
Gesperrte Stadionallee schadet Umwelt und verteuert Kosten
Die Sperre der Stadionallee für Individualverkehr verursacht große Umwege für Kleintransporter und Taxis. Für sie braucht es eine Ausnahmeregelung, um Zeit, Geld und CO₂ zu sparen
Wien, 27.2.26 – Die Wirtschaftskammer Wien hat bei der Stadt Wien Einspruch gegen das geplante Fahrverbot in der Stadionallee und der Meiereistraße im 2. Bezirk erhoben und fordert Ausnahmen für Taxis und gewerbliche Kleintransporteure. Das Fahrverbot, das die beiden Straßen für den Individualverkehr sperrt und nur noch öffentliche Verkehrsmittel wie die verlängerte Straßenbahnlinie 18 zulässt, führt zu erheblichen Mehrkilometern und damit höheren Kosten für Fahrgäste und Kunden, sowie zu einem deutlich erhöhten CO₂-Ausstoß.
Mit der geplanten Sperre wird eine äußerst wichtige Nord-Süd-Verbindung gekappt. Die Stadionallee und die Meiereistraße sind für Taxi- und Lieferverkehr in der Prater-Umgebung eine zentrale Route. Eine Paketzustellung etwa von der Kleingartenanlage Wasserwiese zu weiteren Empfängern im Bereich Engerthstraße/Meiereistraße ist über Stadionallee und Meiereistraße rund 1,6 Kilometer lang. Bei einer Sperre würde sich die Strecke auf 4,9 Kilometer über die A23 verdreifachen oder auf 6 Kilometer über den Praterstern sogar fast vervierfachen. Bei einem CO₂-Ausstoß von rund 200 g pro Kilometer bedeutet dies pro Klein-Lkw bis zu 880 g zusätzliches CO₂ pro Fahrt und Richtung, also mehr als viermal so viel.
AUSNAHMEN LEICHT ZU ÜBERWACHEN
„Kleintransporteure sorgen dafür, dass Pakete, Waren und Lieferungen pünktlich ankommen“, unterstreicht Gurdial Singh Bajwa, Obmann der Kleintransporteure. „Künstliche Umwege über A23 oder Praterstern bedeuten mehr Zeit, mehr Sprit und mehr CO₂.“ Die Wirtschaftskammer Wien fordert daher, den gewerblichen Lieferverkehr mit Lkw bis 3,5 Tonnen höchstzulässigem Gesamtgewicht sowie Taxis ausdrücklich vom Fahrverbot auszunehmen – so wie Schienenfahrzeuge, Linienbusse und Straßendienstfahrzeuge, die ausgenommen sein werden.
Die Ausnahme des gewerblichen Verkehrs ist leicht zu überwachen: Wiener Taxis sind an der Kennzeichenendung TX, Kleintransporteure an der Endung KT auf den ersten Blick erkennbar. „Die Stadt plant ohnehin eine kamerabasierte Überwachung der Einfahrten in die verkehrsberuhigte Innere Stadt“, erklärt Bajwa. „Diese könnte man nun in der Stadionallee und Meiereistraße testen und so gleichzeitig sicherstellen, dass tatsächlich nur Taxis und Kleintransporteure einfahren.“
VERLAGERUNG DER SCHADSTOFFBELASTUNG
Die Stadt Wien begründet die Sperre unter anderem damit, dass die Stadionallee nicht als Ausweichroute für die A23 dienen solle und der Verkehr im Landschaftsschutzgebiet Prater reduziert werden müsse. In der Praxis nutzen Taxis und Kleintransporte für längere Distanzen ohnehin das hochrangige Straßennetz.
Im lokalen Bereich sind sie aber auf funktionierende Verbindungen angewiesen. Durch die Sperre würden Verkehr und Emissionen nicht reduziert, sondern lediglich verlagert werden. Die unmittelbare Folge auf der oftmals ohnehin überlasteten Südosttangente wären noch längere Staus und höhere Schadstoffbelastungen. Auch auf anderen Straßen wie der Franzensbrücke, der Schüttelstraße, der Praterstraße oder der Lasallestraße droht der Verkehr noch dichter und stockender zu werden.
HÖHERE KOSTEN FÜR KONSUMENTEN
„Wir haben Verständnis für eine verbesserte Anbindung an den öffentlichen Verkehr, aber nicht dafür, dass unsere Fahrgäste für Umwegfahrten zur Kasse gebeten werden“, erklärt Resul Ekrem Gönültaş Obmann der Wiener Taxi-Innung. „Wenn eine Taxifahrt wegen eines Fahrverbots plötzlich 10 bis 12 Euro mehr kostet, ist das eine versteckte Verteuerung des Alltagslebens der Wienerinnen und Wiener.“ Denn durch die kilometergenaue Abrechnung im geltenden Tarifrecht schlagen zusätzliche Fahrstrecken unmittelbar auf den Fahrpreis durch und treffen direkt die Fahrgäste.
„Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf Konsumentinnen und Konsumenten werden aus unserer Sicht ausgeklammert“, sagt Gönültaş. Die geplante Sperre führe zu erheblichen Umwegstrecken, die unmittelbar zu höheren Fahrpreisen und Lieferkosten führen. Es handle sich daher nicht nur um eine betriebswirtschaftliche Belastung einzelner Unternehmen, sondern um eine behördlich verursachte Mehrbelastung für Endverbraucher und damit um einen zusätzlichen Inflationstreiber. Eine verkehrspolitische Maßnahme, die nachweislich zu mehr Emissionen und gleichzeitig zu höheren Konsumentenpreisen führe, bedürfe einer besonders sorgfältigen Begründung.
INTERESSENSABWÄGUNG NOTWENDIG
Im Rahmen der Ermessensausübung nach § 43 StVO ist eine umfassende Interessenabwägung erforderlich. Dazu gehöre auch die Prüfung der Verhältnismäßigkeit: Wenn vermeidbare Mehrkosten für Bürgerinnen und Bürger sowie eine Inflationsbeschleunigung in Kauf genommen werden, obwohl eine klar definierbare und gut kontrollierbare Ausnahme für KT- und TX-Kennzeichen möglich wäre, muss die Entscheidung kritisch hinterfragt werden.
Die Wirtschaftskammer Wien ersucht die Stadt Wien daher nachdrücklich, das Ergebnis der bisherigen Verhandlung zur Sperre der Stadionallee und Meiereistraße nochmals zu überprüfen und die Durchfahrt für Fahrzeuge mit der Kennzeichenendung KT und TX vom Fahrverbot auszunehmen. Damit können unnötige Umwegfahrten, zusätzliche Emissionen und Mehrkosten für Fahrgäste, Kundinnen und Kunden vermieden werden, ohne den Öffentlichen Verkehr zu beeinträchtigen.
Wirtschaftskammer Wien
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