ꞓ aufgewendet. Salzburg war mit dem Salzburger Modell immer österreichischer Benchmark. Dadurch konnten auch die Pensionierungen wegen psychischer Erkrankungen geringer gehalten werden. Psychosoziale Versorgung sollte weder vom Konto noch vom Wohnort abhängen. Ich wünsche mir flächendeckende psychotherapeutische Versorgung für unsere Versicherten, nicht nur in Salzburg, sowie bundesweit. Wir sehen, dass psychische Erkrankungen in der Versorgung immer noch nicht den Status einer „normalen“ Krankheit haben, die behandelt werden muss. Die flächendeckende Psychotherapie auf Kassenkosten für unsere Versicherten soll weiter ausgebaut werden. Die neue Ausbildungsform und die Ambulanz der Uni Salzburg werden noch mehr Qualität und soziale Gerechtigkeit in die Versorgung bringen. Außerdem brauchen wir für Kinder und Jugendliche ein flächendeckendes Netz an Kinder- und Jugendversorgung sowie multidisziplinäre psychosoziale Versorgungszentren. Denn rund 11,5 % der abgerechneten Einheiten (im Jahr 2024) wurden von Kindern- und Jugendlichen in Anspruch genommen. Damit leben wir soziale Gerechtigkeit.“,_ ergänzt Andreas Huss, Obmann der ÖGK.

Die Versorgung in Salzburg bildet hier ein Vorzeigemodell. Ines Gstrein, Geschäftsführerin der ARGE Psychotherapie Salzburg, erläutert: „_Die Zahlen zeigen klar: Österreich verfügt über eine starke psychotherapeutische Personalbasis, und Beispiele wie Salzburg beweisen, dass Versorgung wirksam ausgebaut werden kann. Jetzt braucht es den nächsten Schritt – eine österreichweit einheitliche Versorgung mit Psychotherapie auf e-card, kostendeckende Rahmenbedingungen und den konsequenten Ausbau der Angebote, damit psychische Gesundheit für alle Menschen rasch, wohnortnah und verlässlich erreichbar wird.“_

Die heutige Pressekonferenz macht deutlich, dass Wissenschaft, Ausbildung und Versorgung gemeinsam entscheidende Impulse setzen können, um psychische Gesundheit nachhaltig zu stärken.

Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie
Fabienne Patek, MSc
Telefon: +43 676 306 59 41
E-Mail: oebvp.patek@psychotherapie.at

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