
ÖBVP: Psychotherapeutische Perspektive auf die aktuelle Unruhe im Nahen Osten
Achtsamer Medienkonsum als zentraler Schutzfaktor in Zeiten globaler Krisen
Die Entwicklungen im Nahen Osten bewegen viele Menschen in Österreich tief. Die nahezu ununterbrochene Verfügbarkeit von Bildern, Videos und Echtzeitmeldungen, vor allem über Social Media, führt dazu, dass Konflikte unmittelbar in unseren Alltag dringen. Dieser permanente Informationsfluss kann Gefühle von Unsicherheit, Hilflosigkeit und Überforderung verstärken. Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) unterstreicht daher die Bedeutung eines bewussten und psychisch verträglichen Umgangs mit Nachrichten und digitalen Medien.
„_Die gegenwärtige Informationsdichte ist für viele Menschen eine erhebliche Belastung_“, erklärt ÖBVP-Präsidentin BARBARA HAID. „_Die Dauerverfügbarkeit von Bildern und Nachrichten aus Krisengebieten kann Stressreaktionen auslösen – selbst dann, wenn man persönlich nicht betroffen ist. Umso wichtiger ist es, innezuhalten, Grenzen zu setzen und das eigene Belastungsmaß aufmerksam wahrzunehmen._“
Besonders herausfordernd ist die Situation für Menschen, die familiäre oder persönliche Bindungen in die betroffenen Regionen haben, die sich um Angehörige sorgen, selbst vor Ort sind oder kürzlich waren. Für sie kann die emotionale Erschütterung durch Medienberichte besonders ausgeprägt sein. Aus psychotherapeutischer Sicht ist bekannt, dass wiederholte Konfrontation mit belastenden Inhalten Angst verstärken und das Sicherheitsgefühl nachhaltig beeinträchtigen kann.
ACHTSAMER UMGANG MIT SOCIAL MEDIA
Digitale Plattformen verstärken durch algorithmisch gesteuerte Inhalte, emotionale Zuspitzung und endloses Weiterführen von Feeds die psychische Anspannung.
„_Social Media ist nicht per se schädlich, doch seine Wirkung hängt stark vom Kontext und der individuellen Vulnerabilität ab._“ betont BÉA PALL, Präsidiumsmitglied des ÖBVP. „_In Phasen globaler Krisen ist es entscheidend, den Informationskonsum bewusst zu regulieren. Es braucht die Fähigkeit, sich selbst zu fragen: Was halte ich im Moment aus, und was überfordert mich?_“.
KONKRETE EMPFEHLUNGEN DES ÖBVP
* Medienpausen einplanen: regelmäßige, klar definierte Zeiten ohne Nachrichten und Social Media
* Verlässliche Informationsquellen nutzen: wenige, qualitätsgesicherte Medien statt permanentem Scrollen und Algorithmus-getriebene Feeds
* Körperliche und emotionale Signale ernst nehmen: Unruhe, Schlafschwierigkeiten, Gereiztheit und Konzentrationsprobleme sind Warnzeichen
* Gespräche suchen: Austausch mit vertrauten Personen hilft, Eindrücke zu verarbeiten und einzuordnen
* Professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen: wenn Ängste oder Belastungen anhalten, kann Psychotherapie eine wertvolle Unterstützung bieten
PSYCHOTHERAPIE ALS STABILISIERENDE RESSOURCE
„_In einer Zeit, in der internationale Konflikte uns bis ins Wohnzimmer folgen, brauchen Menschen psychische Orientierung und Stabilität._“, betont HAID. „_Psychotherapie bietet einen geschützten Rahmen, in dem Menschen Belastung und Ohnmacht bearbeiten können und wieder Zugang zu ihren eigenen Bewältigungsressourcen finden._“
BEWUSSTER UMGANG MIT DIGITALEN RÄUMEN
Angesichts der aktuellen Situation empfiehlt der ÖBVP, digitale Medien mit besonderer Vorsicht zu nutzen. In Phasen hoher emotionaler Belastung kann es hilfreich sein, den eigenen Medienkonsum zu strukturieren und gut auf das eigene Befinden zu achten. Besonderes Augenmerkt gilt Kindern und Jugendlichen. Sie sind durch die emotionale Intensität von Nachrichtenbildern und sozialmedialen Inhalten besonders vulnerabel. Der ÖBVP rät daher, junge Menschen aktiv zu begleiten, Medieninhalte gemeinsam einzuordnen und sie vor einer Überforderung durch belastende Darstellungen zu schützen.
Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie
Fabienne Patek, MSc
Telefon: +43 676 306 59 41
E-Mail: oebvp.patek@psychotherapie.at
Website: https://www.psychotherapie.at
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