
Teil der demokratischen Infrastruktur: RTR Medien legt Studie zur gesellschaftlichen Wirkung des Nichtkommerziellen Rundfunks vor
Untersuchung der Universität Salzburg erkennt „Aktivierende Reichweite“
Der Nichtkommerzielle Rundfunk in Österreich ist eine eigenständige demokratische Medieninfrastruktur. Mit seinem Angebot an Laien, journalistische Medienproduktionen unter professioneller Anleitung selbst zu gestalten, ist seine gesellschaftliche Bedeutung nach anderen Maßstäben zu beurteilen als die Programmangebote der öffentlich-rechtlichen und privaten Medien. Zu diesem Schluss kommt die qualitative STUDIE „NICHTKOMMERZIELLE RUNDFUNKVERANSTALTER: WAS SIE TUN UND WAS SIE LEISTEN“, die die UNIVERSITÄT SALZBURG IM AUFTRAG des Fachbereichs Medien der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR MEDIEN) erstellt hat. Am 5. März 2026 wurde die Untersuchung bei der RTR Medien in Wien vorgestellt.
„Der Nichtkommerzielle Rundfunk erfüllt eine breitere gesellschaftliche Rolle – als demokratische Infrastruktur, die den Menschen Beteiligung, Medienkompetenz und mediale Öffentlichkeit unter Vermittlung journalistischer Grundwerte ermöglicht“, sagte RTR MEDIEN-GESCHÄFTSFÜHRER WOLFGANG STRUBER anlässlich der Studienpräsentation. „Mit dem ‚Nichtkommerziellen Rundfunkfonds‘ fördern wir diese Einrichtungen. Auch die Bundesländer unterstützen freie Radios und Fernsehsender. Aber oft werden diese Förderungen auch unter Hinweis auf geringe Nutzungszahlen der Programme diskutiert, in einem Fall vor einigen Monaten sogar eingestellt. Wir haben den Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg daher gebeten, die Arbeit der Nichtkommerziellen objektiv zu beleuchten, um deren Leistungsspektrum besser verständlich zu machen“, so Struber.
EIN ANDERER REICHWEITENBEGRIFF: AKTIVIERUNG STATT BLOSSER KONTAKT
Mit dem Begriff ‚Aktivierende Reichweite‘ prägt die Studie ein anderes Verständnis für das Angebot des Nichtkommerziellen Rundfunks, der nicht allein auf die passive Nutzung von Medienberichten abzielt. Stattdessen wird es den Menschen ermöglicht, selbst über Ereignisse zu berichten, die sie in ihrem Umfeld bewegen und die oftmals keinen Niederschlag in anderen Medienangeboten finden.
Die STUDIENAUTORIN MMAG.A MANUELA GRÜNANGERL erläuterte dazu: „Unsere Studie zeigt, dass die Reichweite der Nichtkommerziellen nicht primär an Einschaltquoten oder Klickzahlen gemessen werden kann, sondern an deren Aktivierungspotenzial. Sie befähigen Menschen, selbst Öffentlichkeit herzustellen, Kompetenzen aufzubauen und dauerhaft an demokratischen Kommunikationsprozessen teilzuhaben. Aktivierende Reichweite ist damit kein Nebenprodukt, sondern das Strukturprinzip einer partizipativen Medienpraxis.“
Für UNIV.-PROF. DR. JOSEF TRAPPEL, LEITER DES FACHBEREICHS KOMMUNIKATIONSWISSENSCHAFT an der UNIVERSITÄT SALZBURG, unterstreicht die Studie vor allem die demokratiepolitische Funktion des Sektors: „Der Nichtkommerzielle Rundfunk ist eine demokratische Basisinfrastruktur, die Teilhabe, Selbstermächtigung und zivilgesellschaftliche Öffentlichkeit strukturell ermöglicht. Die Leistungen gehen über die Herstellung von Inhalten weit hinaus.“
Laut der Studie entwickeln die Beteiligten damit Fähigkeiten, die auch nachhaltig in berufliche, pädagogische oder zivilgesellschaftliche Kontexte weiterwirken.
EINORDNUNG FÜR MEDIENPOLITIK UND FÖRDERUNG
Die Autor:innen kommen zu dem Schluss, dass eine Bewertung des Nichtkommerziellen Rundfunks sich nicht auf klassische Reichweitenkennzahlen beschränken dürfe. Entscheidend seien seine demokratiepolitischen, bildungsbezogenen und infrastrukturellen Leistungen. Der Nichtkommerzielle Rundfunk sei als ein Bereich zu verstehen, in dem Öffentlichkeit, Teilhabe und mediale Selbstermächtigung strukturell ermöglicht werden. Nicht nur das Verständnis für die Entstehung von Medieninhalten und die Teilnahme am demokratiepolitischen Diskurs würden gefördert, sondern auch eine kritische Beurteilung algorithmisch gesteuerter Medienangebote könne gestärkt und einem zunehmenden Vertrauensverlust in herkömmliche Medien entgegengewirkt werden.
Für die qualitativ-empirische Studie führten die Studienautor:innen Interviews mit fünfzehn leitenden Vertreter:innen von sieben nichtkommerziellen Radio- und TV-Sendern sowie der Archiv-Plattform CBA.
Die Studie „Nichtkommerzielle Rundfunkveranstalter: Was sie tun und was sie leisten“ ist auf der Website der RTR veröffentlicht: https://www.rtr.at/Studie_NKRF
ÜBER DIE RTR MEDIEN
Der Fachbereich Medien der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR Medien) ist Österreichs größte Förderstelle für Medienunternehmen (Radio, Fernsehen, Print, Audio-Podcast) und unterstützt mit dem Fernsehfonds Austria Fernsehfilm-Produktionen und damit internationale Investitionen in den heimischen Filmstandort. Als Kompetenzzentrum dieser Märkte, teilt die RTR Medien ihr Wissen in Studien, Berichten oder Veranstaltungen. Die RTR mit ihren Fachbereichen Medien sowie Telekommunikation und Post ist Geschäftsstelle der Kommunikationsbehörde Austria (KOMMAUSTRIA), der Telekom Control Kommission (TKK) und der Post Control Kommission (PCK). Geschäftsführer der RTR Medien ist Mag. Wolfgang Struber, Geschäftsführer der RTR.Telekom.Post ist Dr. Klaus M. Steinmaurer.rtr.at.
Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH
Andreas Kunigk
Telefon: +43 1 58058 168
E-Mail: andreas.kunigk@rtr.at
Website: https://www.rtr.at/Medien
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