Gewaltambulanz Linz: Eröffnung mit gravierenden Mängeln

Zivilgesellschaft und Rechtsexpertin üben scharfe Kritik an der Umsetzung

_Die kürzlich eröffnete Gewaltambulanz in Linz steht in der Kritik: Die gemeinnützige Organisation #aufstehn und angehende Rechtsanwältin Didem Wenger kritisieren, dass die zentrale Funktion einer Gewaltambulanz – Gewaltbetroffene rasch, professionell und beweissichernd zu versorgen – in der derzeitigen Ausgestaltung nicht erfüllt ist. „Eine Gewaltambulanz muss im Ernstfall sofort erreichbar sein und gerichtsverwertbare Beweissicherung garantieren. Das ist aktuell nicht der Fall.“, so Didem Wenger, angehende Rechtsanwältin und Initiatorin der Petition zur Errichtung einer Gewaltambulanz in Oberösterreich._

Am 24.02.2026 verkündete das Kepler Universitätsklinikum (KUK) in Linz, dass seit dem 14.01.2026 am Med Campus eine Gewaltambulanz in Betrieb sei. Aber wesentliche fachliche Anforderungen sind bislang nicht erfüllt. Kernvoraussetzung für eine Gewaltambulanz ist die niederschwellige und durchgehende Erreichbarkeit. Dafür braucht es einen über das ganze Jahr verfügbaren, einfach erreichbaren gerichtsmedizinischen und ärztlichen Bereitschaftsdienst. Am Kepler Universitätsklinikums (KUK) ist die Gewaltambulanz weder rund um die Uhr noch telefonisch erreichbar. Sie ist organisatorisch in der Unfallambulanz angesiedelt und wird derzeit von einer Forensik Nurse an zwei Tagen pro Woche betreut; außerhalb dieser Zeiten soll anderes medizinisches Personal übernehmen. Damit fehlt eine kontinuierliche spezialisierte Betreuung. In Oberösterreich gibt es kein gerichtsmedizinisches Institut, daher ist die telemedizinische Dokumentation notwendig. Ein externer Gerichtsmediziner soll sich bereit erklärt haben, die medizinische Leitung zu übernehmen. Was das genau bedeutet, ist unklar. Über die Errichtung der Ambulanz wurden Frauenberatungsstellen weder informiert noch in ihre Planung eingebunden. Zudem fehlt eine transparente Information darüber, wie Betroffene die Einrichtung kontaktieren können. „Wenn ich nach einer Gewaltambulanz in Oberösterreich suche, finde ich online nichts. Eine Ambulanz, von der niemand weiß, schützt Betroffene nur auf dem Papier. Für Menschen, die Gewalt erfahren haben und die Beweissicherung brauchen, zählt jede Stunde – auch nachts. In der aktuellen Ausgestaltung bleibt das Angebot hinter diesem Anspruch zurück“, sagt Flora Bachmann von #aufstehn.

HINTERGRUND: PETITION UND ZIVILGESELLSCHAFTLICHER EINSATZ

Die Forderung nach einer eigenständigen Gewaltambulanz geht auf eine Petition zurück, die Didem Wenger im Februar 2025 auf mein.aufstehn.at gestartet hat. Über 10.000 Menschen unterstützen das Anliegen. „Dass es diese Ambulanz heute gibt, ist das Ergebnis von monatelangem Einsatz – von zehntausenden Menschen, die die Petition unterzeichnet haben, und von Didem Wenger, die nicht locker gelassen hat“, sagt Flora Bachmann von #aufstehn. Wenger ergänzt: „Gleichzeitig zeigt die Umsetzung in Linz, dass entscheidende Standards weiterhin fehlen. Es mag jetzt eine Gewaltambulanz geben, aber für Betroffene ist die aktuelle Umsetzung keine verlässliche Hilfe.“

Link zur Petition

#aufstehn
Flora Bachmann
Telefon: 0043 670 550 6384
E-Mail: presse@aufstehn.at

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