
ÖÄK zum Welt-Adipositas-Tag: Stigmatisierung beenden und Therapiezugang erleichtern
Mehr Anerkennung von Adipositas als Krankheit, bessere Behandlungsmöglichkeiten und mehr Präventivarbeit gefordert
„In Österreich leiden etwa 17 Prozent der Bevölkerung über 15 Jahre an Adipositas. Die Krankheit begünstigt Folgeerkrankungen wie Diabetes-Typ-2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Gelenksbeschwerden“, erklärt Kurt Widhalm, Präsident des Österreichischen Akademischen Institutes für Ernährungsmedizin und Referent für Ernährungsmedizin in der Österreichischen Ärztekammer, anlässlich des Welt-Adipositas-Tages am 4. März. „Um Therapieerfolge zu verbessern, muss die Krankheit als solche anerkannt und der Zugang zu Medikamenten erleichtert werden. Auch in Prävention muss mehr investiert werden.“
Zwtl.: Krankheit nicht als Willensschwäche abtun
„Adipositas ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die durch einen deutlich über das Normalmaß hinausgehenden Anteil an Körperfett charakterisiert ist und dann entsteht, wenn vom Körper dauerhaft mehr Energie aufgenommen als verbraucht wird“, erklärt der Experte. Ob und in welcher Ausprägung es zu einer Erkrankung kommt, hänge neben Lebensstilfaktoren wie kalorienreiche Ernährung, zu wenig Bewegung, Schlafmangel, Stress oder Depressionen auch stark von der genetischen Veranlagung ab. Die häufigste Form der Erkrankung ist die polygene Adipositas, bei der viele Gene jeweils einen kleinen Anteil zum Risiko beitragen.
„Menschen mit genetischer Prädisposition haben es deutlich schwerer ihr Gewicht zu halten, weil bei ihnen die Energie- und Appetitregulation nicht richtig funktioniert und das Sättigungsgefühl zu spät eintritt. Dennoch sehen immer noch viele Menschen Adipositas nicht als Krankheit, sondern als Folge von Schwäche und Disziplinlosigkeit – mit der traurigen Konsequenz, dass Betroffene neben ihrem körperlichen Leiden auch noch mit Diskriminierung zu kämpfen haben“, mahnt Widhalm ein Ende der Stigmatisierung ein.
Zwtl.: Therapieerfolge durch leichteren Zugang zu Medikamenten verbessern
Die Behandlung von Adipositas sollte interdisziplinär erfolgen und jedenfalls auch darauf abzielen, gesunde Ernährung und Bewegung langfristig zu einem fixen Bestandteil des Lebens zu machen. Eine wachsende Bedeutung in der Therapie kommt auch der medikamentösen Behandlung und hier insbesondere den sogenannten GLP-1-Agonisten zu. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Wirkstoff Semaglutid, der in den Mitteln Wegovy und Ozempic enthalten ist. „GLP-1-Agonisten ahmen das körpereigene Darmhormon GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) nach. Sie reduzieren den Heißhunger und sorgen dafür, dass das Sättigungsgefühl früher einsetzt und sich die Magenentleerung verlangsamt“, erklärt Widhalm.
Sehr bedauerlich sei es, dass GLP-1-Agonisten für die Therapie von Adipositas von der Krankenkasse nur zeitlich begrenzt oder nur bedingt – etwa, wenn im Anschluss ein chirurgischer Eingriff erfolgt – erstattet würden, sagt Widhalm: „Das stellt für die Betroffenen bei monatlichen Medikamentenkosten von oft mehreren Hundert Euro eine enorme finanzielle Belastung dar.“ Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sei das Sparen kontraproduktiv, seien doch die Kosten einer unbehandelten Adipositas weit höher als jene für eine Therapie.
Zwtl.: Mehr in Prävention investieren
Da Adipositas oft schon mit Übergewicht im Kindesalter beginnt, sollte auch verstärkt auf Prävention gesetzt werden – und das frühestmöglich. „Die politisch Verantwortlichen müssen viel mehr in entsprechende Projekte investieren. Diese sollten im Idealfall an Schulen angesiedelt sein und unter Einbindung von Fachexperten eine dauerhafte Umstellung der Lebensgewohnheiten von potenziell gefährdeten Kindern und Jugendlichen zum Ziel haben“, fordert Widhalm.
Österreichische Ärztekammer/Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Ilona Gschmeidler
Telefon: +43 1 51406-3312
E-Mail: i.gschmeidler@aerztekammer.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender