
KV-Speditions- und Lagereiarbeiter:innen: Zweite Verhandlungsrunde ohne Ergebnis verlaufen
Gewerkschaft vida hat kein Verständnis für von der WKÖ geforderten Verschlechterungen und fordert faire Lohnerhöhung für 9.000 Arbeiter:innen
Die zweite KV-Verhandlungsrunde für die rund 9.000 Arbeiter:innen in den österreichischen Speditions- und Lagereibetrieben zwischen der Gewerkschaft vida und der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) ist Anfang dieser Woche ohne Ergebnis verlaufen. Mit Unverständnis reagiert Markus Petritsch, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Straße, auf das von den Arbeitgebern gemachte Angebot von 2,2 Prozent. „Das Angebot liegt weit unter der rollierenden Inflation von 3,6 Prozent im vergangenen Jahr. Zudem werden von den Arbeitgebern Verschlechterungen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie bei den Ruhezeiten gefordert“, so Petritsch. Die Gewerkschaft werde daher am 11. März 2026 in einer Konferenz mit den Betriebsrät:innen aus der Branche das Angebot und eventuell notwendige gewerkschaftliche Maßnahmen diskutieren. Für 18. März ist eine weitere Verhandlungsrunde vereinbart.
„In einer für die kritische Infrastruktur so wichtigen Branche, ohne die in Österreich nichts geht, sollte es vielmehr Ziel sein, neben fairen Lohnerhöhungen auch die Arbeitsbedingungen zu attraktiveren, um mehr Stammpersonal zu halten und neues Personal zu gewinnen“, so der vida-Gewerkschafter weiter. Auch die WKÖ erwarte sich von der Logistikstrategie der Bundesregierung, dass der Standort Österreich bis 2035 wettbewerbsfähig gehalten wird sowie Maßnahmen zur Bewältigung des Personalmangels im Fahr- und Lagerbereich. „Dazu müssen aber auch die Arbeitgeber ihren Anteil beitragen“, betont Petritsch weiter – mit dem vorliegenden Angebot werde die Branche für Arbeitskräfte aber nicht anziehender werden.
Der Mindestlohn bei Arbeiter:innen liegt für 38,5 Stunden die Woche bei 2.280,55 Euro im Monat – netto entspricht dies rund 1.800 Euro. „Die hohe Teuerung der letzten Jahre ist für Arbeitnehmer:innen mit geringem Haushaltseinkommen deutlich stärker spürbar als für Gutverdiener:innen“, betont Petritsch auf die Notwendigkeit einer Kaufkraftstärkung für die Beschäftigten. Die Lohnsteigerungen würden zudem sofort wieder in den Konsum fließen und somit auch den heimischen Handel stärken.
Zu den Branchenriesen in Österreich zählen vorwiegend die Speditionen Gebrüder Weiss, Schenker, DHL, Kühne+Nagel, Amazon sowie u.a. auch DPD oder die Nagel Group. Die Bruttowertschöpfung der gesamten Branche habe laut WKÖ-Branchendaten 2023 in Summe 2.622 Mio. Euro betragen. Davon entfiel knapp die Hälfte (49,4 Prozent bzw. 1.295 Mio. Euro) auf Großunternehmen, das heißt auf 23 Unternehmen mit 250 oder mehr Beschäftigten in Österreich. Die Bruttowertschöpfung eines Beschäftigten lag laut aktueller AK-Branchenanalyse 2024 bei 95.499 Euro und sei damit trotz real gesunkenen Umsätzen höher als im Vorjahr. „Die Produktivität ist damit wieder gestiegen“, erwartet sich Petritsch ein faires Angebot und sieht keinen Grund dafür, eine Krise der Branche künstlich herbeizureden.
Gewerkschaft vida/Öffentlichkeitsarbeit
Hansjörg Miethling
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